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Ein Zeichen der Anteilnahme setzen die SpVgg Unterhaching und der Bayerische Fußball-Verband vor dem Anpfiff im Sportpark. Mit einer Schweigeminute gedenken sie mit zahlreichen Jugendmannschaften Oberbayerns der Opfer.

Reaktionen auf Amoklauf

Solidarität im Landkreis: "München - wir sind bei dir"

Landkreis - Zahlreiche Veranstaltungen im Landkreis sind wegen des Amoklaufs in München abgesagt worden. Zehn Feuerwehren aus allen Teilen des Landkreises waren am Freitagabend im Einsatz.

Die Schießerei im Olympia-Einkaufszentrum am Freitagabend, bei der ein 18-jähriger Amokläufer neun Menschen und anschließend sich selbst tötete, hat Spuren und Fassungslosigkeit im Landkreis hinterlassen.

Oberschleißheim trauert um Dijamant Z., 20, der in dem Ortsteil Lustheim zuhause war. „Das war mein Sohn“, sagte Dijamants Vater Naim Z. am Samstag vor dem Olympia-Einkaufszentrum vor laufenden Kameras und zeigte dabei Journalisten und Fotografen das Bild seines getöteten Sohnes. In dieser Woche hätte dieser seinen 21. Geburtstag gefeiert. „Viel zu früh aus dem Leben gerissen“ wurde er, meldet das Team der Jugendfreizeitstätte Planet O, wo Dijamant Z. viel Zeit verbrachte.

„Dijamant war ein lebenslustiger und sportlicher Junge“

Seine Clique aus dem Jugendzentrum und viele andere, die ihn kannten, haben am Sonntag Blumen für Dijamant am OEZ niedergelegt, dazu hatte für 16 Uhr Planet-O-Leiter Deniz Dadli eingeladen. Auch Bürgermeister Christian Kuchlbauer, die Geistlichen Martina Buck und Ulrich Kampe und einige Gemeinderäte kamen zum OEZ. „Dijamant war ein lebenslustiger und sportlicher Junge“, sagt Deniz Dadli mit Tränen in der Stimme. Viele Jahre sei er ins Jugendzentrum gekommen. „Die Betroffenheit der Jugendlichen ist groß, wir mussten gestern viel viel reden und werden uns auch in den nächsten Tagen viel Zeit nehmen.“

Rathauschef Kuchlbauer hat außerdem auf der Homepage der Gemeinde einen Spendenaufruf veröffentlicht. Denn Dijamant Z., der aus dem Kosovo stammt, soll bereits heute in seine Heimat überführt und dort beigesetzt werden. Diese Überführung kostet mehrere tausend Euro.

Groß ist das Entsetzen auch in Unterhaching. Die Mittelschule trauert um einen ihrer Schüler und einen talentierten Fußballer. Can L., 14, aus München, verlor ebenfalls bei dem Amoklauf sein Leben. Der 14-Jährige besuchte die Leistungssportklasse der Mittelschule Unterhaching. Daraufhin wurde die Abschlussfeier der Jugendolympiade des Landkreises abgesagt, die dort am Samstag hätte stattfinden sollen. „Wir sind alle sehr betroffen und können dieses Unglück nicht fassen“, schreibt Rektorin Christa Glasl für die Schulfamilie auf der Internsetseite der Mittelschule. Groß ist die Bestürzung auch in den sozialen Medien. Ein enger Freund von Dijamant Z. hat eine Trauerseite auf Facebook für den Oberschleißheimer eingerichtet, unzählige Kommentare finden sich dort. Auch an Can L. richten Freunde, Angehörige und Trauernde Worte des Abschieds: „Es ist so grauenvoll, dass ein Mensch mit nur 14 Jahren sterben muss.“ 

Auch Landrat Christoph Göbel (CSU) ist entsetzt. Sein Neffe, der sich zum Zeitpunkt der Schießerei im OEZ befand, informierte ihn per Handy über die Ereignisse. Als Göbel wusste, dass sein Neffe in Sicherheit ist, war seine größte Sorge: „Dass eine große Panik ausbricht und die Lage unkontrollierbar wird.“ Für ihn ist es wichtig, aus der Tat zu lernen, „wieder mehr aufeinander Acht zu geben“. Er wünscht sich vor allem, „dass wir näher zusammenrücken“.

