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An eine andere Zeit erinnert dieses Bild, das Kriegsveteranen im Jahr 1919 vor dem Garchinger Gasthof „Neuwirt“ zeigt.

Soldaten- und Reservistenkameradschaft GArching löst sich auf

Nach 108 Jahren bleiben drei Kisten

Landkreis - Am Freitagabend wird der zweitälteste Verein in Garching voraussichtlich Geschichte sein: Die Soldaten- und Reservistenkameradschaft löst sich auf – mangels Mitgliedern. Auch andernorts im Landkreis kämpfen derlei Vereine ums Überleben.

Was bleibt von 108 Jahren? Im Fall der Soldaten- und Reservistenkameradschaft Garching sind es drei Plastikkisten. Zwei davon sind mit Ordnern gefüllt, darin Aufzeichnungen, Briefe und Protokolle, die teilweise bis in die Nachkriegszeit zurückreichen. In der dritten Box liegen Pokale, Wimpel, Holzteller und sonstiges Klimbim. 

Die drei Kisten stehen in der Garage von Attila Bancsov. Noch. Denn schon bald wird der Zweite Vorsitzende die verbliebenen Habseligkeiten des Vereins im Rathaus abgeben. Schließlich fällt das Vermögen der Kameradschaft bei einer Auflösung der Stadt Garching zu – so steht’s in der Satzung. Und genau dazu wird es heute im Gasthof „Neuwirt“ bei der außerordentlichen Versammlung kommen – wenn nicht noch ein mittelgroßes Wunder geschieht.

 Eigentlich hatten die anwesenden Mitglieder – sieben an der Zahl – die Vereinsauflösung bereits bei ihrem jüngsten Treffen beschlossen. Doch weil dies unter Sonstiges und nicht unter einem eigenen Tagesordnungspunkt geschah, muss diese Prozedur wiederholt werden. „Es gibt zwei Punkte auf der Tagesordnung: die Begrüßung und die Auflösung“, sagt Attila Bancsov, der die Geschicke des Vereins seit dem Tod des Vorsitzenden Walther Posmik im vergangenen Jahr leitet. Seit fast dreißig Jahren ist Bancsov Mitglied in dem Verein, der 1908 als Krieger- und Veteranenverein gegründet wurde. „Klar ist es traurig, dass es jetzt zu Ende geht“, sagt er. „Aber was will man machen?“ 

2003 zählte der Verein noch 130 Mitglieder; heute sind es 41. Und beim Volkstrauertag waren sie zuletzt oft nur noch zu dritt: „Zwei stehen am Kriegerdenkmal, einer hält die Fahne“, sagt Attila Bancsov und lächelt – doch es ist ein trauriges Lächeln. 

Kriegervereine wie in Garching gibt es etliche im Landkreis – und überall kämpfen sie mit den gleichen Problemen: Die Veteranen, die das Rückgrat der Vereine waren, sterben aus. In Garching gibt es noch zwei Mitglieder, die im Weltkrieg gedient haben: Johann Haas und Hans Scharl. Zwar stehen die Vereine auch für Reservisten offen, zudem werben manche inzwischen auch um Fördermitglieder oder gar um Frauen. Und dennoch tun sie sich alle schwer bei der Suche nach neuen Mitgliedern. Sehr schwer. 

Viel Papierkram, ein paar Pokale - – mehr hat Attila Bancsov, der Zweite Vorsitzende des Garchinger Vereins, nicht mehr zu verwalten.

„Das ist die Problematik aller Vereine“, weiß Klaus Käfer. Er ist Vorsitzender der Soldaten- und Reservistenkameradschaft in Unterhaching und obendrein Vorsitzender des Münchner Kreisverbands im Bayerischen Soldatenbund (BSB), also ein Kenner der Szene. Käfer hat von der Auflösung der Garchinger Kameradschaft erfahren, als er unlängst die Vereine in der Region abtelefonierte. Der Grund: Er wollte sie über eine Veranstaltung des BSB im November informieren, bei der es um die Zukunftsaussichten von Kriegervereinen gehen soll. „Man muss sich öffnen, sonst stirbt man aus“, glaubt Käfer. Sein Heimatverein in Unterhaching probiert genau das: Anfang 2015 wurde das „zu martialische“ Wort Krieger aus dem Vereinsnamen gestrichen; zudem hat man sich für Frauen geöffnet und die Werbetrommel bei Reservisten gerührt. Die Erfolge seien gemischt, sagt Käfer, aber immerhin: Sieben neue Mitglieder sind seitdem beigetreten. 

„Nachwuchsmangel gibt’s überall“, bekräftigt auch Martin Haum, Vorsitzender der Soldaten- und Kriegerkameradschaft Ottobrunn. Er macht dafür weniger die Abschaffung der Wehrpflicht verantwortlich, sondern: „Die Zeiten haben sich geändert, es gibt heute ein ganz anderes Freizeitverhalten.“ Zudem sei die Bereitschaft gesunken, sich im Ehrenamt zu engagieren. 

Dabei hänge viel vom Engagement der Vorstandschaft ab, glaubt auch Dieter Eisenträger vom 1874 gegründeten Krieger- und Soldatenverein Ismaning. „Klar gibt es das Problem mit dem Nachwuchs, aber man muss halt dranbleiben und ständig etwas machen.“ Nachdem es auch in seinem Verein „Riesenprobleme“ gab, gehe es inzwischen wieder aufwärts, sagt Eisenträger. „Auch unsere Nachbarvereine in Aschheim und Unterföhring sind sehr aktiv.“ 

Anders in Garching, wo die 108-jährige Historie der Soldaten- und Reservistenkameradschaft heute wohl zu Ende gehen wird. Und so dürfte Attila Bancsov die drei Kisten aus der Garage bald in sein Auto packen, von Hochbrück nach Garching fahren und sie im Rathaus der Stadt abgeben. Dort werden der örtliche Heimatpfleger Michael Müller sowie der Verein Garchinger Geschichte die Habseligkeiten sichten, kündigt eine Sprecherin der Stadt an. „Und es wird entschieden werden, was davon archiviert wird.“

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