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Festival-Stimmung: Schall im Schilf lebt von der speziellen Location am Garchinger See.

Am Garchinger See

Schall im Schilf: Mehr als eine Party

Garching - Schall im Schilf am Garchinger See ist zu einer Institution geworden. Aus einer Abifeier entwickelte sich ein Open-Air mit 5000 Menschen. Doch das Ganze ist mehr als eine Party.

Die Musik ist aus, die Polizei ist da. Jemand hat sich beschwert: zu laut, zu viele Menschen, die ganze Sause außer Kontrolle. Also schnappt sich Philipp Chmel, einer der Veranstalter, ein Mikrophon und macht eine Durchsage an 1500 Gäste: Leute, legt euch kurz an den See. Es geht gleich weiter. 

Es ist ein Tag am Garchinger See im Juni 2012, vier Uhr nachmittags. Das Elektro-Festival Schall im Schilf erhebt sich zur Institution in der bayerischen Open-Air-Landschaft.

Es gibt schlechte Partys, gute Partys und legendäre Partys

Party-technisch gesehen, ist es so: Es gibt schlechte Partys, es gibt semi-gute Partys und es gibt gute Partys. Und manche Partys sind so gut, dass sie zur Legende werden. In diesem Fall bleiben den meisten Gästen spezielle Momente jahrelang in Erinnerung. Der Augenblick, als beim Schall im Schilf 2012 die Musik nach dreistündiger Pause und mit Erlaubnis netter Polizisten wieder aus den Boxen dröhnt und 1500 Menschen jubeln und anfangen zu tanzen, ist so ein mystischer Party-Moment. Seitdem ist das Open-Air, das heuer am Samstag, 4. Juni, von 12 bis 1 Uhr des darauffolgenden Tages über die Bühne geht, was es ist: Mehr als eine Party.

Mit einer Abifeier hat es angefangen

Festival-Stimmung: Schall im Schilf lebt von der speziellen Location am Garchinger See.

Alexander Hofmann, 25, Maschinenbau-Student, hat die Kellerkind GmbH mitbegründet, die Organisation, die hinter den Open-Airs Schall im Schilf und Back To The Woods steckt. 2010 haben er und andere Abiturienten des Werner-Heisenberg-Gymnasiums nach der letzten Prüfung im Garchinger Obst-Garten eine Fest geschmissen. 150 Leute feierten damals unter einem Drei-Mal-Sechs-Meter-Pavillon. An der Bar gab es selbstbelegte Semmeln. Hofmann sagt: „Das war eine zusätzliche Abifeier.“ So hat es angefangen.

Alexander Hofmann: "Wir hatten einfach Bock, mehr zu machen"

Ein Jahr darauf wurden aus 150 Besuchern 300, 2012 überrannten 1500 Menschen das Open-Air. Seitdem gibt es Zäune und ein professionelles Sicherheitskonzept. 2013 haben Hofmann und seine Freunde, die alle 25 oder 26 Jahre alt sind, neben dem Schall im Schilf zum ersten Mal das zweite Garchinger Open-Air organisiert, das Back To The Woods. „Wir hatten einfach Bock, mehr zu machen“, erzählt Hofmann. 2015 gründeten sie die Kellerkind GmbH. Für 2016 haben sie das Gelände am See erweitert und die Ticketzahl gegenüber 2015 verdoppelt. Sechs Jahre nach der Premiere feiern Anfang Juni 5000 Menschen am Garchinger See an zwei Bühnen. Seit Mitte April sind alle Tickets verkauft.

"Tanzen für eine bessere Welt"

Trotz dieser relativ unfamiliären Masse wollen die Veranstalter, dass sich Schall im Schilf einen eigenen Charakter erhält. Das musikalische Line-Up ist wichtig. Hofmann und die anderen achten beim Aufbau aber auch sehr auf kleine optische Details. Etwa wird eine fünf Meter hohe Holzkuppel aufgestellt. Darin soll ein visueller Raum entstehen. Acht VJs, also Videokünstler, treten dort nacheinander auf. Hofmann hofft, dass die Leute nicht nur wegen den DJs kommen.

Schall im Schilf ist keine kommerzielle Veranstaltung

Die Crew: (v.l.) Gabriel Adorf, Erkan Seyran , Alexander Hofmann, Sabine Friedrich, Ferdinand Bockelmann (hinten) Leo Ehrecke, Patrick Sylvander, Philipp Chmel. Unten rechts Benjamin Herchet, Benedikt Simon.

Anders als andere Festivals dieser Größenordnung ist Schall im Schilf nämlich keine kommerzielle Veranstaltung. Freilich gibt es für die Helfer eine Aufwandsentschädigung. Aber Kellerkind spenden einen festen Prozentsatz des Gewinns an soziale Projekte, darunter lokale Vereine wie die Nachbarschaftshilfe Garching. Hinzukommen überregionale Hilfsprojekte für Flüchtlinge wie das Beratungszentrum Refugio oder die Schlau-Schule, eine staatlich anerkannte Schule für jugendliche Flüchtlinge. 2015 haben die Veranstalter mehr als 2000 Euro gespendet, um Sprachbücher und Schreibmaterial für Garchinger Flüchtlinge zu finanzieren. Auf der Homepage von Schall im Schilf heißt es: „Tanzen für eine bessere Welt.“ Hofmann sagt: „Uns geht es darum unterschiedliche Leute und Gruppen zusammenzubringen.“ Und er betont, ohne die vielen freiwilligen Helfer würde es Schall im Schilf nicht geben.

150 Freiwillige bauen Schall im Schilf auf

150 Menschen – Freunde und Bekannte des Heisenberg-Kreises – bauen etwa eine Woche vor Beginn des Open-Airs das Gelände auf. Darauf freut sich Hofmann eigentlich mehr als auf Schall im Schilf selbst. Schließlich kommen dann alte Schulfreunde wieder zusammen. „Das ist für alle ein Fixpunkt im Jahr, an dem man sich sieht“, sagt Hofmann, der inzwischen von Garching nach München gezogen ist. Außerdem sei es eine „sehr kreative Zeit“. Und nach all den Jahren sei die Crew sehr gut eingespielt.

2012 - Der Durchbruch

Hofmann hat bisher jedes Schall im Schilf mitorganisiert. Doch an das Jahr 2012 erinnert er sich am besten. Damals gibt es weder Tickets noch einen Zaun um das Gelände. Das Ganze ist ein offenes Fest. Hofmann und seine Freunde rechnen mit ein paar Hundert Gästen. Tatsächlich kommen 1500 Menschen. „Darauf waren wir nicht vorbereitet. Wir wurden überrannt“, sagt er. Um um vier Uhr nachmittags dreht die Polizei die Musik ab. Manche gehen anschließend nach Hause. Viele bleiben und baden in der Zwischenzeit im See. Schließlich geht Schall im Schilf drei Stunden später weiter. Beim ersten Beat fangen tausend Menschen an zu tanzen. Hofmann sagt: „Dieser Moment ist vielen in Erinnerung geblieben.“

rat

Video vom Schall im Schilf

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