Zentrum für autonomes Fahren

In Garching sitzt der Computer am Steuer

Garching – Der Garchinger Stadtrat steht dem geplanten Testgelände für selbstfahrende Autos auf dem Forschungs-Campus wohlwollend gegenüber. Gleich mehrere Räte äußerten sich positiv über die Pläne des „German Innovation Lab“ (GIL), die dessen Sprecher, der Erlanger Alt-Oberbürgermeister Siegfried Balleis, im Gremium vorgestellt hatte.

„Ich bin absolut überzeugt, dass das für Garching eine Innovation ist und die Entwicklung der Stadt fördern wird“, sagte CSU-Fraktionschef Jürgen Ascherl. Der Campus sei für solch ein Testgelände eine „super Einrichtung“, befand Josef Euringer (BfG), Nihan Yamak (SPD) sah die Pläne „sehr positiv“, und Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) fasste in Balleis’ Richtung zusammen: „Sie können das Feedback mitnehmen, dass im Stadtrat Aufgeschlossenheit da ist. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei den Verhandlungen und würden uns freuen, wenn Sie dieses Projekt nach Garching holen.“ 

Viele Stadträte sind aufgeschlossen

Wie berichtet will das GIL – ein bislang noch loser Zusammenschluss mehrerer Experten – auf dem Forschungsgelände in Garching ein Testfeld für autonomes Fahren schaffen. Konkret soll es dort Firmen und Forschern ermöglicht werden, selbstfahrende Autos in einer realen Umgebung zu testen. Die Kosten für solch ein Gelände schätzt Balleis auf 50 Millionen Euro, weshalb ihm hierfür eine öffentlich-private Partnerschaft vorschwebt. 

Gespräche mit der Staatskanzlei

Erste Gespräche mit der bayerischen Staatskanzlei und der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft habe das GIL bereits geführt, berichtete Balleis. Darüber hinaus habe man sich mit dem Präsidenten der TU München ausgetauscht – eine von fünf bayerischen Universitäten, die Balleis im Rahmen eines Forschungsverbunds mit ins Boot holen will. Bei seinem Auftritt im Stadtrat ging es dem Alt-OB vor allem um zweierlei. Erstens betonte er mehrfach, dass der Standort Garching optimal für ein Testgelände sei. Nicht nur befinde man sich im „Hightech-Mekka von Bayern“, sondern da der Campus im Eigentum des Freistaats sei, „können wir eigene Verkehrsregeln gelten lassen.“

Kinderfreie Zone

Überdies sei die Infrastruktur auf dem Forschungsgelände noch am Wachsen, ergänzte Dietmar Gruchmann. Es gebe hier ein übersichtliches Areal mit allen Verkehrssituationen wie Ampeln, Bussen oder Zebrastreifen; zugleich sei der Campus eine „nahezu kinderfreie Zone“, so der Bürgermeister. Zweitens war Balleis sichtlich bemüht, die Räte von der Dringlichkeit des Themas zu überzeugen. Zurzeit gebe es in Amerika vier Testgelände für autonomes Fahren im urbanen Raum – in Deutschland dagegen kein einziges. „Wenn wir nicht endlich auch so ein Testfeld auf die Beine stellen, dann geschieht die gesamte Forschung und Entwicklung in den USA. Hier geht es um die Sicherung von Arbeitsplätzen in Bayern.“ Von der Stadt Garching erwarte man kein Geld, betonte Balleis. Man hoffe lediglich auf „Unterstützung bei Genehmigungs- und Planungsverfahren“. 

Kritische Fragen

Neben viel Lob gab es auch einige kritische Anmerkungen vonseiten der Stadträte. So erkundigte sich Ulrike Haerendel (SPD) nach der Sicherheit und erinnerte an den Unfall auf der Transrapid-Teststrecke 2006, bei dem 23 Menschen ums Leben kamen. Hierauf entgegnete Siegfried Balleis, dass neun von zehn Verkehrsunfällen auf menschliches Versagen zurückzuführen seien.

Ingrid Wundrak (Grüne) konstatierte mit Blick auf das geplante Testfeld: „Das sieht mir nach ziemlich viel Energieverbrauch aus. Brauchen wir da ein paar neue Atomkraftwerke?“ Derweil verwies Nihan Yamak auf die Bedrohung durch Hacker-Angriffe auf selbstfahrende Autos – eine Gefahr, die Balleis als eines der „zwei Riesenprobleme des automatisierten Fahrens“ bezeichnete. Das andere sei die ethische Frage, die er anhand eines Beispiels erläuterte: Stünde ein selbstfahrendes Auto vor der Wahl, ob es nach links in ein spielendes Kind oder nach rechts in eine Gruppe von drei Männern fährt – wie sollen die Programmierer sich entscheiden? Auf derlei Fragen müsse man Antworten finden, erklärte Balleis.

JU unterstützt Projekt

Nichtsdestotrotz gab er sich überzeugt davon, dass den selbstfahrenden Autos die Zukunft gehört. Ähnlich sieht das auch die Junge Union, die das geplante Testgelände in einer Stellungnahme als „einzigartiges Innovationsmodell“ beschreibt, das der Stadtrat in jedem Fall unterstützen solle.

Rubriklistenbild: © Symbolfoto: dpa

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>Hirschkuss Vogelgezwitscher</center>

Hirschkuss Vogelgezwitscher

Hirschkuss Vogelgezwitscher
<center>Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017</center>

Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017

Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017
<center>Honigschlehe</center>

Honigschlehe

Honigschlehe
<center>Die Knödel-Revolution</center>

Die Knödel-Revolution

Die Knödel-Revolution

Meistgelesene Artikel

Stadträte wollen der TU einheizen

Die Energiewende Garching, zuständig für die Geothermie, kommt nicht so recht auf den grünen Zweig. Umso mehr ärgern sich einige Stadträte darüber, dass sie nicht …
Stadträte wollen der TU einheizen

Spielplatz in Dirnismaning:Eine freundliche Absage

Die Stadträte in Garching können sich nicht für die Idee erwärmen, in Dirnismaning einen Spielplatz zu bauen. Die Absage an die Mütter, die den entsprechenden Antrag …
Spielplatz in Dirnismaning:Eine freundliche Absage

Unfallflucht nach Champions-League

Garching - Nach einem weißen Transporter fahndet die Polizei, dessen Fahrer nach dem Championsleague-Spiel des FC Bayern einen Unfall auf der A 99 bei Garching …
Unfallflucht nach Champions-League

Mamas aus Dirnismaning fordern Spielplatz im Ort

Garching – Brauchen die 23 Kinder in Dirnismaning einen eigenen Spielplatz? Ja, finden Mütter aus dem Stadtteil und haben fast 100 Unterschriften gesammelt. Am Dienstag, …
Mamas aus Dirnismaning fordern Spielplatz im Ort

Kommentare