Florian Enderle.

Großer Traum geplatzt

Herz-Schutz geklaut: Kranker Fußballer kann nicht mehr spielen

Feldkirchen - Florian Enderle trägt einen Defibrillator in der Brust und kann dennoch Fußball spielen – dank eines speziellen Schutzpanzers. Doch nun haben Unbekannte nach dem Training seine Tasche geklaut, inklusive des 1300 Euro teuren Panzers.

Der 16. Mai 2009 ist im Gedächtnis von Florian Enderle (34) ein einziges schwarzes Loch. Alles, was er von diesem Tag berichten kann, basiert auf Erzählungen. Wie damals das Fußballspiel seines TSV Perchting II gegen den TSV Schondorf II angepfiffen wird, wie die erste halbe Stunde dahinplätschert, wie er in der 32. Minute fernab des Balls zusammenbricht, und wie er danach minutenlang röchelnd am Boden liegt.

Kammerflimmern – das sagen später die Ärzte, also eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung. Es ist Enderles Glück, dass an diesem Tag ein angehender Arzt als Schiedsrichter eingeteilt ist. Gemeinsam mit einer Zuschauerin – sie ist Sanitäterin – leistet er Erste Hilfe, bis der Notarzt eintrifft. Im Krankenhaus wird Florian Enderle ein Defibrillator implantiert; drei Wochen liegt er auf der Intensivstation. Es folgen Monate voller Klinikaufenthalte und Reha, ehe der Starnberger genesen ist. Aber wieder Fußball spielen? Nein, davon hätten ihm die Ärzte abgeraten. „Die Gefahr ist zu groß, dass ich einen Ball oder einen Schlag auf die Brust bekomme und das den Defi auslöst“, erklärt Enderle.

Also hängt er, der schon als Sechsjähriger mit dem Kicken begonnen hat, die Fußballschuhe an den Nagel – und kommt doch nicht los von seinem geliebten Sport. Nach einigen Jahren Pause sattelt er zum Schiedsrichter um, ehe ihm 2015 ein Zeitungsartikel neue Hoffnung macht. Darin geht es um Daniel Engelbrecht, Stürmer des Drittligisten Stuttgarter Kickers, der Ähnliches durchgemacht hat. Der Profi hat nach einem Herzstillstand und vier Operationen sein Comeback als Fußballer geschafft – dank eines speziellen Schutzpanzers.

Über die Facebookseite von Engelbrecht findet Enderle den Hersteller heraus; wenige Wochen später besucht er ihn in Stuttgart, um sich ebenfalls einen Schutzpanzer anfertigen zu lassen. Kostenpunkt: 1300 Euro – und das nicht fürs Profi-Dasein, sondern für den Kick in der C-Klasse. „Klar habe ich überlegt, ob ich das machen soll, und mich vorher mit meiner Frau beraten“, erzählt Enderle, der inzwischen in München wohnt und für den TSV Feldkirchen im Landkreis München spielt. „Sie hat gesagt: Wenn mir der Fußball so viel Freude macht, bezahlen wir das – und fahren einmal weniger in den Urlaub.“

Mitte 2015 ist es so weit: Sein Arzt gibt grünes Licht, und Florian Enderle steht wieder auf dem Rasen – nicht als Schiedsrichter, sondern als Spieler. „Bei den ersten Trainings war ich unsicher, aber bald hat sich bei mir das Bewusstsein entwickelt: Mit dem Ding kann dir nichts passieren.“ Gemeint ist sein Schutzpanzer aus Hartplastik, den sich Enderle mittels eines Gurts über die Brust schnallt. „Ich habe schon ein-, zweimal einen Schlag draufbekommen, aber da ist nie etwas passiert.“

Weil die Kollegen vom TSV Feldkirchen um seinen Defibrillator wissen, zieht Enderle den Panzer meist nur noch bei Spielen an. Am vergangenen Donnerstag aber trägt er ihn ausnahmsweise im Training, packt ihn anschließend in die Sporttasche und stellt diese im Vorraum der Vereinsgaststätte ab. Als Enderle nach einer Stunde wieder gehen will, ist nicht nur seine Tasche, sondern auch die eines Kollegen gestohlen.

Drei Tage später trennt sich der TSV Feldkirchen II in der C-Klasse 6 mit 3:3 vom TSV Hohenlinden II – doch Florian Enderle steht nur am Seitenrand, ohne Schutzpanzer ist er zum Zuschauen verdammt.

Sein Club hat den Diebstahl bei Facebook gepostet; der Beitrag wurde rund 500 Mal geteilt, doch der Panzer bleibt verschollen. „Am Anfang habe ich gedacht: Dann soll’s bei mir halt nicht sein mit dem Fußball“, sagt Enderle. Doch seine Frau habe ihn aufgefordert: „Mach einen neuen Termin beim Hersteller aus.“

Ob er sich wirklich einen zweiten Panzer anfertigen lässt? Noch ist Enderle unentschlossen. „1300 Euro sind halt doch eine Stange Geld“, sagt er – einerseits. „Andererseits hat mir das Spielen wieder richtig Spaß gemacht. Das würde ich ungern aufgeben.“ Vielleicht meldet sich ja der reuige Dieb.

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