Tierisch ehrliche Kontakte

Garching - Tierpädagogin Monika Posmik besucht mit ihren „Mitarbeitern“ Kindergärten und Altenheime

Mia hält unter ihrem linken Arm ein Kuscheltier, genauer einen Plüschhasen. In der rechten Hand hat die Fünfjährige die Leine, an welcher der zirka eineinhalb Meter große Nacho hängt und zerrt. Nacho ist ein Alpaka. Mia hat den „neuen Freund“ schon nach wenigen Sekunden ins Herz geschlossen. Sie streichelt sanft sein weiches Fell und läuft mit ihm durch den Garten. Allerdings gibt Nacho die Richtung vor. Plötzlich bleibt Nacho stehen. Er beugt seinen Kopf, der auf einem langen Hals sitzt, zu Mia herunter. Beide schauen sich gebannt an. Dann lacht Mia und redet so, als ob ein Mensch vor ihr stehe. Monika Posmik sagt: „Die nonverbale Kommunikation ist die ehrlichste Sprache. Und Tiere beherrschen sie ausgezeichnet.“

Monika Posmik (58) ist gelernte Pädagogin. Sie betreibt das Zentrum für tiergestützte Pädagogik, Therapien und Fördermaßnahmen in Hochbrück an der Ingolstädter Landstraße, auch „Monis kleine Farm“ genannt. Posmik hat sich vor zirka zwei Jahren auf pädagogische und therapeutische Ansätze spezialisiert, in denen Menschen gezielt durch den Kontakt mit Tieren geholfen werden soll. Die Zielgruppe des Angebotes ist breit gefächert und reicht von Kinder- oder Behinderteneinrichtung bis zu Patienten mit Burnout oder Senioren. „Das Schöne an meiner Arbeit ist, dass ich damit alle Generationen erreiche“, sagt Posmik. Ihr ältester Patient sei schon 107.

Reit- und Delfintherapien sind weitläufig bekannt. Doch auch der Kontakt zwischen Mensch und Hoftieren wie Schafen oder Hunden hat aus pädagogischer und therapeutischer Sicht viele Vorteile. Beispielsweise fördere er die Sprachentwicklung oder die Ausbildung sozialer Fähigkeiten bei Kindern, sagt Posmik. Daneben würden Tiere auch zu Demenzkranken einen guten Zugang finden. Schließlich würden Tiere zwar Menschen nicht ersetzen, aber sie könnten die Fürsorge menschlicher Bezugspersonen ergänzen.

Posmik besucht regelmäßig Kindereinrichtungen, Seniorenheime oder Kliniken. Bei ihren Hausvisiten hat sie immer Meerschweine, Schafe, Kaninchen, Hühner, Hunde oder Alpakas mit dabei. An diesem Vormittag ist die Pädagogin im Kinderhaus St. Franziska Romana in Hochbrück.

Etwa 20 Kinder zwischen drei und sechs Jahren sitzen in einem Stuhlkreis. Ihre Augen sind auf die Käfige gerichtet, die Posmik am Boden des Gruppenraumes abgestellt hat. Es wuselt hinter den Gittern. Kurz bevor Posmik „ihre Mitarbeiter“ freilässt, wie sie die Tiere selber nennt, sagt sie: „Die Hühner sind immer die Superstars.“

Mehrere Meerschweine, ein Kaninchen und insgesamt vier Hühner laufen sofort zum Gemüsekorb, der in der Raummitte steht. Während sich einige Tiere über den Salat, die Paprika und Gurken hermachen, verkriecht sich Wurzi das Teddy-Meerschweinchen in einer Höhle aus Stroh und läuft damit unter den Stühlen der Kinder entlang, die sofort laut loslachen. Petsi, das riesige, schwarze Kaninchen, dagegen lässt sich von der Aufregung nicht stressen und liegt entspannt auf dem Bauch.

Irgendwann bringt Posmik die Kinder mit den Tieren direkt in Kontakt. Jeweils zwei Kinder dürfen ein Meerschweinchen auf dem Schoß halten, allerdings nur wenn sie das auch wollen. „Es gibt immer Kinder, die sind zuerst ein bisschen zurückhaltend und zögern“, sagt Posmik.

Die kleine Leonie hat keine Angst, als neben ihr auf dem Stuhl ein großes Huhn sitzt und streichelt es vorsichtig. Giesela Gressert leitet das Kinderhaus St. Franziska Romana. Sie weiß: „Kinder begegnen Tieren heutzutage immer weniger.“ Deshalb sei die tiergestützte Pädagogik ein fester Bestandteil ihrer Kinderhaus-Konzeption.

Posmik sagt, das Besondere an Tieren sei, das sie ihren Gegenüber nicht beurteilen würden. „Ein Tier ist immer ehrlich.“

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