Geschichten vom Maibaumstehlen

Maibaum endet im Ofen des Pfarrers

Feldkirchen - In Feldkirchen wird zwar am Sonntag kein Maibaum aufgestellt. Doch  Reinhold Holzmann, Feldkirchner aus Überzeugung und außerdem im Jahre 2000 Stifter des Baumes, erinnert sich an spektakuläre Maibaum-Diebstähle in den vergangenen Jahren in der Gegend. Und auch an spektakulär verlaufene Mainächte in der eigenen Wachhütte.

Das erste Wachlokal, hat Holzmann für den Münchner Merkur schriftlich zusammengefasst, war 1972 ein leerer Hühnerstall mit Wellblechdach. „Hat man in stockfinsterer Nacht von Weitem mit großen Steinen auf das Blech geworfen, so konnte man was anrichten.“ Die Wachen seien dann jedes Mal „furchtbar“ erschrocken, „benahmen sich wie die Hühner selbst, wenn der Fuchs aufkreuzt“. Früher sei es, meint er, der selbst einen Holzhandel betrieben hat, leicht gewesen, sich einen Maibaum unter den Nagel zu reißen. „Man kam in einer dunklen Nacht, band die Türe blitzschnell mit einem Ratschengurt zu, lud auf und verschwand.“ Es gab ja keine Handys, mit denen die Wachen dann hätten Hilfe holen können. 

Derweil ziert in Feldkirchen den Maibaum nicht nur ein Wetterhahn. Sondern: Der Vogel an der Spitze bekommt auch noch eine Krawatte umgebunden – die wiederum vom ersten Gast stammt, der die Wachhütte mit Schlips betreten hat. Was meist der Bürgermeister ist. Aufsehen erregende Diebstähle? Da hat Holzmann drei in Erinnerung. Der erste davon ereignete sich in Poing, und zwar an einem helllichten Sonntagvormittag, während die braven Ortsbewohner in der Kirche beteten. Eine „Horde Burschen aus der Nachbarschaft“ habe in der Zeit „in aller Seelenruhe“ den Baum auf ihren Traktor verladen. „Und verschwanden.“ Erzählten denen, die ihnen unterwegs begegneten, sie würden den Baum ja nur „zum Maler bringen“, damit er angestrichen werden könne. Und kamen durch damit. 

Ziemlich komisch war, als vor „sehr vielen Jahren“ die Garchinger sich mal einen Baum aus der Umgebung im östlichen Landkreis unter den Nagel rissen – die Geschädigten aber gar kein Interesse hatten daran, den Baum wieder auszulösen. Sie meinten nur lapidar, sie wären ohnehin zu faul, den Baum auch herzurichten. Was den erfolgreichen Dieben, die mit ihrer Beute gar nichts weiter anfangen konnten, jetzt übrig blieb? Sie zersägten das lange Trumm – und schenkten die Holzscheite dann dem Pfarrer. Zum Verheizen. Der dritte Fall, den Holzmann nicht vergessen hat, spielt in Kirchheim, wo Landwirt Franz Fuchs irgendwann mal einen Baum gespendet hatte. Der dann gesichert worden ist „mit einer Odlpumpe mit Spritze und Schlauch“. Zur Erläuterung schreibt Holzmann: „Odl, in norddeutsch Jauche, in niederbayerisch Brunzbrühe … genannt, erzeugt beim Umrühren einen unwahrscheinlichen Gestank.“ Was freilich auch die Heimstettener wussten, die ein Auge geworfen hatten auf das Prunkstück. Weshalb es in diesem Jahr in Kirchheim passierte, dass dort plötzlich alle Lichter ausgingen und sich im Dunklen ein Haufen Burschen zu schaffen machten am Traditionsstangerl. Einer der Heimstettener hatte kurzerhand die Stromleitung in den Ort gekappt – und damit freilich auch die miese Pumpe außer Betrieb gesetzt. Während zu hören war, wie sich unter den Wachen folgender Dialog ergab: „Schaltet die Odlpumpe ein“ – „Wir haben doch keinen Strom, Du Depp.“ Den Maibaum aber haben die Heimstettener trotzdem nicht bekommen. Weil „einer das Chaos überblickte“, wie Holzmann noch weiß, der Josef Sepp nämlich, genannt nur Sepp Sepp. Der holte in dieser turbulenten Nacht, in der es kein Licht gab in Kirchheim, seinen Milchwagen aus der Garage und fuhr zur Wachhütte, mit aufgeblendeten Scheinwerfern, versteht sich. „Bis die Diebe aufgaben.“ Am nächsten Tag, berichtet der Chronist, und man kann seinen Zeilen entnehmen, wie ihn das alles noch heute diebisch freut, schlich ein Heimstettener nach München-Riem. Wo die Isar-Amperwerke zuhause sind. Und meldete, die Leitung beschädigt zu haben. „Nachdem die Idee so einmalig war, fingen alle an zu lachen.“ Und forderten von dem verhinderten Maibaumdieb das ein, was man zahlt, wenn man sein Stangerl auslösen will: eine ordentliche Brotzeit.

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