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Das Mordhaus: Das Grundstück mit dem Haus, in dem Gabriele P. ihren Freund mit einer Kreissäge ermordet haben soll, verkommt. Überall wuchert Unkraut.

Gabriele P. angeklagt

Kreissägen-Mord statt Sadomaso-Sex

Haar - Die Staatsanwaltschaft München I hat Gabriele P. wegen Mordes angeklagt. Offenbar tötete sie ihren Freund heimtückisch. Seit Januar sitzt sie in Haft.

Die Natur kennt kein Erbarmen. Die Hecken wuchern um das Grundstück. Das Gras im Garten ist hüfthoch gewachsen. Und es dauert nicht mehr lange, dann ist das Wasser des kleinen Teiches, den Gabriele P. selbst ausgegraben hat, unter einer grünen Moosschicht verschwunden. An dem Haus, in dem Alex H. der Kopf abgetrennt wurde, fahren am Dienstagnachmittag Schulkinder mit dem Fahrrad vorbei. Wegen des vielen Unkrauts kann man zwar sagen: Das Mordhaus in der Haarer Zunftstraße verkommt. Man kann aber auch sagen: Das Leben, es geht weiter. 

Auch für Gabriele P., die mutmaßliche Mörderin. Im Januar deckte die Polizei ein grausames Verbrechen auf. Die Pädagogik-Studentin hatte die Leiche ihres Freundes Alex. H. sechs Jahre lang im Garten versteckt gehalten. Sie hatte ihn verbuddelt. Nun hat die Staatsanwaltschaft München I Anklage wegen Mordes gegen Gabriele P. erhoben. Das Mordmerkmal: Heimtücke. „Das Opfer war arg- und wehrlos“, sagt Florian Weinzierl von der Staatsanwaltschaft. Einem Bericht der Bild-Zeitung zufolge soll Gabriele P. ihren Alex auf dem Dachboden ans Bett gefesselt und ihm die Augen verbunden haben. Der Literatur-Student erwartete offenbar Sadomaso-Sex. Doch Gabriele P. rammte ihm stattdessen eine Kreissäge in die Brust und trennte seinen Kopf ab. Die Bild beruft sich auf Ermittlerkreise. Die Polizei schweigt. Nur so viel: In den Monaten nach der Tat sei es im Umfeld der Zunftstraße ruhig geblieben, erklärt Erster Polizeihauptkommisar Karl-Heinz Schilling. Die Beamten der Polizeiinspektion Haar werden selten von Bürgern auf das Gruselhaus angesprochen, „obwohl wir ja mit unserer Dienststelle nicht weit entfernt sind“, sagt Leiter Karl-Heinz Schilling – es sind nur wenige hundert Meter. „Die Nachbarn denken sich wohl: Mich hätte es gar nicht treffen können, es war ja eine Beziehungstat“, sagt Schilling. 

„Eigentlich haben die ständig gegraben“

Ein Anwohner in der Zunfstraße, der Gabriele P. schon von klein auf kennt, steht am Dienstagnachmittag vor seiner Haustür. Er deutet hinüber zu seiner Garage, die direkt am Grundstück von Gabriele P. angrenzt. „Da bei den Bäumen“, sagt er, „war er vergraben.“ Eine Kreissäge habe er nie gesehen. Die „Gabi“ habe immer mit einer Handschere die Hecken geschnitten. Und einmal hätten „die jungen Leute“ einen kleinen Teich ausgegraben. „Eigentlich haben die ständig gegraben.“ Als er von der Tat gehört hatte, habe er schon mit Mord gerechnet. Sonst hätte sie ja zugeben können, dass es ein Versehen gewesen wäre. 

Zwei knallgrün gestrichene Säulen markieren den Eingang zum Grundstück. Eine davon ist gleichzeitig der Briefkasten. Darauf stehen handschriftlich vier Namen geschrieben sowie: „Wir haben alles, was wir brauchen. Und verkauft wird das Grundstück nicht.“

„Die Tante hat immer Angst um die Gabi wegen der Männer gehabt“

Laut einer Anwohnerin befürchtet man in der Nachbarschaft, dass das Grundstück nun neu bebaut wird. Die Frau stört sich jedenfalls nicht an dem ganzen Grünzeug. „So richtig gepflegt war es hier ja noch nie.“ Auch sie kennt „die Gabi“ schon lang, erzählt sie. „Harten Tobak“ nennt sie die neuesten Details zum Mord im Nachbarhaus. Erklären kann sie sich das alles nicht. Sie kenne Gabriele P.’s Tante, sagt sie. „Die Tante hat immer Angst um die Gabi wegen der Männer gehabt.“ Die Anwohnerin erzählt, sie habe sich, wenn Gabriele P. verreiste, um die Katzen und die Ente im Garten gekümmert. 

Laut einem anderen Nachbarn leben die Katzen immer noch im Haus. Sie werden jetzt in der Nachbarschaft gefüttert.

rat/icb

Charlotte Borst

E-Mail:Charlotte.Borst@merkur.de

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