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Im Herzen Garchings: Viktoria Ostler, das Münchner Kindl, am Schwanenbrunnen in ihrer Heimatstadt.

Viktoria Ostler

Münchner adoptieren sich ihr Kindl in Garching

Garching - Die halbe Welt schaut am Wochenende nach München, wo das Oktoberfest beginnt. Im Mittelpunkt steht dabei auch eine Garchingerin: Viktoria Ostler, das neue Münchner Kindl. Die 23-Jährige wird an der Spitze der zwei Festumzüge reiten.

Die Rolle als Münchner Kindl hat Viktoria Ostler jahrelang vor Augen gehabt. Im wörtlichen, nicht im übertragenen Sinn. Denn in der Wohnung ihrer Oma in Heimstetten hängt an der Küchenwand ein Foto von ihrer Tante Helene Münchhalfen, die Anfang der Achtzigerjahre das Münchner Kindl war. Das Bild zeigt sie in der gelb-schwarzen Franziskaner-Kutte, hoch zu Ross, in der Hand einen Maßkrug.

Schon Tante Helene war Münchner Kindl

 „Das Foto hängt genau auf Kinderhöhe“, erzählt Viktoria Ostler. „Und weil ich mich schon immer für Pferde begeistert habe, bin ich da oft davor gestanden.“ Aber dass sie selbst mal als Münchner Kindl in die Kutte schlüpfen könnte? „Nein, daran habe ich nie einen Gedanken verschwendet“, sagt die 23-jährige Garchingerin. „Für mich schien das unerreichbar.“

Bis ihre Cousine eines Tages fragte: „Warum bewirbst du dich nicht?“ Schließlich sei Viktoria Ostler prädestiniert für die Rolle als Botschafterin Münchens, die laut Webseite des zuständigen Festrings „Fremdsprachenkenntnisse, gute Umgangsformen sowie großes Hintergrundwissen über München und Bayern“ mitbringen sollte. Das mit den Umgangsformen hört die Garchingerin zum ersten Mal – und muss grinsen. Doch dann erklärt sie wieder ernst: „Ich denke, man braucht eine besondere Beziehung zu München und zum Bier – und beides hat bei mir gepasst.“

Der Papa versorgt Münchner Brauereien mit Malz

Denn Viktoria Ostler ist in der Landeshauptstadt geboren, war Schülerin am Isar-Gymnasium und studiert inzwischen Jura an der LMU. Dass sie in Garching lebt, ihre Familie hier verwurzelt ist, und ihr Uropa Josef Amon gar zwei Jahrzehnte Bürgermeister im Ort war – all das ändere nichts an ihrer München-Verbundenheit, sagt Viktoria Ostler. Ohnehin findet sie: „Garching gehört doch inzwischen quasi zu München.“ Nichts zu rütteln gibt es derweil an ihrer besonderen Beziehung zum Bier: Ihr Vater Albert Ostler leitet eine Mälzerei in Heimstetten, die mit vielen Münchner Brauereien kooperiert. Und was mindestens genauso wichtig ist: „Ich trinke sehr gerne Bier. Das ist mir lieber als das süße Zeug, das vor allem früher viele Freundinnen von mir getrunken haben.“

Heimliche Bewerbung

Also hat sich Viktoria Ostler für die Rolle als Münchner Kindl beworben – und es außer der Familie erst mal niemanden erzählt, nicht mal ihrem Freund. Als sie die Nachricht erhielt, dass sie ausgewählt wurde, sei sie vor Freude „herumgesprungen wie ein Hüpfball“. Auch ihre Eltern sind „stolz wie Oskar“, verrät die Garchingerin, ebenso Bruder und Schwester und natürlich die Oma, die bald ein zweites Kindl-Foto in ihrer Küche aufhängen kann.

Autogramm - ja gerne

Mittlerweile hat Viktoria Ostler ihre ersten Auftritte als München-Botschafterin hinter sich – und ist begeistert. „Bislang habe ich praktisch nur positive Reaktionen bekommen.“ Und was das Beste sei: „Wenn ich die Kutte ausziehe, erkennt mich niemand mehr, und ich habe meine Ruhe – das ist mir sehr wichtig.“ Doch sobald Viktoria Ostler die Franziskaner-Kutte übergestreift hat, posiert sie geduldig für Fotos und schreibt Autogramme. „Das gehört dazu und ist ja auch schön.“

Sie reitet vorneweg zur Wiesn

Besonders groß wird der Trubel an diesem Wochenende sein, wenn das Münchner Kindl beim Einzug der Wiesnwirte am Samstag und tags darauf beim Trachtenumzug an der Spitze reitet. Dann werden sich zig Kameras und tausende Blicke aus aller Welt auf sie richten. Nervös sei sie aber nicht, sagt Viktoria Ostler. Noch nicht. „Das kommt wahrscheinlich erst am Tag selbst.“ Eine Herausforderung dürften auch die körperlichen Strapazen werden: drei Stunden auf dem Pferd, mit der einen Hand winken, mit der anderen den Maßkrug stemmen. Letzterer ist zwar inzwischen aus Pappe und nicht mehr aus Stein wie zu Zeiten ihrer Tante Helene Münchhalfen. Und doch hat Viktoria Ostler vorsorglich trainiert. „Mit Hanteln vor dem Fernseher“, wie sie lachend erzählt.

Beim Anzapfen steht sie neben OB Dieter Reiter

Ihre Familie samt Oma wird die Umzüge von der Tribüne aus verfolgen – allein ihr Bruder Albert Ostler junior ist noch näher dran: Der 18-Jährige wird seine Schwester als Ordner begleiten. Am Samstag im Schottenhamel-Festzelt steht dann jedoch ein anderer Mann neben Viktoria Ostler: Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter. Denn während er das Oktoberfest mit einem „Ozapft is!“ eröffnet, ist traditionell das Münchner Kindl an seiner Seite – das diesmal aus Garching kommt.

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