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Michael Weiß in seinem Laden an den Regalen mit Schulmaterial. Die „Ria Weiß“, benannt nach der ersten Inhaberin, gibt es seit 1972 in Garching. Damals befand sich der Laden noch in der Einsteinstraße und hatte vor allem Spielwaren im Angebot. Vor rund 35 Jahren zog das Geschäft an seinen heutigen Standort in die Schleißheimer Straße um, wo man sich zunehmend auf Schreibwaren konzentrierte. Seit 15 Jahren führt Michael Weiß den Laden, der Sohn der Gründerin.

Interview mit Michael Weiß

"Heute zum Schulbeginn ist hier die Hölle los"

Garching – Heute beginnt für 3708 Erstklässler im Landkreis ein neuer Lebensabschnitt – doch nervöser sind meist die Eltern, sagt Michael Weiß (52). Er muss es wissen, denn als Inhaber der „Ria Weiß“ in Garching erlebt er seit Jahren den Trubel rund um den Schulbeginn hautnah mit. Im Interview spricht Weiß über die stressigste Woche des Jahres – und über die düstere Zukunft kleiner Schreibwarenläden.

Herr Weiß, es ist schon ein paar Jahre her, aber erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Schultag?

Michael Weiß: Ehrlich gesagt weiß ich da nicht mehr viel. Ich bin Ende der Sechzigerjahre in Garching eingeschult worden, damals gab’s ja nur die Volksschule an der Severinkirche. Ich hatte natürlich eine Schultüte, da wird es irgendwo noch Fotos geben…

Heutzutage kann man sich kaum vorstellen, das ein Kind seinen ersten Schultag je vergisst – angesichts des Boheis, der darum gemacht wird.

Michael Weiß: Ein Stück weit ist das sicher übertrieben – aber heutzutage wird ja aus allem ein Riesenhype gemacht. Andererseits darf man nicht vergessen, dass der erste Schultag für die Kinder ganz ein einschneidendes Erlebnis ist. Für sie beginnt ein ganz neuer Lebensabschnitt.

Sie haben selbst drei Kinder...

Michael Weiß: Und für mich war das am ersten Schultag natürlich schwierig, weil das für unser Geschäft die wichtigste Zeit ist. Ich bin damals kurz mit in die Schule, danach sofort wieder zurück in den Laden.

Wie wird es denn diese Woche bei Ihnen zugehen?

Michael Weiß: Am Dienstag ist hier die Hölle los. Danach wird es Tag für Tag etwas weniger. Insgesamt ist der Schulanfang für uns mit Abstand der wichtigste Umsatzbringer. Allerdings stopfen wir damit die Löcher, die im restlichen Jahr entstehen.

Aber die „Ria Weiß“ ist in Garching doch eine Institution...

Michael Weiß: Mag sein, aber auch wir haben zu kämpfen. Früher gab es in Garching drei Schreibwarenläden, inzwischen nur noch einen – nämlich unseren. Und wie lange wir uns noch halten können, weiß ich nicht. Ich bin jetzt 52, aber ob ich hier meine Rente erleben werde, kann ich nicht sagen.

Wegen der Konkurrenz durch die Discounter? 

Michael Weiß: Ja, die steigen inzwischen alle zum Schulanfang groß ein. Außerdem kommt in unserem Fall die Nähe zu München dazu. Und dann ist da natürlich das Internet: Es gibt inzwischen Kunden, die kommen hierher, um verschiedene Füller zu testen, machen dann ein Foto, gehen wieder nach Hause und bestellen online. Das ist frustrierend.

Wie kann man da als Einzelhändler dagegenhalten?

Michael Weiß: Mit Qualität und Service. Bei uns können Eltern zum Beispiel ihre Zettel, die sie von der Schule bekommen haben, ganz einfach reinfaxen. Wir stellen ihnen dann ihr Material zusammen, und das können sie bequem abholen.

Fest zur Ausstattung gehört bei den Erstklässlern die Schultüte. Gibt’s die bei Ihnen im Laden?

Michael Weiß: Ja, aber wir haben lange nicht mehr so viele wie früher. Inzwischen basteln die meisten Eltern die Schultüte selbst, da gibt es oft spezielle Aktionen im Kindergarten. Wir haben deshalb nur noch wenige fertige Schultüten und ein paar Geschwistertüten.

Geschwistertüte?

Michael Weiß: Die bekommen die Brüder und Schwestern der Schulanfänger, damit sie an diesem Tag nicht leer ausgehen. Gab’s früher nicht, doch mittlerweile gehört das fest zum ersten Schultag dazu.

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