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Das Studententeam der TU München legt letzte Hand an, bevor der  Prototyp für einen Weltraum-Aufzug bei der "European Space Elevator Challenge" in Garching in die Höhe steigen wird. 

Mit dem Aufzug ab ins All

Garching - Mit dem Aufzug ins All: Das ist nicht nur eine Utopie von Schriftstellern und Filmemachern, sondern könnte bis Ende des Jahrtausends Wirklichkeit sein. In Garching haben junge Tüftler nun ihre Prototypen für einen Weltraum-Lift präsentiert.

„Three, two, one – go!“, rufen die drei japanischen Studenten und blicken gebannt auf das eiförmige Gerät, das vor ihnen am Seil hängt. Im nächsten Moment surrt ein Elektromotor, und der schwarze Kasten schnellt in die Höhe. Binnen weniger als zwanzig Sekunden klettert der „Aoki Lab. A“ – so haben die Japaner ihren Mini-Aufzug getauft – bis an die Spitze des Seils, das in hundert Metern Höhe an einem Heliumballon über dem Garchinger Forschungscampus hängt. Für die drei Studenten ist es die erste Wertungsfahrt bei diesem „European Space Elevator Challenge“, also einem Wettbewerb für Weltraum-Aufzüge. 

Ein Lift ins All? Das klingt für viele erst mal utopisch, und doch beschäftigen sich Forscher seit Jahrzehnten mit dem Thema. Bereits 1895 träumte der russische Raumfahrtpionier Konstantin Ziolkowski – inspiriert vom eben erbauten Eiffelturm – von einem gigantischen Turm, in dem Aufzüge bis in den Weltraum fahren. Richtig Fahrt auf nahm die wissenschaftliche Debatte jedoch erst ab 1957: Da kam der Russe Juri Arzutanow auf die bis heute verbreitete Idee, das Aufzugseil in 36 000 Kilometern Höhe an einem geostationären Satelliten zu befestigen, der sich stets über dem gleichen Punkt der Erdoberfläche befindet.

 Ganz so hoch hinaus geht es in Garching freilich nicht: Die fünf Teams aus Deutschland und Japan schicken ihre Prototypen wahlweise zwanzig oder hundert Meter hoch in den Himmel. „Wir wollen mit diesem Wettbewerb junge Ingenieure für das Thema begeistern“, erklärt Tim Wiese von der WARR, der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt an der TU München. Sie hat das Treffen organisiert und nimmt selbst mit einem Prototypen daran teil. Wie alle Gefährte hat auch dieser sogenannte Climber mit einer Aufzugkabine im herkömmlichen Sinne kaum etwas gemein – doch darum gehe es auch nicht, sagt Tim Wiese. Vielmehr sollen die Mini-Aufzüge möglichst wenig Energie verbrauchen und zugleich möglichst viel Zusatzgewicht tragen können. 

Genau hier kommt nämlich der große Reiz von Weltraum-Aufzügen ins Spiel: Im Vergleich zur aktuellen Raketentechnik wären sie wesentlich effizienter und günstiger. Um Menschen, Satelliten oder sonstiges Material in den Weltraum zu befördern, kalkuliere man derzeit mit etwa 10 000 Dollar, sagt Tim Weise – pro Kilo. Im Vergleich dazu rechnen Forscher bei der Lift-Variante mit 500 Dollar pro Kilo, was auch in Sachen Weltraumtourismus ganz neue Chancen eröffnen würde.

 Rein rechnerisch, da sind sich Wissenschaftler einig, wäre ein solcher Aufzug sehr wohl machbar. Es gibt jedoch ein Problem: Zurzeit existiert kein geeignetes Material für ein Seil dieser Länge, das stabil genug wäre. Stahl beispielsweise kommt nach einigen Kilometern an seine Grenzen – und wäre überdies viel zu schwer. Aktuell setzt die Forschung auf sogenannte Kohlenstoffnanoröhren. Sie wurden im Jahr 1993 erfunden, was in der Folge auch der Idee eines Weltraum-Lifts neuen Schwung verliehen hat. Zwar forscht die NASA nicht selbst an einem Aufzug ins All, doch die amerikanische Weltraum-Agentur unterstützt diverse Projekte und Wettbewerbe. Und das japanische Bauunternehmen Obayashi hat kürzlich angekündigt, bis zum Jahr 2050 einen Lift von der Erde in den Weltraum zu bauen.

 „Allerdings halte ich das eher für eine Marketingaktion“, sagt Tim Wiese und grinst. Der 29-Jährige studiert in Garching Luft- und Raumfahrttechnik sowie Robotik. Ob er selbst noch den ersten Weltraum-Lift erleben wird? „Die Materialwissenschaft schätzt, dass es zwischen den Jahren 2050 und 2100 ein passendes Seil geben wird“, sagt Wiese. „Aber ich denke, dass es vor allem auch eine politische und finanzielle Frage sein wird. Denn das Land oder der Kontinent, das einen solchen Weltraum-Aufzug als erstes baut, hätte einen enormen Vorteil in der Raumfahrt.“

 Derlei Gedanken beschäftigen die meisten Teilnehmer in beim Wettbewerb in Garching jedoch nur am Rande. Johannes Ostler vom WARR-Team beispielsweise sagt, dass es ihm vor allem ums Basteln und Tüfteln gehe. „Der große Traum vom Weltraum-Aufzug spielt da eher keine Rolle.“ Vielmehr sieht der 22-jährige Raumfahrt-Student die Sache pragmatisch: „Man lernt einfach unglaublich viel bei dem Projekt.“

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