Zahlt BMW dann auch in Haar Gewerbesteuer, will Jürgen Maschauer (blaues Hemd) wissen.
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Zahlt BMW dann auch in Haar Gewerbesteuer, will Jürgen Maschauer (blaues Hemd) wissen.
Jürgen Rothe fürchtet Chaos in der Forsthausstraße.
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Jürgen Rothe fürchtet Chaos in der Forsthausstraße.
Leander Schreckenbach fordert eine Bürgerbefragung.
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Leander Schreckenbach fordert eine Bürgerbefragung.

Bürgerversammlung zu Großprojekt

BMW-Zentrum: Haarer schreckt der Verkehr

Haar - Rund 250 Haarer sind zur ersten Bürgerversammlung zum Thema „BMW Forschungszentrum auf der Finck-Wiese“ geströmt. Und äußerten deutliche Kritik, vor allem am Verkehrskonzept.

Neben Haar ist noch ein weiterer Standort im Rennen um das Forschungszentrum mit rund 2000 Beschäftigten. Das hat Sebastian Kuhlen vom potentiellen Bauherrn DIBAG Industriebau bestätigt. Dass es allerdings Aschheim sei, die Fläche, auf der per Bürgerentscheid der Bau eines Schlachthofs verhindert worden ist, wollte er nicht kommentieren. BMW will sich am 5. Dezember entscheiden.

Noch ein weiter Standort im Rennen

„Wir haben drei ganz große Vorteile: Wir bieten BMW den maßgeschneiderten Standort, wir sind unmittelbar an der Autobahn und BMW kann später auch erweitern. Sollten die sich gegen uns entscheiden, hatten wir keinerlei Kosten, denn DIBAG zahlt alle Planungen, und nächstes Jahr ist das wieder ein Acker, ein Gewerbegebiet ist nicht vorgesehen“, erklärte Bürgermeisterin Gabriele Müller das Projekt.

Kritiker melden sich zu Wort

Die Kritiker ließen nicht lange auf sich warten. Jürgen Rothe wohnt in der Forsthausstraße, direkt im Osten der FinckWiese, die an der Ecke Wasserburger (B 304)/Grasbrunner Straße (B 471) liegt: „Unsere kleine Straße leidet heute schon unter den vielen Wildparkern, da ist eine Durchfahrt nur einspurig möglich. Mit 2000 BMW-Mitarbeitern, von denen mindestens ein Drittel mit dem Auto kommt, wird das noch schlimmer!“ Kuhlen sagte, dass man sich mit der Forsthausstraße noch nicht im Detail beschäftigt habe. „Ich nehme das aber als Anregung mit in die Planungen.“

Viele fürchten Verkehrschaos

Mehrere Bürger bezweifelten, dass so ein großes Gelände nur über eine Zufahrt bedient werden könne, viele erwarten ein Chaos auf der Wasserburger Straße (B 304). Ein älterer Herr forderte die Verlängerung der Autobahnausfahrt und dann eine neue Straße parallel zur B 304 als Zufahrt zum Werk. Ein anderer schlug mehrere Zufahrten vor, so dass sich nicht alles auf einen Punkt konzentriere.

Waltraud Spitzauer wohnt seit 40 Jahren direkt gegenüber der Finck-Wiese. „Da kann ich dann von meiner Wohnung direkt in die Werkstätten schauen. Der Verkehr ist heute schon unglaublich – mit BMW wird das die volle Katastrophe!“ Jürgen Maschauer wollte wissen, ob BMW für ein Forschungszentrum Steuern zahle und welche Vorteile Haar von der Ansiedelung habe. Bürgermeisterin Müller geht ganz fest davon aus, „dass BMW als anständiges bayerisches Unternehmen, das hier 2000 Leute beschäftigt, auch bei uns Gewerbesteuer zahlt. Die wir übrigens dringend brauchen, wenn wir unseren hohen Lebensstandard halten wollen.“ Daneben erwarte sie viele neue Ausbildungsplätze sowie einen Imagegewinn als Standort für andere High-Tech-Unternehmen.

Schreckenbach fordert Bürgerentscheid

Leander Schreckenbach bemängelte, dass die Bürger nicht vor so einer Entscheidung gefragt würden: „Wir dürfen ein paar Fragen stellen – aber wollen wir Haarer BMW überhaupt? Die Dimension vom Bevölkerungs- und Verkehrszuwachs ist so enorm, da muss man uns doch vorher fragen.“ Bürgermeisterin Müller sagte, nur mit einem starken Gewerbe werde es Haar weiterhin so gut gehen. Sollte Haar am 5. Dezember den Zuschlag erhalten werde die DIBAG, so Kuhlen, die Investitionssumme nennen, die Pläne fertigstellen und auslegen. Im März 2017 würde es eine weitere Bürgerversammlung geben, im Mai die Planung abgeschlossen sein und im Januar 2018 das Werk in Teilbereichen in Betrieb gehen.

Details der Planung

Sebastian Kuhlen stellte die Details des ersten Bauabschnitts vor: Rund 2000 Beschäftigte, lediglich Forschung und Entwicklung, keine Produktion, daher auch geringe Lärmentwicklung. Auf 10 Hektar sollen Bürogebäude, Werkstätten, eine kleine Teststrecke, Parkplätze sowie Parkhäuser entstehen. „Das sind fast alles Softwarespezialisten, die das Thema autonomes Fahren für BMW bis 2021 marktreif machen sollen. Täglich werden nicht mehr als fünf Lkw mit Autos anrollen, insgesamt wird es etwa 400 Testfahrzeuge geben, die vollgestopft sind mit Elektronik und Software und so schnell wie möglich auf die Autobahn wollen als Teststrecke. Bei der Rückkehr wird dann ausgewertet“, so Kuhlen.

Der Zugang zum Werk erfolge nur über eine neue Straße von der Wasserburger Straße (B 304), rundum werde es einen sehr breiten Grünstreifen geben. „Beim Lärmschutz läuft die aktuelle Planung ebenso wie beim Verkehr, wir werden alles vor Baubeginn detailliert am Computer simulieren, dass es weder ein Verkehrschaos, noch übermäßige Lärmbelastungen geben wird.“

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