Diskussionskultur in sozialen Netzwerken 

Schlachthof: Grenze des Anstands überschritten

Aschheim - Der Ton macht die Musik. Und genau darum ging es in der jüngsten Gemeinderatssitzung im Nachgang zum Bürgerentscheid gegen einen Schlachthof in Aschheim. Die Gemeinderäte stellten in diesem Zusammenhang die Diskussionskultur zur Debatte. Denn mit Beschimpfungen, Verdächtigungen und Beleidigungen wurde im Vorfeld des Bürgerentscheids nicht gespart.

Deutlich im Ton wurde dann Rolf Dettweiler (CSU), der reihenweise Beschimpfungen und Beleidigungen aus den sozialen Netzwerken vortrug. Gemeinderäte seien unter anderem als „Pack“ oder „speichelleckende Vasallen“ bezeichnet worden. Er zitierte weiter, dass bei einem Eintrag „das Verhalten von Bürgermeister und Gemeinderäten mit dem von Verbrechersyndikaten gleichzusetzen ist“. Des Weiteren wurde Wahlbetrug angekündigt („Briefwahl ist ein Glücksspiel“) und von Demonstranten angeregt, dass die Bürger ihre eigenen Stifte mitbringen sollten, weil die in den Wahlkabinen für Fälschungen geeignet seien. „Auch Herr Glashauser und wir haben Kinder, die sich mit dieser Diskussionskultur auseinander setzen müssen“, sagte Dettweiler, der mit der CSU vor dem Bürgerentscheid bewusst nichts kommentierte, „um nicht noch Öl ins Feuer zu gießen“. Nun aber wurde der CSU-Fraktionsvorsitzende deutlich: „In der öffentlichen Diskussion zu diesem Thema wurde an vielen Stellen die Grenze der Angemessenheit und des Anstandes deutlich überschritten. Nur wer seine Selbstachtung in der ehrenamtlichen Kommunalpolitik bereits völlig aufgegeben hat, würde solche Aussagen unkommentiert stehen lassen.“ Zum Abschluss verwies er darauf, dass Gemeinderäte „in erster Linie Bürgerinnen und Bürger von Aschheim und Dornach sind“. 

Carola Lampersberger zitierte für die SPD-Fraktion aus einem Leserbrief von Gemeinderat Robert Ertl (FW), der die Worte „Täuschung“ und „Verarsche“ nutzte. Sie griff den in der Sitzung nicht anwesenden Gemeinderat scharf an: „Das ist schlechter Stil. Wenn wider besseren Wissens Halbwahrheiten verbreitet und irrationale Ängste geschürt werden, dann widerspricht dies eklatant dem Amtsverständnis, dass jeder von uns hier an den Tag legen sollte.“ Sie wünschte sich eine Rückkehr zu einem vernünftigen Ton und die Linie, „dass wir bei den wichtigen Themen mit einer Stimme sprechen.“ Die Freien Wähler wurden von den Reden überrascht und der Kritik, dass sie bei den Schlachthof-Gegnern nicht mäßigend in die Diskussionen eingegriffen haben. „Einiges ist nicht so gelaufen, wie es hätte laufen sollen“, gab Ina Reichel für die Freien Wähler zu. Aus den Facebook-Debatten habe man sich bewusst herausgehalten. Sie betonte auch, „dass es einen Unterschied gibt zwischen der Fraktion und der Partei oder dem Verein“. Abschließend deuteten alle hin, nun wieder schnell zu dem normalen Aschheimer Ton zurückkehren zu wollen.

Nico Bauer

Rubriklistenbild: © Nico Bauer

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