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Über Kopfschmerzen und Übelkeit hatten Schüler des Werner-Heisenberg Gymnasiums geklagt und das Raumklima dafür verantwortlich gemacht. Ein Gutachten sagt: Die Lüftung funktioniert, die Werte passen.

Neues Gutachten

Streit um Luftqualität im Gymnasium Garching

Garching - Seit dem Bezug des Garchinger Gymnasiums klagen Lehrer und Schüler über muffige Luft und schlechtes Raumklima im Gebäude. Nun legt der Zweckverband ein neues Gutachten vor, das zeigen soll: Die Luft ist rein. Doch die Schulleitung ist nur bedingt überzeugt.

Garching – Zur Fertigstellung des neuen Werner-Heisenberg-Gymnasiums (WHG) vor drei Jahren hat der zuständige Zweckverband eine Broschüre aufgelegt. Darin werden das „pädagogische Konzept“ und das „architektonische Konzept“ der Schule vorgestellt; auf Seite 15 geht es auch um die Lüftungsanlage des Neubaus sowie die spezielle Deckenheizung. Diese, so heißt es wörtlich, „sorgt für ein angenehmes Raumklima“.

Schüler klagen über Kopfschmerzen und Übelkeit

Alles andere als angenehm empfanden jedoch viele Schüler und Lehrer das Raumklima im WHG. Seit dem Einzug 2013 klagten sie immer wieder über eklatante Temperaturunterschiede sowie stickige Luft, was zu Kopfschmerzen und Unwohlsein führe.

Im Mai 2015 berichtete Direktor Martin Eidenschink in einer Zweckverbandssitzung vom „subjektiven Eindruck, dass die Belüftungsanlage in der Schule nicht gut funktioniert“. Bestätigt fühlte er sich durch ein Gutachten der Prüfgesellschaft Dekra, wonach in einem Klassenzimmer erhöhte Kohlenstoffdioxidwerte gemessen wurden. Besorgt habe sich die Schulleitung an den Zweckverbandsvorsitzenden und Garchinger Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) gewandt, so Eidenschink damals. Doch auf das Schreiben habe man „keine befriedigende Antwort“ erhalten.

Elternbeirat spricht im Rathaus vor

Es war dies der Beginn einer Eiszeit zwischen Schulleitung und Bürgermeister, der noch in der Sitzung zurückkeilte: „Ich finde es unverantwortlich, dass damit an die Öffentlichkeit gegangen wird und so der Eindruck entsteht, wir würden keine Rücksicht nehmen auf unsere Lehrer und Kinder.“ Aus seiner Sicht sei das Dekra-Gutachten vonseiten der Schule falsch interpretiert worden. Vielmehr stehe darin ausdrücklich, dass „keine weiteren Maßnahmen notwendig“ sind, so Gruchmann.

In der Folge wurde auch der Elternbeirat aktiv. Er wandte sich per Brief an alle Klassenelternsprecher und klagte: „Es kann nicht sein, dass eklatante Fehlplanungen und langwierige Machtspiele zwischen den beteiligten Parteien zu Lasten der Gesundheit und Leistungsfähigkeit unserer Kinder gehen.“ Überdies wurden Vertreter des Elternbeirats in den Rathäusern von Garching und Ismaning vorstellig – jedoch ohne dass dies die Sorgen der Eltern hätte mindern können. 

Neues Gutachten meldet: Die Luft ist rein

Im vergangenen Mai kündigte Bürgermeister Dietmar Gruchmann neuerliche Messungen an – und deren Ergebnisse liegen nun vor. Demnach arbeite die Lüftungsanlage der Schule ordnungsgemäß, zudem sei die Raumluft „einwandfrei und gesundheitlich vollkommen unbedenklich“, schreibt die Stadt in einer Pressemitteilung mit dem Titel „Reine Luft im WHG!“.

Temperaturschwankungen im Griff

Zudem stellt das beauftragte Ingenieurbüro in seinem Gutachten fest, dass sich „die Temperaturverteilung im Gebäude deutlich verbessert“ habe. Gab es früher Schwankungen von bis zu zehn Grad in einzelnen Räumen, so sei dies seit dem Sommer nicht mehr der Fall. Grund hierfür ist laut Stadt der Brunnen, der im Juni angeschaltet wurde. Er pumpt an heißen Tagen kaltes Wasser durch die Deckenheizung – zur Kühlung. Im Winter dagegen fließt warmes Wasser durch die Rohre. Bezüglich der auffälligen CO2-Werte bei der Dekra-Messung vermutet die Stadtverwaltun laut Mitteilung eine Manipulation an den „unbeaufsichtigt aufgestellten Messgeräten“. Schließlich lägen diesmal alle Ergebnisse „deutlich unterhalb der zulässigen Grenzwerte“.

Bürgermeister sehen Debatte beendet

Das Gutachten gibt überdies Hinweise zum richtigen Lüften. So sei es – „entgegen einer scheinbar weit verbreiteten Meinung“ – nicht verboten, die Fenster zu öffnen. Dies gelte es bloß an sehr heißen oder kalten Tagen zu vermeiden. Zudem rät das Ingenieurbüro, das Foyer zweimal wöchentlich durchzulüften und die Lüftungsanlage morgens vor- und nachmittags gründlich nachzuspülen. Für Dietmar Gruchmann ist das Gutachten der Grundstein, um einen Schlussstrich unter die jahrelange Debatte zu ziehen. Auch sein Ismaninger Amtskollege Alexander Greulich (SPD) sagt: „Ich hoffe, dass jetzt Frieden einkehrt. Wir haben eine weitestgehend funktionierende Lüftungsanlage und auch die passenden Werte.“

Direktor klingt noch skeptisch

Beileibe nicht so zuversichtlich klingt Direktor Martin Eidenschink. Zwar hätten Schulleitung und Lehrer festgestellt, dass die Temperaturschwankungen nicht mehr so extrem seien und es insgesamt kühler in den Räumen sei. „Aber die Qualität der Luft ist immer noch nicht so, wie wir uns das erhofft hätten“, sagt Eidenschink. Des Weiteren bemängelt der Direktor des Gymnasiums, dass das Gutachten aus just dem Büro stamme, das beim Neubau für die Bauphysik zuständig war. Und er wehrt sich gegen die Darstellung, „dass es allein am Endbenutzer liegt“. Sprich: Dass die Lehrer nur richtig lüften müssten, und die Probleme wären behoben. Sein Fazit nach der Durchsicht des Gutachtens: „Es hat sich verbessert, aber es ist auch noch nicht optimal."

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