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Liebe geht durch den Magen – oder durch die Leber: Mit diesen Plakaten will Jan (25) aus Garching eine unbekannte U-Bahn-Bekanntschaft wieder finden.

Romanze

Jan aus Garching sucht die unbekannte U-Bahn-Schönheit

Garching - „Wanted“ steht auf den Zetteln, die jemand flächendeckend rund um die Garchinger U-Bahnhöfe aufgehängt hat, „Gesucht“. Die Geschichte dahinter handelt von einem schüchternen 25-Jährigen, einer unbekannten blonden Frau – und einer Hühnerleber.

Gibt’s was Romantischeres als eine Hühnerleber? Auch Jan, 25, vor Kurzem nach Garching gezogen, beantwortet diese Frage mit einem klaren Ja. Und dennoch ruhen seine Hoffnungen, doch noch jene Unbekannte zu finden, die ihm vor fast drei Monaten den Kopf verdreht hat, ausgerechnet auf einer Hühnerleber. Doch der Reihe nach.

Zutat für Bolognese-Soße

Es ist Dienstag, der 5. Juli, als Jan, der seinen Nachnamen lieber nicht in der Zeitung lesen will, in Garching aufbricht. Er ist mit einer Freundin in München verabredet, die an diesem Abend eine Bolognese kochen will. Eine echte Bolognese, also mit Hühnerleber, die ihr Jan mitbringen soll. Also macht der Garchinger auf seinem Weg zum U-Bahnhof einen Abstecher in den Supermarkt – „doch da gab’s keine frische Leber, deshalb habe ich eine tiefgefrorene mitgenommen“.

Flirt bei der U-Bahnstörung

Mit ihr im Gepäck fährt Jan zum Bahnsteig hinunter, wo bereits zahllose Menschen stehen. Der Grund: Ein Feuerwehreinsatz am Odeonsplatz hat die U6 lahmgelegt; niemand weiß, wann die U-Bahnen nach München wieder fahren. Rasch macht sich die bei derlei Störungen übliche Mischung aus Wut und Ratlosigkeit unter den Wartenden breit – spätestens, als sie per Durchsage aufgefordert werden, den Bahnsteig zu verlassen. An der Oberfläche, auf dem Helmut-Karl-Platz, kommt Jan erst mit einem anderen Mann ins Gespräch und sie beide wenig später mit einer jungen Frau. Blonde Haare habe sie gehabt. „Und bairisch hat sie gesprochen“, sagt Jan, „das hat mir gefallen.“

Aus der Einkaufstüte tropft es

Gemeinsam irren die beiden umher, steigen später in eine U-Bahn, müssen am Kieferngarten wieder aussteigen und erneut warten, ehe es in die Innenstadt geht. Eine Dreiviertelstunde dauert das Ganze – doch in Begleitung der blonden Garchingerin, die an diesem Tag zum Tollwood will, vergeht die Zeit wie im Flug. Die beiden plaudern angeregt, auch über die Hühnerleber, die an diesem heißen Sommertag langsam auftaut. „Irgendwann hat es aus meiner Plastiktüte richtig rausgetropft“, erzählt Jan grinsend. „Darüber haben wir immer wieder Späße gemacht.“

Zu schüchtern, um nach der Telefonnummer zu fragen

Am Nordfriedhof muss der 25-Jährige aussteigen und verabschiedet sich von seiner U-Bahn-Bekanntschaft – ohne nach ihrer Nummer zu fragen. „Ich bin in diesen Dingen unglaublich schlecht“, sagt Jan. „Da bin ich zu schüchtern.“ Dabei lässt ihn der Gedanke an die blonde Garchingerin wochenlang nicht los. Noch zwei Monate später schwärmt er von der mysteriösen Unbekannten, auch seiner Freundin Annika gegenüber – worauf sie die Initiative ergreift.

Freundin ergreift die Initiative

Heimlich entwirft Annika ein Plakat, darauf der Schriftzug „Wanted“, die Silhouette eines Frauenkopfs und alle Fakten, die Jan ihr erzählt hat. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion hängt Annika diese Zettel nahezu flächendeckend in der Umgebung der beiden Garchinger U-Bahnhöfe auf – an Bäume, Mauern, Fahrradständer. „Wenn er nach Monaten immer noch von dieser Bekanntschaft redet, dann muss man doch was machen“, erklärt Annika – und fügt lachend hinzu: „Außerdem braucht er endlich eine Frau!“ 

Kontakt zu Jan

Als Jan an diesem Abend mit der letzten U-Bahn von der Nachtschicht heimkehrt, entdeckt er die Plakate – und weiß sofort, wer dahinter steckt. „Er hat mir gleich eine Nachricht geschrieben“, sagt Annika und lacht. „Da stand: Du bist so verrückt!“ Wobei Jan seiner Freundin die Aktion nicht übelnimmt – im Gegenteil. „Es passiert ja nicht so oft, dass mich eine Frau so lange beschäftigt“, sagt er. „Ich würde mich freuen, wenn ich sie wiederfinden würde.“

Bislang freilich hat sich noch niemand an die E-Mail-Adresse gemeldet, die Annika eigens für diese Aktion eingerichtet hat und die auf sämtlichen Zetteln steht. Sie lautet: huehnerleber@ok.de.

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