Ein Herz für die Umwelt: Konditor Bernd Dostler stellt Lebkuchen-Herzen für die Wiesn her, die das Klima schonen. F: Agm

Herzen, die das Klima schützen

Aschheim - Der Aschheimer Lebkuchenproduzent Bernd Dostler (37) hat nicht nur ein Herz für die Wiesn. Er gibt dem Münchner Oktoberfest vor allem ein Herz für die Umwelt, wie heute beim Pressegespräch zum Wiesn-Klimaschutz die Wiesnwirte und Münchens dritter Bürgermeister und Klimaschutzbeauftragter Hep Monatseder informieren.

Bei der diesjährigen Wiesn gehen je verkauftem Wiesn-Klimaherz 90 Cent in Klimaschutzprojekte. Die Herzen in zwei Größen zu 4,50 Euro und 6.50 Euro Verkaufspreis gleichen je 25 Kilogramm beziehungsweise 50 Kilogramm Kohlendioxid-Emissionen aus. Ein Herz kompensiert den Kohlendioxidverbrauch von drei Wiesnbesuchern.

Die Münchner „Wiesn-Klima-Freunde“, ein Aktionsbündnis der Wiesnwirte, der Stadt München und der Gruppe „Aktive im Klimaschutz“, sind begeistert. Für ihr Ziel, die im Juli 2011 von der Stadt München beschlossene „klimafreundliche Wiesn“ mit Leben zu füllen, ist Dostlers Aschheimer Konditorei „Zuckersucht“ ein perfekter Partner. Dostlers Wiesnherzen erfüllen die Anforderungen, die München an klimaschonende Speisen und CO2-Einsparung beim Oktoberfest stellt.

Dafür liegen schlaflose Nächte hinter Dostler und eine Investition von rund 40 000 Euro. Aber jetzt hat er die ersehnte Zertifizierung „Geprüfte Qualität - Bayern“.

Er musste einiges dafür tun. Die Backstube durchgehend bis zwei Meter Höhe fliesen; zu jedem Lebkuchenherz, das die Aschheimer Konditorei verlässt, das sogenannte Rückverfolgungsgebot sichern, also zu jedem Herz die genaue Zuordnung, aus welchem Sack das Mehl stammt; eine Lebensmittelkontrolleurin einstellen, nach deren Forderungen ein penibler Putzplan erstellt und vor allem überwacht wird. So gibt es nun Wiesnherzen, die wahrlich auch „Herz und Nieren“ geprüft sind. Nicht neu ist aber, dass die Aschheimer Backwaren ohne Chemie und giftige Farb- und Zusatzstoffe entstehen.

Die Wiesn-Klimafreunde schwärmen: „,Zuckersucht' bietet dank der räumlichen Nähe zum Oktoberfest im Gegensatz zu den anderen Produktionsbetrieben aus Norddeutschland oder Osteuropa kurze Transportwege und leistet damit schon einen Beitrag zum Klimaschutz. Bei der Beschaffung der Zutaten wird auf regionale Lieferanten geachtet. Es kommt ausschließlich Mehl aus Bayern mit Qualitätssiegel zum Einsatz. Auch der Produktionsprozess ist klimaschonend.“ Er umfasse die Nutzung von Ökostrom und Ökogas der Stadtwerke München, die Produktion von Warmwasser über eine eigene Photovoltaikanlage, wie auch ein „ausgeklügeltes Produktionsverfahren“: „Statt der üblichen großen Tunnelöfen, die Energie für lange Aufheiz- und Nachheizzeiten verschwenden, setzt ,Zuckersucht' auf kleinere energiesparende Öfen.“ Verformte Ware könnte dank kleinteiliger Produktion auch wieder verarbeitet und ausgewalzt werden. Weniger Ausschuss bedeute weniger Energieverschwendung. Vor allem verzichte Dostler auf das schnelle Aufgehen der Lebkuchen durch exzessiven Einsatz von Chemikalien und Aufkochen des Sirups. „Bei ,Zuckersucht' gibt es eine eigene Halle, in der der Teig vier Wochen ruhen und sich entwickeln darf, bevor er zum Einsatz kommt. Das wist eine Seltenheit in der Branche.“

Für Dostler sind solche Qualitätsmerkmale selbstverständlich: „Als gelernter Konditor steht Qualität für mich seit jeher an erster Stelle.“ Das Lob der Prüfer freut ihn dennoc sehr. Augenzwinkernd resümiert er: „Meine Herzen sind halt einfach gut - gut für das Münchner Oktoberfest und das Klima.“

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