Wolf an der Rotwand: „Ähnlichkeit mit Rummel um Bär Bruno"

Geitau/München - Für Braunbär Bruno bedeutete seine Wilderei im Sommer 2006 das Todesurteil. Jetzt verunsichert ein Wolf die Menschen um Bayrischzell. Landwirte befürchten eine neue Hysterie.

An manchen Tagen geht der Landwirt aus der Gegend um Bayrischzell gar nicht mehr ans Telefon. Seit ein Wolf bei Geitau (Kreis Miesbach) vier Schafe gerissen hat, schellt der Apparat bei dem Bauern, der seinen Namen auf keinen Fall in der Zeitung lesen möchte, beinahe ohne Unterlass: Journalisten fragen nach dem Raubtier. Tierschützer verfluchen die Bauernzunft schon bevor überhaupt Forderungen nach einem Abschuss laut geworden sind, Schafliebhaber verteufeln das Raubtier. „Das hat eine gewissen Ähnlichkeit mit dem Rummel um Braunbär Bruno", sagt der Landwirt. Und genau daran erinnert sich der Mann ungern. Bauern, die um ihr Vieh fürchteten, Bürger und Hüttenwirte, die um ihr Leben bangten, erhielten persönliche Morddrohungen; Tierschützer kritisierten die wochenlange Hatz auf das Raubtier heftig. „Der Wolf ist nicht so kuschelig wie der Bär, und einen Namen hat er auch noch nicht", sagt der Bauer mit leichtem Zynismus. Nichtsdestotrotz befürchtet er, dass auch der Wolf hitzige Debatten auslösen wird.

Bilder: Unser Braunbär Bruno

Unser Braunbär Bruno

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„Ich hoffe, dass jetzt keine schlechte Stimmung gegen ein vergleichsweise harmloses Tier entsteht", sagte Professor Albert Göttle, der Präsident des Bayerischen Landesamts für Umwelt, am Wochenende. Er wies darauf hin, dass es Jägern nicht erlaubt ist, Wölfen nachzustellen: „Der Wolf ist nicht jagdbar, er unterliegt dem Naturschutzrecht." Für eine Abschusserlaubnis müsse eine erhebliche wirtschaftliche und soziale Gefährdung bestehen. Nachdem schon im Januar im selben Raum Wildtiere von einem Wolf getötet wurden, gäbe es nun Verunsicherung. Eine ähnliche Hysterie wie 2006 bei dem Braunbären Bruno erwartet Göttle im Gegensatz zu manchen Landwirten nicht: „Ein Wolf ist nicht mit einem Bären zu vergleichen. Der Wolf ist von Natur aus ein scheues Tier und meidet den Menschen."

Nach dem Abschuss von Bruno 2006 wurde ein Managementplan für Bären, Luchse und Wölfe in Bayern entwickelt und ein Ausgleichsfonds für die Schäden eingerichtet. „Der Fonds ist gut gefüllt, so werden auch betroffene Landwirte keinen finanziellen Schaden tragen", sagte Göttle. Auch im aktuellen Fall sei schon das Gespräch mit dem betroffenen Landwirt aufgenommen, ihm wird der Schaden schnell ersetzt und Konsequenzen für Abwehrmaßnahmen werden besprochen.

In vergangenen Jahren war nichts über in Bayern lebende Wölfe bekannt. Als im Jahr 2006 in Starnberg ein Wolf überfahren wurde, war das der erste Wolf seit langem, von dem man in Bayern wusste. Dass Wölfe in Bayern heimisch werden, müsse laut Göttle in Zukunft aber keine Seltenheit bleiben: „Die Populationen in den Nachbarländern nehmen zu und der Wolf pflanzt sich relativ stark fort."

cal/lby

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