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Ihre Liebe zur Heimat hat Hildegard Pflügler (88) in Reimen zur Münchner Geschichte ausgedrückt.

Autorin Hildegard Pflügler (88)

Das Glück der späten Jahre

Garching - Ihr größtes Glück ist jetzt das Schreiben, früher war es ihr Garten. Den hat Hildegard Pflügler (88) selbst angelegt und sorgsam gepflegt. „Bücher zu schreiben, ist wie mein Garten. Das macht mich wirklich glücklich“. Ihr mittlerweile viertes Buch „D’Münchner Gschicht ois Gedicht“ ist im August erschienen.

Dieses Jahr war noch aus einem anderen Grund ein besonderes: „Ich habe meinen Geburtstag gefeiert, wenn er schon mal da ist“, sagt die alte Dame. Denn sie wurde an einem Schalttag im Jahr 1928 geboren – und hat nur alle vier Jahre Geburtstag. „Jetzt bin ich schon 22 Jahre alt“, sagt sie und lacht.

Wenn man ihr zuhört, merkt man, sie hat Freude am Leben, ist jung geblieben. Vor sieben Jahren, mit damals 81 Jahren, schrieb sie ihr erstes Buch. „Gar nicht so lange her“ heißt es und ist eine zeitgeschichtlicher Rückblick auf ihre Familie. Doch der Anlass war eigentlich ein trauriger: „Damals sind meine beiden Freundinnen verstorben, mit denen ich sonst immer viele Reisen unternommen habe“, sagt Hildegard Pflügler. Zu viert seien sie gewesen, eine Freundin sei schon ein paar Jahre vorher gestorben. Die Vier besuchten sich regelmäßig, mal eine oder auch zwei Wochen. „So war ich nie allein“, sagt Hildegard Pflügler. Doch nach dem Tod der engen Freundinnen, verreiste sie auch nicht mehr und so habe sie auf einmal viel Zeit gehabt: „Vorher hatte ich mein Leben lang immer etwas zu tun“.

Die gebürtige Münchnerin wuchs nach der Scheidung ihrer Eltern „in ärmlichen Verhältnissen“ bei ihrer Mutter auf. Mit 14 Jahren besuchte sie eine Lehrerbildungsanstalt in Polling bei Weilheim. Sie wollte ihre Mutter entlasten: „Das war das Einzige, wo ich lernen konnte, ohne meiner Mutter auf der Tasche zu liegen“, sagt sie. Acht Reichsmark kostete die Schule im Monat. Nachdem sie als Lehramtsanwärterin in Giesing, Sendling und Neuhausen gearbeitet hatte, ging sie als Volksschullehrerin für „fünfeinhalb Jahre“ nach Schwabstadl. 1956 kam sie wieder zurück nach München und arbeitete bis zur Rente als Volksschullehrerin an einer Schule am Hart.

1970 zog sie schließlich mit ihrer Mutter und ihrem Sohn nach Garching: „Ich bin nur raus aus München, weil ich in ein Haus ziehen wollte“, sagt sie, und das sei in München unbezahlbar gewesen. Hildegard Pflügler ist eben Münchnerin mit Leib und Seele. „Ur-Münchnerin“, wie sie selbst sagt. Wenn sie spricht, hört man ein Münchnerisch, wie es das wohl nur noch selten gibt. Heute liest sie sehr viel, schreibt und kümmert sich im Garten „um das, was ich noch machen kann“. Sie trägt ein Poloshirt. Ihre weißen Haare hat sie ordentlich zusammengesteckt. Auch in ihrem gemütlich eingerichteten Haus in Garching sieht man, dass ihr Ordnung wichtig ist – sie weiß von jeder Notiz, wo sie in ihren Büchern steht. Ihre Bücher hat die ehemalige Volksschullehrerin auch selbst lektoriert und korrigiert.

Aufgewachsen ist sie in verschiedenen Gegenden Münchens: „In Giesing, in der Au, in Thalkirchen, in Obergiesing, in Obersendling, in Schwabing“ und schließlich kam sie nach Garching. Nachdem ihre Mutter, die sie gepflegt hatte, 1994 verstarb, schrieb sie „die ersten 15 Seiten meines ersten Buches“. Mit der Geburt ihrer Enkel sei dann aber doch immer etwas los gewesen und zudem sei sie eben viel verreist – so musste das Schreiben doch noch warten. 

Doch dann, 15 Jahre später, schrieb sie ein Buch nach dem anderen: 2012 erschienen ihre ersten beiden Bücher „Gar nicht so lange her“, und „Hallo, ich bin Jeany“, 2014 dann „Mit einem Lächeln auf den Lippen“. An ihrem neusten Buch hat sie ein Jahr geschrieben. Im August hat es der Bayernland Verlag veröffentlicht: „Da bin ich schon stolz darauf, dass ein Verlag das Buch wollte“, sagt sie. „D’ Münchner Gschicht ois Gedicht“ erzählt die Geschichte der Stadt auf Bayrisch in Versen. „Denn ein Buch über die Geschichte Münchens im Dialekt gibt es bis jetzt nicht“, sagt sie. 

Um das herauszufinden, hat die 88-Jährige zuvor bei Verlagen und Buchhandlungen nachgefragt. Das Dichten liegt Hildegard Pflügler: Bereits während ihrer Ausbildung mit 14 Jahren, habe sie schon gedichtet: „Oft hab ich da Gedichte auf Bestellung geschrieben“, erinnert sie sich, „besonders zum Muttertag“, sie lacht. 

Vieles habe sie zwar über die Münchner Geschichte gewusst, aber natürlich nicht alles. So wälzte Hildegard Pflügler sechs Bücher und recherchierte im Internet: „Ich bin jetzt Expertin für d’ Münchner Gschicht“. Dabei war sie vor ein paar Jahren mit Computer und Internet noch nicht sehr vertraut – heute macht sie „bis auf schwierige Sachen“ alles selbst. Seit 2003 hatte ihre Nachbarin von ihrem Sohn immer wieder etwas am Computer gelernt, alles mitgeschrieben und geübt. „Und dann kam sie immer und hat’s mir erklärt“. Später hat ihr der Sohn der Nachbarin eine E-Mail-Adresse eingerichtet. Vor vier Jahren bekam sie dann von ihrem eigenen Sohn einen Laptop geschenkt. Und ihr Enkel hat ihr ihre Homepage und eine Facebook-Seite eingerichtet. „Da kümmere ich mich heute selbst drum“, sagt die 88-Jährige. 

Hildegard Pflügler denkt über weitere Buchprojekte nach. Einige Gedichte und Kurzgeschichten hat sie schon geschrieben, ein „kleines Gedichtbüchlein“, könnte vielleicht daraus werden. Eines ist sicher: mit dem, was sie glücklich macht, wird sie weitermachen: „Vor sieben Jahren hat’s mich gepackt, seitdem hab ich nicht mehr aufgehört“.

Von Stephanie Albinger

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