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„Ich lasse mir nicht den Mund verbieten.“ Bürgermeister Thomas Glashauser kann nicht verstehen, warum sein gemeinsamer Pressetermin mit Initiator Albert Oppenheim für Unmut sorgt.

Wilde Gerüchte, viele offenen Fragen

Schlachthof Aschheim: Jetzt spricht der Initiator Oppenheim

Aschheim – Wilde Gerüchte gibt es viele um den geplanten Schlachthof. Im Fokus stehen Bürgermeister Glashauser und Initiator Oppenheim. Letzterer spricht nun Klartext.

Update vom 9. Oktober 2016: Jobgarant für die Gemeinde oder belastendes Investorenprojekt? Am Sonntag können die Bürger in Aschheim über den geplanten Schlachthof abstimmen. Alle Ergebnisse, Reaktionen und Zahlen zum Bürgerentscheid über den Schlachthof in Aschheim finden Sie in unserem Live-Ticker.

Die Debatte um den geplanten Schlachthof in Aschheim weckt Emotionen. Immer wieder tauchen neue Gerüchte und Vorwürfe auf – im Fokus stehen Bürgermeister Thomas Glashauser und Initiator Albert Oppenheim. Macht der Rathauschef mit dem Initiator gemeinsame Sache? Wer steckt wirklich hinter dem Projekt? Und was hat ein englischer Viehhändler damit zu tun? Ein Klärungsversuch. 

Der Initiator 

Das Wort Investor hört Albert Harry Oppenheim, 59, nicht gern. „Initiator“ des Schlachthofs Aschheim nennt sich der Geschäftsführer der Opus Munich GmbH & Co.KG, die für das Projekt im April 2016 gegründet wurde. „Der Investor bin ich nicht.“ Er stehe den Geldgebern nur mit seiner Erfahrung aus 40 Jahren Tätigkeit in der Fleischbranche zur Seite. 

Investor bleibt geheim

Wer will dann den Schlachthof bauen? „Jemand anderes“, sagt Oppenheim. Namen „kann ich noch nicht sagen“. Doch das Geld für das Projekt stammt nicht nur aus Deutschland, sagt er. Ein Blick ins Handelsregister offenbart einen Dschungel aus beteiligten Firmen: Hinter Opus Munich stehen die Opus Munich Financing, Sàrl, Luxembourg und die Oppenheim & Co. Real Estate Gesellschaft mbH. Hinter letzterer stehen der Viehvermarkter „Concierge 5 Limited“ in Shropshire, England, Oppenheim selbst sowie die Dr. Hüsken Immobilien- und Projektbeteiligungsgesellschaft aus Vreden (NRW). Ein gängiges, aber undurchsichtiges Vorgehen für Projekte wie den Bau eines Schlachthofs.

Wohnungen im Münchner Schlachthofviertel "eine interessante Sache"

Die Beteiligung einer Immobiliengesellschaft ist für die Gegner ein klares Zeichen dafür, dass hinter dem Projekt Schlachthof ein ganz anderes Ziel steckt. Nämlich, dass die Geldgeber es vielmehr auf das Schlachthofviertel in München abgesehen haben, um dort lukrativen Wohnraum zu schaffen. Die Befürchtung: Mit „dem modernsten Schlachthof Europas“ wollen die Investoren die Betriebe aus der Innenstadt herauslocken, um an der Zenettistraße Wohnungen zu bauen. Angesprochen auf dieses Gerücht, bleibt Oppenheim vage: Der Münchner Schlachthof als Wohnviertel „wäre sicher eine interessante Sache“, sagt er. „Aber die Gespräche sind noch nicht so weit.“ Impliziert: Es gibt Gespräche.

Vertrag sichert Regionalität

 Stattdessen hebt Initiator Oppenheim weiterhin die Vorteile eines Schlachthofs in Aschheim hervor. Er verspricht einen „ansehnlichen Bau“, „absolute Regionalität“ und eine „enge Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt und der Gemeinde“. Dass sich nur Betriebe aus München und dem Umland in Aschheim ansiedeln, hat sich die Kommune vertraglich zusichern lassen. „Das war die Grundlage dafür, dass wir eine Genehmigung bekommen“, betont Oppenheim. „Und daran halten wir uns auch.“ Er spricht von 10 bis 12 Betrieben, die sich in den neuen Bau einmieten oder -kaufen können, wenn der Schlachthof steht. Mit mehreren gebe es bereits Vorverträge, „mit vielen laufen noch Verhandlungen“. Darunter einige, aber nicht alle vom Münchner Schlachthof. Für die neuen Mieter und Eigentümer soll „alles individuell auf die einzelnen Bedürfnisse der Betriebe“ eingerichtet werden.

