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Wie die Totenvögel: Eine eindringliche Szene aus „Der Blaue Krug“, aufgeführt 2015. In dieser Szene auf der Bühne: (v.l.) Inge Leitner, Thomas Reiner, Anna McElroy, Julia Hinterholzer, Manfred Eichleiter, Markus Schmöller und Birgit Schulz.

Theaterserie

Echte Städter in der Garchinger Bauernbühne 

Garching - Die Garchinger Bauernbühne spielt ein bisschen mit der Leichtigkeit des Seins. Ob heimatlich bayerisch, verschmitzt klassisch, frech valentinesk nur eines ist sie sicher nicht: Eingebildet. Höchstens das Urgestein der Bühne, Manfred Eichleiter, wenn er Molières eingebildeten Kranken spielt.

Die Garchinger Bauernbühne ist ein wenig bäuerlich und ein wenig städtisch. Eben wie in ihren Anfängen. Da waren einmal Gymnasiasten, und denen wollte der Wiggerl Fuß beibringen, Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ doch etwas mehr Volksnähe und bajuwarischen Witz zu verleihen. Nach dem die Klassenkameraden daran keinerlei Interesse zeigten, gründete er 1973 im Freizeitheim eine Theatergruppe. Und mit Gustl Fuß, Liesl Bergmann, Astrid Felsner, Marion Hoffmann und Thomas Hohmann fand er Gleichgesinnte, die begeistert den Einakter „Die kleinen Verwandten“ von Ludwig Thoma aufführten.

Kulurrreferent Mayr prägt die Truppe

Schon da zeigte sich die Unkompliziertheit der Bühne. An einen Spielleiter hatten sie nicht gedacht. Aber Adi Felsner, der schon immer weit vor Ende der Proben anwesend war, um seine Tochter abzuholen, gab immer Kommentare zum Spiel ab, die wohl durchaus gescheit waren, denn er wurde kurzerhand zum Spielleiter erkoren. Er übernahm dann ebenso unkompliziert 1977 den Vereinsvorsitz sowie auch in diesen Anfangsjahren das Soufflieren. Im Souffleurkasten ist er aber schon vor gut 20 Jahren von Helga Kaiser abgelöst worden.

Stücke selbst geschrieben

Mit dem Umzug ins Bürgerhaus Ende der 70er Jahre, der Vereinsgründung mit 23 Aktiven 1977 und vor allem dank der engen Zusammenarbeit mit dem Garchinger Kulturreferenten Günter Mayr Ende der 70er kam immer mehr Professionalität ins Spiel. Der Fünfakter „Der Müller und sein Kind“ unter Mayrs Regie war das bis dahin schwerste, anspruchsvollste und erfolgreichste Stück. In dieser Zeit registriert die Statistik, dass die Garchinger seit 1973 mit den verschiedenen Stücken sogar einmal in Neufahrn, zwei Mal im Nachbarort Ismaning, einmal in der TU und schon 30 Mal schon im Riegersaal beim Neuwirt aufgetreten war. In den 80er Jahre kamen Aufführungen von Stücken hinzu, die Mayr selbst geschrieben hatte, wie „Bauernhochzeit“ und „Wir sind keine Engel“.

Opern auf Bayerisch

Von wegen keine Engel. Schon seit den 70ern spielt die Bauernbühne immer ihre Einakter beim Straßenfest. Sie sind damit ein fester wie sehr geschätzter Höhepunkt während dieser Festtage. 1991 geht es mit „Opern auf Bayerisch“ wieder in eine neue Ära des Vereins. Manfred Eichleiter wird von der Blutenburgbühne gebeten, doch etwas beim dortigen Starkbierfest zu spielen. Das macht den Garchinger so viel Spaß, dass sie diese Art der Veranstaltung für viele Jahre auch nach Garching bringen.

Von Kindesbeinen an mit der Bühn vertraut

Wenn man Eichleiter erwähnt, darf man auch den verstorbenen Ludwig Fuß nicht vergessen, der genauso zum Herz des Vereins gehörte wie die immer noch vor Spielfreude strotzende Inge Leitner – und natürlich Vereinschefin Anita Schulz. Sie folgte Roland Lösch 1997 als Vorsitzende nach und führt den Verein fast 20 Jahre. Ihre Tochter Birgit, die schon seit ihrem vierten Lebensjahr immer zu den Proben mitkam, ist inzwischen 2. Vorsitzende und fester Bestandteil der Spielertruppe. Und auch Oliver Gnaiger und Manuela Ziegler, geborene Kaiser, haben das Garchinger Bühnenleben und dessen Leichtigkeit von Geburt an kennen und lieben gelernt und sorgen dafür, dass es im auch im fünften Jahrzehnt des Bestehens beschwingt weiter geht mit der Bauernbühne. agm

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