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Interessierte Zuhörer in Aschheim beim Vortrag über die Handelsabkommen.

Aschheim: Freihandelsabkommen - Landwirte fürchten Preisverfall 

Aschheim - Seit Monaten wird über die Vor- und Nachteile der geplanten Freihandelsabkommen mit den USA (TTIP) und mit Kanada (CETA) diskutiert. Welche Auswirkungen diese Abkommen insbesondere für die Landwirtschaft haben, das zeigte Matthias S. Fifka in seinem Vortrag in Aschheim auf. Er ist Vorstand des Institutes für Wirtschaftswissenschaft und sprach auf Einladung des Bayerischen Bauernverbands (BBV).

Am Ende des Vortrags stand für die Landwirte die Erkenntnis, dass sie eher Nachteile aus solchen Freihandelsabkommen befürchten müssen. Der Wirtschaftswissenschaftler machte von Beginn an einen Unterschied zwischen den beiden Abkommen. Er rechnet mit einer Ratifizierung von CETA in den kommenden zwei Jahren und sieht für TTIP aktuell kaum Chancen. Schon bisher sei das größere der beiden Abkommen von den USA und der Europäischen Union eher lose gehandhabt worden: „Da wird noch verhandelt, wie eigentlich verhandelt werden soll.“ 

Nach der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten erwartet Fifka, „dass sich dieser Präsident sehr lange nicht um TTIP kümmern wird. Bestenfalls plätschert das Abkommen ein bisschen alibimäßig dahin“. Er erklärte das Verfahren bei solchen internationalen Verhandlungen und sagte, der Vorwurf fehlender Transparenz bei beiden Handelsabkommen sei absolut berechtigt. Horrorszenarien wie das gerne einmal angesprochene Chemie--Hühnchen seien dagegen sehr weit hergeholt. 

Sein Fazit: „Freihandel verstärkt den Wettbewerb und geht meistens zu Lasten der schwächeren Teilnehmer.“ 

Vor rund 100 Gästen aus dem Landkreis ging der Wirtschaftswissenschaftler konkret auf die CETA-Auswirkungen für die Landwirtschaft ein. Eier und Geflügel seien aus den Verträgen ausgenommen worden, da die Verhandlungen keine einvernehmlichen Lösungen gebracht hätten. Europa werde künftig deutlich mehr Käse nach Kanada exportieren können, was den Großmolkereien Zuwächse bescheren könnte. Milchbauern profitierten von dieser Entwicklung maximal indirekt, wenn Großmolkereien mehr Milch benötigen. 

Größter landwirtschaftlicher Gewinner sind laut Fifka in Deutschland die Weinbauern, die mit deutlich mehr Export nach Kanada rechnen können. Der kanadischen Landwirtschaft sei es vor allem wichtig, durch die zollfreien Exporte mehr Fisch nach Europa verkaufen zu können. Fifka erwartet aber auch, dass Kanada nach dem CETA-Start mehr Schweine- und Rindfleisch in die EU einführen wird. Viehhalter hierzulande müssten deshalb beim Verkauf von Schlachtvieh mit sinkenden Preisen rechnen. Grundsätzlich werde in Folge der Freihandelsabkommen die Landwirtschaft der beiden nordamerikanischen Staaten stärker wachsen als die der EU. 

In Kanada dagegen gehen derzeit die Milchbauern auf die Barrikaden. Sie fürchten eine wahre Käseflut aus Europa. Matthias S. Fifka deutete an, dass die deutsche Landwirtschaft im Fall eines fast wundersamen TTIP-Neustarts Probleme bekommen könne. Bei Vorteilen etwa für die Autoindustrie mit möglichen Milliardengewinnen und Tausender neuer Arbeitsplätze sei es kein unwahrscheinliches Szenario, dass Deutschland den USA bei der Landwirtschaft Zugeständnisse anbieten könnte. 

Angesichts dieser Prognosen mag an diesem Abend der eine oder andere Zuhörer gar nicht mehr so entsetzt gewesen sein über die Wahl Trumps – der lehnt die beiden Abkommen ja vollständig ab.

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