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Das Team von 1977: Links mit dem gezwirbelten Schnauzbart Helmut Englmann, neben ihm die „kleine Freche“, Helene Pusl; die Herzkammern der Bayerischen Volksbühne.

Neuerung

Bayerische Volksbühne Aschheim spielt Krimis

Aschheim - „Mei, klein war sie und unscheinbar, aber frech, so frech!“ Helmut Englmann lacht. Die kleine Freche ist auf der Bühne seit 40 Jahren seine Partnerin. Aus dem kleinen unscheinbaren und frechen Mädl Helene Pusl ist in den vier Jahrzehnten seit Bestehen der Bayerischen Volksbühne eine gestandene Erfolgschauspielerin des Ensembles geworden. Frech tritt sie natürlich immer noch auf.

Die Bayerische Volksbühne von Helmut Englmann ist ein Erfolgsprojekt. Englmanns Bart ist zwar kürzer und nicht mehr ganz so schwungvoll, die Aufführungen sind aber immer länger und sehr dynamisch geworden. Eigentlich hat ja alles noch viel früher begonnen. 1956, Englmann gerade mal 13 Lenze alt, holte sein Lehrer Josef Boche von der Kirchheimer Volksschule auf die Bühne beim Sportverein. „Pferd mit drei Beinen“ hieß das Stück. Das Theater vom Sportverein trat ab dann regelmäßig auf. Und schon Jahre später erklärte der Lehrer Boche dem inzwischen feschen jungen Mann Englmann: „Ich habe jetzt keine Zeit mehr, und du machst ab jetzt das Theater weiter.“

Anregung vom Bürgermeister

So studierte der Kirchheimer alljährlich für den Sportverein einen Drei-Akter ein und spielte, „wie heute noch“, auch immer selbst mit. Der damalige Kirchheimer Bürgermeister Hermann Schuster war es dann, der die Anregung zur Gründung einer Bayerischen Volksbühne gab, erzählt Englmann, der übrigens um mehrere Ecken herum mit dem gleichnamigen Alt-Bürgermeister von Aschheim verwandt ist: „Schuster kam zu mir und meinte, ich sollte doch im Rahmen der VHS das Theaterspielen anbieten und etwas bekannter machen.“ 1976 gab es den ersten Kurs: „Was erwartet mich auf der Bühne“.

Die Hälfte gibt gleich wieder auf

40 Neugierige saßen beim ersten Treffen in der Grundschule Aschheim und schauten Englmann „voller Spannung“ an. Er erklärte klar und deutlich, was er von den Spielern an Fleiß und Bühnenlust erwartet – so kam zum nächsten Treffen nur noch die Hälfte. Mit denen aber ging es im Herbst und dem Stück „Der Ehestreik“ und 15 Mitwirkenden auf und hinter der Bühne richtig los. Da waren auch einige Spieler von der Theatergruppe des Sportvereins dabei, wie Hans Stefani, der zusammen mit Günter Schöne seit über 30 Jahren die Bühne gestaltet, Helene Pusl und Sonja Schöne.

"Alles beim Teufel" bringt den Durchbruch

„Zwei Jahre später hatten wir mit dem Stück ‚Alles beim Teufel’ den Durchbruch. Da kamen die einzelnen Charaktere wirklich zur Geltung und heraus. Das war wirkliches Theaterspiel“, schwärmt Englmann noch heute. Das merkte auch Schuster und wollte, dass die Truppe gleich zweimal jährlich spielt. „Hermann, ich bin einer, der es nicht auf die Spitze treibt, habe ich ihm aber gesagt.“ Erst 40 Jahre später ist es also so weit. Jetzt gibt es im Herbst den „Kiram Krimi“ und im Frühjahr das „normale“ Theater in Aschheim.

Stücke auf Bayerisch - aber kein Klamauk

Immer mit dabei Englmann und Pusl: „Mit Helene klappt es so gut, weil sie Kritik annimmt, nicht diskutiert, sondern einfach umsetzt. Meistens, so meine Erfahrung, muss man mit denen diskutieren, die es nicht können.“ Englmann gibt also den Ton an bei seiner Volksbühne. Und er wählt die Stücke aus, die er teils umschreibt. „Fast jedes Stück bearbeite ich. Da hole ich mir immer die Erlaubnis vom Verlag. Es geht ja weniger um die Übersetzung in die bayerische Sprache, sondern vor allem um die Übersetzung in die bayerische Mentalität. Ein Bayer erzählt es ganz anders, als es ein Norddeutscher täte.“ So übersetzte er auch „Kein Platz für Liebe“, eine Farce der Engländer Anthony Marriott und Bob Grant ins Bayerische. 2001 und 2012 spielte es die Volksbühne. Er inszeniere nur Stücke, betont der Theater-Profi, die auch nachvollziehbar seien: „Ich spiel im Dialekt, aber keinen Klamauk!“

Nachfolger schon ausgesucht

Für das „Dezemberln“, den „Jahresrückblick des Ehepaar Gsottberger“, das immer an einem einzigen Abend in Aschheim am Ende des Jahres stattfindet, schreibt er alle Einakter selbst. Ab heuer bekommen die Gsottbergers, natürlich von Englmann und Pusl gespielt, Zuwachs. Sohn Bene mit Frau kommen hinzu, gespielt von Christian Jeblick und Martina Rosilius. Ein Glücks-Quartett, findet der Theatergründer. In Christian Jeblick sieht Englmann einmal seinen Nachfolger und lässt ihn daher immer mehr hineinschnuppern in die große Welt des kleinen Volkstheaters.agm





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