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Nicht nur zuhören wollen die Besucher bei der Aschheimer Bürgerversammlung. Rund 30 Wortmeldungen sorgen für eine lebhafte Diskussion – vor allem beim Thema Asyl.

Bürgerversammlung in Aschheim

Asyldebatte: von sachlich bis polemisch

Aschheim - So turbulent ist es schon seit Jahren nicht mehr zugegangen bei der Aschheimer Bürgerversammlung. Viele Besucher meldeten sich zu Wort. Das wichtigste Thema des Abends: Die Asylpolitik im Ort und ganz allgemein.

Der Großteil der Wortmeldungen kam von Anwohnern rund um die Alpenstraße, deren Thema die Asylbewerber sind. Die Menschen äußerten gegenüber Bürgermeister Thomas Glashauser (CSU) und den Gemeinderäten ihre Sorgen – wobei die Debatte mit dem Bürgermeister, mit Landrat Christoph Göbel (CSU) und dem Haarer Polizei-Chef Karl-Heinz Schilling teilweise auch polemisch verlief. 

André Turiaux fragte Glashauser und Göbel, welchen Einfluss sie haben auf die Zuteilung von Familien für die beschlossene Anlage an der Alpenstraße, in der bis zu 50 Asylbewerber Platz finden sollen. „Ich weiß nicht, welche Menschen bei der Fertigstellung der Einrichtung vom Landkreis unterzubringen sind“, sagte Göbel. Glashauser ergänzte, die Gemeinde Aschheim habe bewusst versucht, eine hochwertige Unterkunft zu schaffen, mit dem Ziel, dort vor allem Familien unterbringen zu können. 

Entstehen sollen Betonwürfel, sogenannte Mobile Cubes der Firma „Concrete Rudolph“, aufgestellt am Nordende der Alpenstraße. Jedes Modul verfügt über je 31 Quadratmeter Wohnfläche für zwei bis vier Geflüchtete. Zu jeder Einheit gehören Bad, Küchenzeile und Balkon. Derzeit ist die Zahl der Asylbewerber, die Aschheim aufnehmen muss, von 231 auf 193 gesenkt. Glashauser hält sich vorerst an diese Zahl. Wie sich der Beschluss der Regierung von Oberbayern auswirken wird, geplante Unterkünfte zu stoppen und jeden Fall einzeln zu prüfen, lässt Glashauser offen. 

Turiaux kritisierte zudem die Größe der Unterkunft: „Würde man statt zweimal 50 lieber fünfmal 20 Plätze schaffen, wäre das verträglicher.“ Glashauser entgegnete, dass die Gemeinde auch Sozialhilfeberechtigte unterbringen müsse und der Wohnraum sowie geeignete Flächen nicht endlos zur Verfügung stünden.

 Josef Lausch legte sich mit deutlichen Worten fest: „Einen ungünstigeren Platz als den ausgewählten Standort an der Alpenstraße gibt es nicht. Sollen unsere Senioren aus dem Betreuten Wohnen mit den Kameraden grillen?“ Er schlug spontan das Partnerschaftshaus oder die Pfarrheime als Unterkünfte vor. Glashauser widersprach: Eine Unterbringung im Partnerschaftshaus sei nicht möglich.

 Klara Wildner bat Glashauser um Hilfe: „Ich würde gerne wissen, ob wir Frauen mit unseren Ängsten ernst genommen werden?“ Landrat Göbel bestätigte, dass seit den Vorfällen an Silvester in Köln Ängste größer geworden seien. Er sieht den Schlüssel zur Integration in erster Linie in dem Kontakt mit Familien: „Wo Familien sind, verhalten sich die Menschen ganz anders als in der berühmten Traglufthalle mit 300 Männern.“ 

Ein positives Beispiel stellte Christine Süßbauer vor, die bei den Asylbewerbern nach Helfern für ein Leichtathletik-Sportfest gefragt hatte. Viele Flüchtlinge seien froh gewesen, aus ihren Einrichtungen herauszukommen und eine Aufgabe zu bekommen, sagte sie. Sie war begeistert von den spontanen Helfern. 

Unter dem Applaus der Zuhörer verteidigte Glashauser den Kurs der Gemeinde, die Überbrückungsunterkunft im Gewerbegebiet Dornach Ende Mai auslaufen zu lassen. Die Regierung von Oberbayern habe ganz andere Pläne gehabt. „Wenn wir uns nicht gewehrt hätten, dann hätten wir heute eine Erstaufnahmeeinrichtung mit 1000 Plätzen für die nächsten zehn Jahre“, sagte er. Er ist sich aber zugleich bewusst, dass der Aschheimer Weg, die Flüchtlinge an unterschiedlichen Stellen im Ort unterzubringen, schwierig, aber lohnenswert ist: „Eine dezentrale Unterbringung bedeutet mehr Standorte, mehr Nachbarn und mehr Gegenwind. Das oberste Ziel ist jeodch eine gute und gelingende Integration.“

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