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Die Traglufthalle in Haar.

Protest in Traglufthalle

Flüchtlinge demonstrieren für besseres Essen

Haar - Die alltägliche Routine in den Traglufthallen sorgt unter den Bewohnern für dicke Luft. Für einen Streit reichen Kleinigkeiten, wie wenn das Essen nicht passt. In Haar ist nun ein Mitarbeiter einer Catering-Firma angegriffen worden.

Das Essen kommt dreimal täglich in einem Kleintransporter. Immer drei Mitarbeiter der Catering-Firma entladen die Lebensmittel für rund 300 Männer. Tag für Tag hieven sie Semmeln, Fleisch oder Gemüse zu den Ausgabetheken der Traglufthallen. Morgens und abends können sich die Bewohner an einem kalten Büfett bedienen. Mittags gibt es ein warmes Gericht, meistens mit Fleisch, meistens ist es Hähnchen.

Routine sorgt für Spannungen

Drei Mahlzeiten pro Tag – Routine für die Bewohner der sieben Traglufthallen des Landkreis München und Routine für die Caterer. Und oft ist es diese alltägliche Routine, die für Spannung sorgt unter den Bewohnern der Traglufthalle. Am vergangenen Dienstagmittag um 13 Uhr in der Haarer Traglufthalle: Die Mitarbeiter der Klüh Service Management GmbH verteilen gerade Mittagessen an 231 Männer. Der Landkreis hat das Unternehmen beauftragt, die Notunterkünfte in Haar, Unterföhring und Grünwald mit Essen zu beliefern. Es gibt Hähnchenschenkel mit Paprikasoße, Reis und Gemüse.

Flüchtling ohrfeigt Mitarbeiter

Einige Flüchtlinge fangen an zu protestieren. Sie prangern die Qualität des Essens und die zu kleinen Portionen an. Es kommt zu Handgreiflichkeiten. Laut dem Catering-Unternehmen schlägt ein Flüchtling einem Mitarbeiter mit der flachen Hand ins Gesicht. Haars Bürgermeisterin Gabriele Müller hat im Gemeinderat davon berichtet. Sie spricht von einer „Demonstration“, das Landratsamt von einem „Protest“.

Was wirklich vorgefallen ist, lässt sich allerdings im Nachhinein nur schwer rekonstruieren. Fakt ist: Die Stimmung in den Traglufthallen ist oft angespannt. In der Regel leben in einer Notunterkunft bis zu 300 Männer auf engsten Raum. Die Enge und ein trostloser Alltag führen dazu, dass sich Bewohner leicht untereinander streiten. Es sind Kleinigkeiten, die zu einer Auseinandersetzung führen können. Oft reicht ein zu laut aufgedrehtes Radio, oder aber wenn das Essen nicht passt, wie zuletzt in Unterföhring oder eben jetzt in Haar.

Kulturelle Unterschiede 

Beim Essen und Essgewohnheiten bestehen zum Teil große kulturelle Unterschiede. Das Landratsamt versucht das zu berücksichtigen. Pressesprecherin Franziska Herr erklärt, man nehme Anregungen der Bewohner auf, zum Beispiel im vergangenen Jahr während des Ramadan, als das Landratsamt das Catering-Unternehmen bat, das warme Essen anstatt mittags nach Sonnenuntergang auszugeben.

Fleisch ist in der Regel Hauptbestandteil des warmen Gerichtes. „Der Großteil ist Hühnerfleisch, um alle Religionen zu berücksichtigen“, sagt Herr. Dazu kommt eine sogenannte „Sättigungsbeilage“, also zum Beispiel Kartoffeln oder Reis. Um Einzelwünsche könne man sich aus organisatorischen Gründen nicht kümmern. Wer nach einer Portion nicht satt wird, kann sich bei der Sättigungsbeilage Nachschlag holen. Der Caterer berechnet dann den Nachschlag und stellt es dem Landkreis in Rechnung. Herr sagt: „Nachschlag ist immer möglich.“

Caterer versichert: Das Essen schmeckt

Und was ist mit der Qualität des Essens? Das Catering-Unternehmen Klüh Service Management GmbH liefert Essen in drei der sieben Traglufthallen im Landkreis, neben Haar noch Grünwald und Unterföhring. Der Leiter der Münchner Niederlassung, Karl-Heinz Mair, wehrt sich gegen den Vorwurf, das Essen sei minderwertig oder die Ausgabe unhygienisch. „Das Essen schmeckt. Auch Security und Sozialdienstleister essen alle mit.“ Mair verweist auf die abwechslungsreiche Speisekarte: In der laufenden Woche gibt es beispielsweise Hähnchencurry mit Gemüse und Reis, Tortellini oder Putenstreifen in Kräutersoße. Nachvollziehen kann Mair den Protest in Haar also nicht. Ärger gebe es nur in dieser Traglufthalle, sagt er. Und dort beschwere sich auch nur eine „kleine Gruppe“. Mair sorgt sich wegen des Vorfalls um seine Mitarbeiter. 

Bürgermeisterin Gabriele Müller dagegen hat im Gemeinderat Verständnis für den Protest der Bewohner gezeigt. Die Qualität des Essens „sei wirklich schlecht“, sagte Müller. Und manchmal sei es zu wenig. „Das geht gar nicht.“ Die Flüchtlinge hätten schnell gelernt, dass man in einer Demokratie für sein Recht protestieren darf.

rat

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