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Den Schlachthof braucht's nicht sagen Aschheims Alt-Bürgermeister Helmut Englmann und der Grünen-Chef im Bundestag, Toni Hofreiter. 

Lesung mit Toni Hofreiter in Aschheim

Alt-Bürgermeister Englmann: Schlachthof "den Bürgern nicht zuzumuten"

Aschheim - CSU-Mann Helmut Englmann und Grünen-Chef Toni Hofreiter sind sich einig: Aschheim braucht keinen Schlachthof. Bei Hofreiters Lesung kamen neue Gerüchte auf. Eins betrifft die Großmarkthalle.

So einig wie sich der Grünen-Fraktionschef im Bundestag, Anton Hofreiter aus Sauerlach, und Aschheims Alt-Bürgermeister Helmut Englmann (CSU) beim Thema Schlachthof sind, ist das zwischen Grünen und Christsozialen selten zu beobachten. Sie sind sich viel einiger, als Englmann, 76, und sein Parteifreund Bürgermeister Thomas Glashauser sowie die gesamte CSU-Fraktion, die den Schlachthof wollen. Glashausers Vorgänger Englmann und Hofreiter lehnen dessen Ansiedlung hinter dem XXL Lutz in Aschheim ab – aus denselben Gründen. 

Schlachthof muss zu den Tieren, nicht umgekehrt

Das machten sie bei der Lesung Hofreiters vor 100 Zuhörern, zu der die Schlachthof-Gegner ins Kulturelle Gebäude eingeladen hatten, sehr deutlich. „Ein Schlachthof muss dort entstehen, wo die Tiere leben und nicht umgekehrt“, sagte Hofreiter. Der Bau eines solchen in Aschheim sei darum „die Fortführung des falschen Wegs.“ 

Dem CSU-Mann Englmann, der 30 Jahre lang Bürgermeister der derzeit gespaltenen Gemeinde war, sprach Hofreiter aus dem Herzen. In den 1880er Jahren, als der Schlachthof in München gebaut wurde und es noch keine ausgefeilten Kühlsysteme gegeben hat, sei eine Ansiedlung in der Stadt, nah an den Metzgereien, unabdingbar gewesen. „Aber wir leben in 2016 und nicht in den 1880ern“, betonte Englmann. Eine Schlachtung in der Nähe großer Mastställe ohne lange Transportwege für die Tiere sei sinnvoller. 

Schlachthof den Bürgern nicht zuzumuten

All die negativen Folgen, die die Gegner durch einen Schlachthof für Aschheim fürchten – Gestank, Lärm, Wertverlust für Grundbesitz – führte der Alt-Bürgermeister nicht als Argumente gegen den Schlachthof an. Er hält die Ansiedlung eines Fleischhandelszentrums vielmehr für „nicht nötig. Wir brauchen den Schlachthof nicht. Und deswegen ist er den Bürgern nicht zuzumuten“. 

Selbst wenn dieser Betrieb 2,5 Millionen Euro Gewerbesteuer pro Jahr abwerfen sollte, was Englmann und Hofreiter massiv bezweifelten, „ist Aschheim davon bei insgesamt rund 20 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen nicht abhängig. Wir gehören nicht zu den armen Gemeinden“. 

Areal braucht Gewerbe, die nicht stören

Und aus dem Areal hinter dem Möbelhaus „kann man eigentlich kein Sondergebiet machen“, meinte der frühere Rathauschef mit Blick auf das angrenzende Erholungsgebiet Heimstettener See. Das Areal sei in seiner Amtszeit bewusst als Gewerbegebiet ausgewiesen worden: Um Unternehmen wie das Rechenzentrum anzusiedeln. Gewerbesteuerzahler, die niemand hört, riecht und stört und die „hochqualifizierte Mitarbeite“ in den Ort bringen. Während ein Schlachthof „nicht gerade zu den sozial hoch anzusiedelnden“ Unternehmen gehört, pflichtete Anton Hofreiter ihm bei. 

Der Grünen-Chef im Bundestag hat sich für sein Buch „Fleischfabrik Deutschland“, aus dem er in Aschheim las, an Schlachthöfen, in Ställen und bei Bauern in Deutschland und Südamerika umgeschaut. Mit teils erschreckenden Ergebnissen. 

Amputierte Ringelschwänze und "Turbo-Mast" bis zur Bewegungslosigkeit

Er berichtete von Schweinen mit amputierten Ringelschwänzen, die sich „nach einer Turbomast kaum noch bewegen können“. Von Landwirten, „denen das Wasser bis zum Hals steht“, sodass sie keine Chance sehen, in eine ökologische und tierschutzgerechte Haltung zu investieren. Und von der „Aggro-Industrie“ in Deutschland als Fleisch-Exportland Nummer eins mit über 700 Millionen getöteter Tiere im Jahr, das andere Länder mit Fleisch überschwemmt und den Bauern vor Ort die Existenzgrundlage entzieht. Hofreiter sprach auch von Schlachthöfen „mit kaum Stammbelegschaft“, weil Helfer aus Osteuropa von Leih- und Zeitarbeitsfirmen lieber gesehen werden, die kaum Deutsch verstehen, nicht nach Mindestlohn bezahlt werden und mit denen „massiver Missbrauch“ betrieben wird. 

Hofreiter: Bald "haben Sie Tönnies und Co. an der Backe."

Ähnliches befürchtet er für Aschheim. „Was ich gehört habe, wird auch hier am Ende ein Großunternehmen den Schlachthof übernehmen und Sie haben dann Tönnies oder so jemanden an der Backe“, warnte er die Aschheimer. 

Nicht das einzige Gerücht, das an diesem Abend in einer lebhaften Diskussion Thema war: Gabriele Denzel, Vorsitzende der Frauen-Union in Aschheim, fragte nach: „Stimmt es, dass auch die Großmarkthalle hierher verlegt werden soll?“ Das sei aus einem Positions-Papier der SPD herauszulesen. Sabine Maier, eine der Initiatorinnen des Bürgerentscheids, ist sich sicher: „Wenn der Schlachthof kommt, können wir davon ausgehen, dass die Großmarkthalle kommt.“ Hofreiter versprach, diesbezüglich nochmal bei der Stadt München nachzuhaken. 

Pfiffe und Buh-Rufe für Lenz-Aktas

Turbulent wurde es an diesem Abend nur einmal. Als SPD-Gemeinderätin Ingrid Lenz-Aktas, eine der Befürworterinnen des Schlachthofs, den Gegnern „Stimmungsmache“ vorwarf und es als „hoch interessant“ einstufte, dass jeder gerne Fleisch isst, der Schlachthof aber als Negativeinrichtung dargestellt werde. Sie erntete lautes Pfeifen, „Buh“- und Zwischenrufe aus dem Publikum. An diesem Abend blieb sie mit ihrer Meinung ziemlich allein.

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