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Sie gehören zusammen: Oldtimer-Besitzer Reinhard Kreppert und sein BMW 3/15 aus dem Jahr 1934. BMW hätte das Juwel gerne im konzerneigenen Museum. Aber Kreppert gibt sein Schätzchen nicht her.

Die Unzertrennlichen

BMW will Oldtimer für viel Geld abkaufen - doch Besitzer bleibt hart  

Aschheim – Dieser BMW ist ein Juwel: Reinhard Krepperts Modell 3/15 hat den ersten von BMW gefertigten Motor verbaut. Obwohl der Hersteller fleißig an der Türe klopft und seinen Schatz zurück will, gibt der stolze Besitzer nicht nach.

Reinhard Kreppert (72) erinnert sich gut daran, wie er sich in seinen BMW 3/15 verliebte. Er sah den 1934 gebauten Oldtimer 2001 in der Münchner Olympiahalle als Ausstellungsobjekt bei der Gregor Racing Show. Und er war sofort hin und weg. Für 60 000 Mark kaufte der Aschheimer (Kreis München) das Juwel mit sechs Zylindern und 34 PS. Das Besondere an dem Wagen: darin wurde der erste von BMW gefertigte Motor verbaut. „Der Motor kam aus München, die Karosserie aus Stuttgart und in Eisenach wurde das Auto gebaut“, sagt Kreppert. Er ist stolz darauf, mit seinem Liebhaberstück den Beginn der BMW-Erfolgsgeschichte in der Garage stehen zu haben.

Reinhard Kreppert hätte schnell und einfach Gewinn machen können mit seinem Oldtimer, den BMW nur allzu gerne im konzerneigenen Museum ausstellen würde. Kurz nach dem Kauf bot BMW dem Aschheimer 100 000 Mark für seinen Klassiker – und einen nagelneuen Z 3 obendrauf. Doch da dachte der Rentner nicht groß nach. „Bei einem Z 8 fange ich vielleicht das Überlegen an“, scherzte Kreppert gegenüber seinen BMW-Gesprächspartnern. Noch heute meldet sich der Konzern immer wieder mal und fragt locker nach, ob sich in Sachen Verkaufsbereitschaft für das Museum etwas geändert habe. Doch Kreppert bleibt eisern.

Bei echter Liebe setzt manchmal der Verstand aus

Ein Pionierstück: In Krepperts Wagen ist der erste von BMW gefertigte Motor verbaut.

Auf den Oldtimer-Festzug durch seine Heimatgemeinde hatte sich Reinhard Kreppert schon lange gefreut. Deshalb tat es ihm leid, sein 2012 als „Schönsten Oldtimer Münchens“ prämiertes Schätzchen im Regen nicht von der Schokoladenseite zeigen zu können. „Normalerweise fahren wir immer mit offenen Verdeck“, sagt er entschuldigend. Kreppert stattete seine Beifahrerin Irmgard Weiß mit einer historischen Hupe aus Indien aus, um die Passanten zu grüßen. Sie musste allerdings aus dem Seitenfenster herausgucken, weil der BMW 3/15 keinen zweiten Scheibenwischer hat – ein Extra, auf das der Erstkäufer damals verzichtete. „Der sagte sich wohl, dass die Alte nichts sehen muss“, sagt Kreppert.

Schwarz auf Gold: 34 PS, zusammengeschraubt in Eisenach – mit Münchner Motor und Stuttgarter Karosserie.

Anekdoten kann der gebürtige Garchinger reihenweise erzählen über seinen BMW, der in der Garage in guter Gesellschaft neben einem DKW-Audi Baujahr 1937 steht. Vor ein paar Jahren waren Kreppert und seine Frau mit dem Oldtimer ohne Verdeck in Garching, als sich ein Gewitter zusammenbraute. „Wir müssen das Auto retten“, rief der Fahrzeug-Liebhaber und so brachen beide schnell nach Hause auf. Doch zwei Kilometer vor Aschheim blieb der Wagen an einer Autobahnbrücke stehen. Im Sturm vor dem Gewitter schoben die beiden, so viel die Muskelkraft hergab, bis endlich ein Bekannter Abschlepphilfe leistete.

Noch heute ärgert sich Kreppert lachend über diesen unvergesslichen Tag, denn das ganze Drama hätte es gar nicht gebraucht: „Ich hätte den Hebel nur auf Reserve stellen müssen und hätte dann noch fünf Liter im Tank gehabt. Aber das habe ich in der Aufregung vergessen.“ Bei echter Liebe setzt eben manchmal der Verstand aus.

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