Kosten ungewiss

Darum könne er auch nicht sagen, wie teuer der Schlachthof wird. „Ich weiß nicht, was er kostet. Das können 50 oder 200 Millionen Euro sein.“ Einen Kaufpreis für das Grundstück, elf Hektar hinter dem XXL Lutz, nennt er nicht und verweist an den Verkäufer. 

Der Bürgermeister 

Es sind schwere Zeiten für Bürgermeister Thomas Glashauser. Das einst lokale Thema Schlachthof hat sich längst in höhere Sphären verabschiedet. Die Gegner aus Aschheim bekommen Unterstützung aus der ganzen Republik. Vor dem Rathaus demonstrierten 60 Vertreter der Tierrechtsorganisation Animals United. Für sie alle gehört der Bürgermeister zu denen, die das Tierwohl mit Füßen treten. 

Persönliches Thema

Auch in seinem persönlichen Umfeld bekommt er die Emotionalität der Debatte zu spüren. Nicht alle sind glücklich mit seinem Standpunkt pro Schlachthof. „Klar wird man angeredet“, sagt Glashauser. Die Meinungen gehen auseinander. „Ich sehe das aber ganz locker.“

Heftiger politischer Gegenwind

Politisch ist der CSU-Bürgermeister angeknackst. Die Fraktion der Freien Wähler werfen dem Bürgermeister immer wieder vor, die Gemeinde würde sich mit Oppenheim gemeinmachen. Anlass zur Kritik war eine Pressemitteilung des Schlachthof-Initiators, die dieser nach einem gemeinsamen Termin mit Glashauser herausgegeben hatte. Darin steht: „Um für das Projekt in der Bevölkerung Aschheims zu werben, wurde nun vom Initiator des Projekts und der Gemeinde Aschheim eine Initiative gegründet.“ Glashauser distanzierte sich davon in der Gemeinderatssitzung Ende Juli. Die Gemeinde sei an der Informationskampagne des Initiators „in keiner Form beteiligt, auch nicht finanziell“, sagte er damals. Dieses Bekenntnis reichte den Freien Wählern aber nicht: In der vergangenen Gremiumssitzung forderten sie erneut, dass die Gemeinde noch einmal eine offizielle Mitteilung an die Presse herausgibt. Glashauser verweigerte das. Er sagt, er habe alles gesagt. Was die Presse schreibe und was nicht, könne er eben nicht beeinflussen.

"Ich lasse mir den Mund nicht verbieten"

 Beim gemeinsamen Presse-Termin der Initiative pro Schlachthof posierte Glashauser mit Oppenheim vor dem Gelände, auf dem der Schlachthof gebaut werden soll. Beide hielten ein Schild der Initiative pro Schlachthof in die Kamera. Dass sich der Bürgermeister in dieser Phase vor dem Bürgerentscheid so klar positioniert, hat für Unmut gesorgt. Glashauser kann das nicht nachvollziehen. „Ich lasse mir im Moment den Mund nicht verbieten. Das dürfte ich mir verbieten lassen, wenn ich Wahlleiter (beim Bürgerentscheid am 9. Oktober; Anm. der Red.) wäre“, sagt er. Als Bürgermeister müsse er die Mehrheit des Gemeinderates vertreten. „Und die ist für die Ansiedlung des Schlachthofes. Wenn es durch den Entscheid anders wird, muss ich mich natürlich danach richten.“ 

Gleiche Texte für Pressemitteilung der Gemeinde und des Initiators

Glashauser versucht, die wohl schwierigste Zeit seiner politischen Karriere souverän zu meistern. Nicht immer gelingt das. Für ein Fernsehinterview zum Schlachthof hat er sich von einer Presseagentur beraten lassen. Diese wurde außerdem von der Gemeinde beauftragt, eine Pressemitteilung zu schreiben. Darin wird der Plan vorgestellt, hinter dem Möbelhaus XXL Lutz ein – wie es heißt – „regionales Fleischhandelszentrum (FHZ) mit Produktion“ anzusiedeln. Die Gemeinde hatte das Schreiben am 13. Juni veröffentlicht. Was viele Schlachthof-Gegner erzürnt: Teile der Pressemitteilung finden sich Eins zu Eins auf der Internetseite der Initiative pro Schlachthof (metzgereigemeinschaft-a99.de). Schließlich hat die Agentur, die zunächst für die Gemeinde arbeitete, für Oppenheim diese Homepage erstellt und dieselben Texte verwendet. Glashauser findet das nicht unglücklich. „Das ist die Presseagentur, die für beide arbeitet. Und warum dürfen die Texte von uns nicht da auch verwenden?“, fragt er. Hinter der Agentur stecke ein Bürger aus Aschheim. Der Investor habe jemanden gesucht, „der regional ist und Einblick hat".

Thomas Radlmaier

Janine Tokarski

Janine Tokarski

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E-Mail:janine.tokarski@merkur.de

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