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Tom’s Bistro mitten im Wohngebiet ist in Garching zur Institution geworden. Thomas Schneider (41) wollte sich eigentlich nach fünf Jahren etwas Größeres suchen, ist aber inzwischen mit seinem Laden sehr zufrieden.

Tom's Bistro wird 20 Jahre 

Bei Elvis in der Eckkneipe

Seine Kneipe mitten im Wohngebiet ist in Garching eine Institution, seine Elvis-Shows genießen Kultstatus: Am Samstag feiern Thomas Schneider und sein „Tom’s Bistro“ ihren 20. Geburtstag.

Der Taxifahrer zuckt ratlos mit den Schultern. „Jochbergweg? Kenne ich nicht“, antwortet er und lässt Thomas Schneider kurzerhand am Maibaum aussteigen. Von dort macht sich der damals 21-Jährige zu Fuß in den Jochbergweg auf, ein winziges Sträßlein im Osten von Garching – lauter Einfamilienhäuser, dazu ein Studentenwohnheim. Aber eine Kneipe?

„Das Lokal habe ich erst gar nicht gefunden“, erzählt Schneider von seinem Ausflug nach Garching im Jahr 1996. Den kompletten Jochbergweg wandert er ab – einmal, zweimal, dann endlich entdeckt er ein Ladengeschäft am Eck, das einzige weit und breit. Damals wäre Schneider jede Wette eingegangen, dass er dieses Lokal nicht anmietet, schon gar nicht für längere Zeit. Heute blickt er zurück auf 20 Jahre „Tom’s Bistro“; am Samstag steigt die Geburtstagsfeier (sh. Kasten). 

Denn trotz des ersten Eindrucks hat sich Schneider damals für das unscheinbare Lokal mitten im Wohngebiet erwärmen können – auch, weil er früher selbst in Garching gelebt hat: Hier geht er in den Kindergarten und zur Grundschule, ehe seine Eltern nach München umziehen. Dort absolviert Schneider eine Lehre zum Hotelkaufmann und arbeitet in angesehenen Häusern. Jetzt aber will er sich selbstständig machen und sucht ein kleines Lokal – so wie jenes im Jochbergweg. Dort hat 1994, also zwei Jahre zuvor, das erste Studentenwohnheim in Garching eröffnet. Die wohnheimeigene Kneipe aber ist eher vor sich hingedümpelt, sodass sich das Studentenwerk als Verpächter schnell mit Schneider einigt. „Ursprünglich sollte es eine Studentenkneipe werden“, erzählt er. „Aber das hat sich recht bald anders entwickelt.“

 Denn während die Studenten aus dem Wohnheim nur selten vorbeischauen, wird das Tom’s, wie es bald heißt, vor allem bei jungen Garchingern zur Institution. Entsprechend muss Schneider seine Pläne für das Lokal über den Haufen werfen. Weil das Mittagsgeschäft nicht läuft, verschiebt er die Öffnungszeiten in den Abend. Und statt eines Diners im US-Stil samt dem entsprechenden Essen gibt’s bald nur noch eine Handvoll Gerichte – Pizza, Schinken-Toast und montags Spaghetti Bolognese, mehr nicht. 

Mit den Jahren entwickelt sich das Tom’s zu einer Eckkneipe im besten Sinne. Hier wird geratscht, geraucht und vor allem getrunken – ab dem späten Nachmittag und bis die Gäste genug haben. Wobei neben dem Mönch auf dem Zapfhahn noch etwas anderes groß geschrieben wird, das ist Thomas Schneider wichtig: die Musik. Schließlich ist der 41-Jährige selbst überzeugter Rock ‘n’ Roller; vor allem der King hat es ihm angetan. 

So fährt Schneider heuer auch zum European Elvis Festival nach Bad Nauheim – stilecht im Mercedes mit Heckflosse. Dort wird er wahrscheinlich seinen weißen Glitzeranzug tragen, den er mitunter auch im Tom’s überstreift, wo seine Auftritte als Elvis-Double inzwischen legendär sind. 

Wobei Schneider in seinem Bistro mittlerweile auch die Musikwünsche der Gäste erfüllt – sei’s nun Rod Stewart oder Howard Carpendale. Schließlich sind die Stammkunden mit ihrem Wirt älter geworden. „Die ganz Jungen kommen nicht mehr zu mir“, sagt Schneider. „Ich glaube, die hängen lieber am Smartphone, als mit ihren Freunden ein paar Bier zu trinken.“ 

Ein solches Bier – genauer gesagt: ein Weißbierglas – wäre dem Wirt kurz nach der Eröffnung fast zum Verhängnis geworden. Damals zielte ein reichlich betrunkener Gast mit einem vollen Glas auf Schneiders Kopf. Zum Glück erwischte er nur die Schulter; die Narbe sieht man noch heute. Wobei nach zwanzig Jahren die freudigen Erinnerungen natürlich überwiegen, betont Schneider. Etwa die von seinem Spezl, der im Tom’s seine spätere Ehefrau kennengelernt hat. Noch heute kommen beide immer montags zum Spaghettiessen vorbei. „Mit ihrem gemeinsamen Kind!“, erzählt Schneider, der inzwischen selbst in Garching lebt. 

Auch deshalb will er noch ein paar Jahre im Tom’s dranhängen. „Ursprünglich war geplant, dass ich mir nach fünf Jahren etwas Größeres suche. Aber inzwischen bin ich mit meinem Laden und seiner Größe sehr zufrieden.“

Rock'n Roll und Fußball: Am Samstag feiert Thomas Schneider den 20. Geburtstag seines „Tom’s Bistro“. Los geht’s um 18 Uhr; es gibt Essen vom Grill, Bier zu vergünstigten Preisen, und ab 21 Uhr wird das EM-Spiel Deutschland gegen Italien gezeigt. Irgendwann danach, am späteren Abend, wird der Wirt auch noch einen seiner garchingweit bekannten und inzwischen selten gewordenen Auftritte als Elvis-Double hinlegen. Denn: „Zum Zwanzigsten muss ich mir schon noch mal den weißen Strampelanzug anziehen.“

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