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Viele Radler ärgern sich gewaltig über diese „Lösung“: Ihr beliebter Radweg endet an der B-471 abrupt, der Umweg ist vielen zu umständlich.

Trotz Leitplanke

Radler riskieren ihr Leben auf der B 471 bei Aschheim

Aschheim – Fast 47 Millionen Euro hat die neue Autobahnausfahrt an der A 99 gekostet. Nur wurden dabei die Radler und Fußgänger der angrenzenden Bundesstraße B 471 zwischen Ismaning und Aschheim komplett vergessen. Mit fatalen Folgen.

Wer auf dem Radweg von Unterföhring oder dem Feringasee zum Vogelparadies am Speichersee und weiter nach Finsing möchte, auf der anderen Seite der B 471, steht vor einer hohen Leitplanke. Die empfohlene Umgehung ist mindestens 1,5 Kilometer länger, wird daher von den meisten ignoriert. Statt dessen heben sie ihre Fahrräder in einem lebensgefährlichen Akt über die Leitplanke direkt auf die stark befahrene Bundesstraße, andere schieben oder fahren direkt auf der B 471 und lösen ein Hupkonzert aus.

Radler heben ihr Bike über die Leitplanke

„Das Schild ‚Keine Querungsmöglichkeit‘ haben wir schon gesehen. Wir sind aber nicht von hier und die angebotene Umleitung schien uns doch sehr weit – daher sind wir weitergefahren. Wir waren am Speichersee und unsere Karte sowie das Navi-Programm auf dem Tablet zeigen an, dass es dort hinüber nach Unterföhring geht“, sagt die ältere Dame aus dem Bayerischen Wald, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Kurz danach überquert sie nämlich gemeinsam mit ihren Begleitern die B 471; unter Lebensgefahr.

Schild wird ignoriert

„Die Situation ist sehr unbefriedigend, aber wir haben keine andere Lösung gefunden“, sagt Peter Döbel. Er ist im Staatlichen Bauamt Freising unter anderem zuständig für die Radwege im Landkreis.

Auch im Landratsamt München gab es mehrere Anfragen und Beschwerden, warum der beliebte Radweg von Unterföhring in Richtung Speichersee seit der Eröffnung der neuen Autobahn-Anschlussstelle Aschheim/Ismaning nicht mehr genutzt werden kann. Auf Höhe des Guts „Birkenhof“ wurden Leitplanken installiert, die nun von den Radlern oft unter Lebensgefahr überwunden werden, um auf dem kürzesten Weg zum Speichersee zu kommen.

Beschwerden im Landratsamt

„Wir sind mit der Situation unglücklich – aber zum einen ist das kein offizieller Radweg, sondern ein Wirtschaftsweg von EON, die das Radeln dort nur dulden. Zum anderen ist das Staatliche Bauamt für die Wege verantwortlich“, erläutert Christine Spiegel, Pressesprecherin im Landratsamt.

Die Strecke ist bei Ausflüglern beliebt

Familie Lerchenberger aus Dorfen (Kreis Erding) schimpft: „Der Radweg entlang des Speichersees ist in katastrophalem Zustand mit Löchern und grobem Schotter, und dann stehst du plötzlich vor einer Bundesstraße, über die du nicht drüber kommst!“ Ehepaar Bergmann aus Vaterstetten (Kreis Ebersberg) schüttelt die Köpfe: „Da bauen die so eine gewaltige Autobahnausfahrt für weit über 40 Millionen Euro hin – und haben keinen Pfennig übrig für einen Radlweg?“ Sie waren am Feringasee und wollten weiter nach Poing.

Trotz der Leitplanke überqueren täglich sehr viele Radfahrer – oft unter Lebensgefahr – die stark befahrene B 471.

Ihre aktuellen Radkarten zeigen die Überquerungsmöglichkeit der Bundesstraße noch an. Vor allem ärgern sie sich darüber, dass ein Schild zwar warnt, dass man nicht mehr über die Straße kommt. Das zur Erläuterung der Umgehung angehängte Foto gebe aber nicht an, wohin es danach weitergeht. Also überqueren auch sie die Bundesstraße über die Leitplanke.


Eine andere Gruppe fährt direkt auf der Bundesstraße, in der Hoffnung, dass sie irgendwo einmal auf die andere Seite kommen. Eine breite Lücke in der Leitplanke ein Stückchen weiter animiert geradezu, auf die Bundesstraße aufzufahren. „Diese Lücke stammt noch von der ehemaligen Bushaltestelle, die werden wir noch schließen“, sagt Peter Döbel vom Staatlichen Bauamt.

Verkehr hat stark zugenommen

Ein älteres Ehepaar schiebt seine Räder direkt auf dem Randstreifen der Bundesstraße entlang – und wird fortlaufend von entsetzten Autofahrern angehupt. „Die Situation an dieser Stelle war immer schon sehr schwierig und gefährlich, wer vom Teichgut Birkenhof oder dem Reitverein Aschheim auf die B 471 wollte, der hatte Probleme“, geht Dölbel auf dieses Beispiel ein. „Durch die neue Anschlussstelle hat der Verkehr auf der B-471 aber so stark zugenommen, dass wir gemeinsam mit Polizei und Gemeinde beschlossen, die Ausfahrt und damit die Überquerung der Straße durch eine Leitplanke zu verhindern“, sagt Döbel.

Überführungsbauwerk wäre zu gewaltig

Dass dies für Radler und Fußgänger sehr ärgerlich sei, wisse man. „Wir hatten Planungen für eine Überführung. Diese muss eine gewisse Höhe für Lastwagen haben, darf für Radler aber auch nicht zu steil sein.“ Dies hätte laut Döbel ein sehr großes Bauwerk nötig gemacht. „Doch zum einen ist das Privatgrund, zum anderen Vogelschutzgebiet, das konnten wir daher nicht realisieren.“ Am fehlenden Geld für Radler habe es also nicht gelegen. Er appelliert an die Vernunft der Radfahrer: Sie sollten den etwa 1,5 Kilometer langen Umweg über den Kreisel auf sich nehmen, statt ihr Leben zu riskieren. Denn eine andere Lösung ist nicht in Sicht.

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