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Endlich bezugsfertig: das neue Katalysezentrum auf dem Campus in Garching.

Mit vier Jahren Verspätung

Katalysezentrum eingeweiht

Garching - Mit gehöriger Verspätung ist gestern das Katalysezentrum auf dem Garchinger Forschungscampus eröffnet worden. Ursprünglich sollte das Gebäude 2012 bezogen werden; die Baukosten sind von 57 auf fast 85 Millionen Euro gestiegen.

„Ich bin wahrlich kein Kind von Traurigkeit, aber selten war ich so gut aufgelegt wie heute.“ Dieser Satz stammt von Wolfgang Herrmann; fast sieben Jahre ist es her, dass der Präsident der Technischen Universität München (TUM) derart jubilierte. Anlass war eine Grundsteinlegung – ein Ereignis also, das es auf dem Garchinger Forschungscampus gefühlt alle zwei Wochen gibt, aber nicht für ein Projekt dieser Größe: Im Juli 2009 hatten Herrmann und die damalige Bürgermeisterin Hannelore Gabor (CSU) den Startschuss für den Bau des Katalysezentrums gegeben. Geplante Baukosten: 57 Millionen Euro. Geplante Fertigstellung: im Jahr 2012. Schon bald nach der Grundsteinlegung war der TU-Präsident aber gar nicht mehr „gut aufgelegt“, wenn die Rede auf das Millionenprojekt zu sprechen kam. Denn diverse Probleme sowie Pfusch am Bau sorgten dafür, dass sich das Prestigeobjekt verzögerte – erst um Monate, dann um Jahre. Gestern nun ist das Katalysezentrum im Norden des Forschungscampus’ endlich eröffnet worden, wobei die Baukosten zwischenzeitlich in die Höhe geschnellt sind: auf 84,5 Millionen Euro werden sie inzwischen taxiert. Hauptgrund hierfür ist die Geschichte des Baus, die einer Pannen-Story gleicht. Erst musste im gesamten Gebäude fehlerhafter Estrich wieder herausgerissen werden – mitsamt Fußbodenheizung und Trockenwänden. Kurz darauf schlug eine Entsalzungsanlage im Keller Leck, sodass der Boden an dieser Stelle schon wieder ausgetauscht werden musste. Dazu wurden Treppen falsch verlegt, und auch mit der Fassade gab es Probleme. Und als all dies gerade gelöst war, ereilte das zuständige Staatliche Bauamt München II im Herbst 2014 die nächste Hiobsbotschaft: Wegen eines Defekts an den Jalousien, die in den Scheiben eingebaut sind, mussten nahezu alle Fenster ersetzt werden. Ach ja: Und weil die dafür zuständigen Fassadenfirma Insolvenz anmeldete, verzögerte sich dieser Austausch wiederum um mehrere Monate. „In meinem Berufsleben ist es mir noch nicht passiert, dass es bei einer Baumaßnahme so viele Sachen hintereinander gab“, kommentierte damals Gero Hoffmann, Leitender Baudirektor beim Bauamt. „Es wäre falsch, wenn ich sagen würde, dass ich nicht froh bin, wenn dieses Katalysezentrum endlich fertig ist.“ Anderthalb Jahre später ist dieser Moment dann doch gekommen: Gestern haben Hoffmann und TU-Präsident Herrmann das Gebäude im Beisein von Bayerns Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle eröffnet. Auf einer Fläche von 6450 Quadratmetern – der Großteil davon flexible Labore – werden rund 350 Wissenschaftler aus fünf Fakultäten sowie Partner aus der Industrie forschen. Ihr Thema sind Katalysatoren, die zur energie- und ressourcenschonenden Produktion von chemischen Grundstoffen, Feinchemikalien und pharmazeutischen Produkten unerlässlich sind. „Mit den Fakultäten Chemie, Physik, Maschinenwesen und Informatik, der Neutronenquelle der TUM und dem Höchstleistungsrechner des LRZ besitzt der Forschungscampus Garching eine weltweit einmalige Infrastruktur“, betont Spaenle. Am neuen Katalysezentrum könnten „die hier bestehenden Synergien in optimaler Weise zusammenfließen und wirksam werden“. Und spätestens bei diesen warmen Worten ist auch TU-Präsident Wolfgang Herrmann wieder „gut aufgelegt“ – so wie schon einmal, vor fast sieben Jahren.

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