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Auch heuer haben 20 Schüler an der Mittelschule Pullach im 9+2-Modell den Mittleren Bildungsabschluss erreicht. „Wer es ernst nimmt, schafft es“, sagt Schulleiter Werner Mitterreiter (Foto links, Mitte).

Mit dem Schulmodell "9+2" in elf Jahren zur Mittleren Reife

Chance für begabte Hauptschüler

Es ist ein bewährter Weg, auf dem sich begabte Hauptschüler in zwei Jahren höher qualifizieren. Gute Erfahrungen mit dem „9+2“-Modell gibt es an den Mittelschulen in Garching, Pullach und Taufkirchen. Hier steuern Schüler nach dem Quali die Mittlere Reife an – und legen sie nach elf Jahren ab.

„9+2“, das heißt: Neun Jahre für den „Quali“ und zwei weitere Jahre für die Mittlere Reife. Mit dem angehängten elften Schuljahr erreichten in den vergangenen vier Jahren im Landkreis München rund 120 Hauptschüler, die keinen M-Zug besuchten, regulär die Mittlere Reife. „Weil sie ein Jahr mehr Zeit bekommen“, sagt Franz Morawietz (63), Schulleiter der Mittelschule Taufkirchen: „Das Modell hat sich sehr sehr bewährt.“ Vor allem für „Spätzünder“ und Schüler mit Mitgrationshintergrund.

Absolventen sind mit 17 oder 18 Jahren reifer

 Denn ihre Berufschancen steigen: Innerhalb der beiden Vorbereitungsjahre machen die Lehrer die Heranwachsenden auf Berufe aufmerksam, die mit dem Mittleren Bildungsabschluss erreichbar sind, „und überwiegend sind sie dann erfolgreich und halten die Ausbildungszeit durch, weil sie älter und reifer sind“, sagt Morawietz, meist nämlich 17 oder 18 Jahre, wenn sie die Schule verlassen. Eine Schülerin der Mittelschule Garching hat dank des höheren Abschlusses einen Ausbildungsplatz bei der Garchinger Baumaschinen-Firma Zeppelin sicher. „Sie lernt Bürokauffrau“, berichtet Schulleiterin Tatjana Pringsheim (39). Einige Absolventen haben soviel Freude am Lernen gewonnen, dass sie sogar den Weg zum Abitur einschagen. Im aktuellen Abschlussjahrgang der Mittelschule Pullach geht sogar die Hälfte der 20 Absolventen auf die Fachoberschule (FOS). 

"Zwei anstrengende Jahre, die sich aber gelohnt haben"

Seit 2012 gibt es „9+2“ in Taufkirchen und Garching. Zwölf von 14 Schülern in Garching und 16 von 18 Schülern in Taufkirchen haben diesmal die Mittlere Reife bestanden. In Pullach sogar alle 20 Kandidaten. Auf die Frage von Schulleiter Morawietz, wer nun einen besseren Ausbildungsplatz haben als nach dem Quali, melden sich Dreiviertel der Abgänger. „Einig waren sich alle, dass sie zunächst die Anforderungen in der Vorbereitungsklasse unterschätzt haben“, sagt Morawietz, der die Absolventen um einen Rückblick gebeten hat: „Es waren zwei anstrengende Jahre, die sich aber gelohnt haben.“

Als erste Schule im Landkreis startet Pullach das Modell

 Als erste Mittelschule im Landkreis führte Pullach das Modell ein. Die Idee war, die Tür zur Mittleren Reife auch Hauptschülern zu öffnen, die etwa in ihrer Quali-Prüfung nicht Englisch belegt haben – was aber eine Voraussetzung für die Aufnahme in die zehnte Klasse des M-Zweigs ist. Schulleiter Werner Mitterreiter (64) war nach einem Besuch im Rosenheimer Stadtteil Aising, wo 2008 der Versuch „9+2“ bayernweit erstmals gestartet wurde, sofort von diesem Modell überzeugt. „Wir hatten damals nur noch 140 Schüler.“ Die Mittelschule im bildungsbürgerlich geprägten Isartal drohte auszubluten. Doch sobald es möglich war, den Mittlere Reife an der familiären Josef-Breher-Schule zu erreichen, stiegen die Anmeldezahlen in Pullach schnell. „Aufgrund der besseren Perspektive ist eine Sogwirkung entstanden“, berichtet Mitterreiter: „Heute haben wir 100 Schüler mehr, das ist an der Entwicklung das Nachhaltige.“ 

Viel Stoff in den Hauptfächern

Die Stofffülle der beiden Jahre ist anspruchsvoll. Während der „Quali“ auf das praktische Leben vorbereitet, erschließt die Mittlere Reife auch kulturelle Bereiche, so Morawietz: „In Deutsch wird klassische Literatur gelesen und ein Buchreferat gehalten.“ Die Schüler haben in der zehnten und elften Jahrgangsstufe je zehn Wochenstunden Deutsch, Mathematik sowie Englisch. Gewisse Zugangsvoraussetzungen gibt es deswegen auch für „9+2“: Wer hier weiterlernen möchte, muss im „Quali“ den Notenschnitt von 2,5 geschafft haben. „Schüler mit einer 2,6 oder 2,7 schauen wir uns aber auch an und lassen sie auf Probe zu“, sagt Morawietz, er ist in 40 Jahren als Lehrer und Schulleiter der Überzeugung: „Es ist nicht sinnvoll, wegen eines Noten-Zehntels Wege zu beschränken.“ Die Erfahrungen geben ihm Recht: „Auch die anfangs schlechteren Schüler haben am Ende gute Abschlüsse vorgelegt.“

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