Eine große Solidarität ist den Gemeinde des Landkreises zu spüren 

Eine große Solidarität ist in den Gemeinden des Landkreises spürbar. Nicht nur Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Auch die Gemeinde Haar ist „in Gedanken bei all denen, die von der Bluttat direkt oder indirekt betroffen sind“, heißt es auf der Facebook-Seite der Kommune. „Wir danken allen Einsatzkräften. Wir sind unendlich froh, Menschen wie euch zu haben. Minga – Haar ist bei Dir.“

Dieser Dank gilt auch zahlreichen Einsatzkräften der Polizei, Feuerwehr und des BRK aus dem Landkreis, die am Freitag Seite an Seite mit ihren Kollegen aus München arbeiteten. Insgesamt zehn Feuerwehren aus der Region waren im Einsatz. Die Feuerwehren aus Unterschleißheim, Oberschleißheim, Taufkirchen, Feldkirchen und Gräfelfing leuchteten zum Beispiel den Landeplatz für die vielen Hubschrauber aus, die für Personenrettungen bereitstanden oder Einsatzkräfte der Polizei und Spezialeinheiten einflogen. Auch alle Polizisten aus dem Landkreis wurden um 19 Uhr alarmiert. „Ich bin stolz auf meine Kollegen und ziehe den Hut vor so viel Engagement“, zollt Grünwalds Inspektionsleiter Andreas Aigner den Kräften Respekt. Er selbst war für den Raumschutz eingeteilt, um sensible Bereiche wie den Bundesnachrichtendienst gegen eine Gefahr abzusichern. Im Einsatz waren ebenso 140 Retter des BRK-Kreisverbands München, hinzu kamen 120 weitere in Bereitschaft. 

Trotz des nächtlichen Einsatzes entschied sich die Freiwillige Feuerwehr Unterschleißheim, den Tag der offenen Tür am Samstag wie geplant stattfinden zu lassen. Angepfiffen wurde auch die Partie der SpVgg Unterhaching gegen den VfR Garching im Sportpark. „Das ist immer ein zweischneidiges Schwert“, sagt SpVgg-Präsident Manfred Schwabl. Hinzu kam, dass bis 11 Uhr am Samstag nicht klar war, ob die Polizei eine Sicherung des Spiels personell überhaupt leisten kann. Dies klappte. Im Sportpark setzten der Bayerische Fußball-Verband (BFV) und die SpVgg Unterhaching dann ein Zeichen. Vor dem Anpfiff gab es eine Schweigeminute, Arm in Arm standen viele oberbayerischen Jugendmannschaften, die der BFV zur Ehrung der Meister Oberbayerns eingeladen hatte, im Mittelkreis und gedachten zu den Klängen der deutschen Nationalhymne der Opfer. BFV-Präsident Koch sagte: „ Die Fußball-Familie wird demonstrieren, dass sie eng zusammensteht.“ Und Schwabl meint: „Die Geste vor dem Spiel war für mich genau das Richtige und ist der Situation gerecht geworden.“

Viele Veranstaltungen werden wegen des Amoklaufs abgesagt

Der FC Unterföhring entschied sich hingegen dazu, sein Heimspiel am Samstag abzusagen. Ebenso wie zahlreiche weitere Veranstaltungen am Wochenende im Landkreis ausfielen. Die Mitglieder der Jungen Union in Höhenkirchen Siegertsbrunn wollten am Freitagabend eigentlich ein Sommerfest feiern. Doch daran war nicht mehr zu denken. Auch die Birker Burschen aus Unterhaching sagten das geplante Sommerfeuer am Samstagabend ab, gleiches galt unter anderem für den Kultursommer in Ottobrunn und das Elektro-Open-Air „Back To Woods“ in Garching. 

Während an vielen Orten im Landkreis betretene Stille herrschte, stand bei Hermann Saur aus Taufkirchen das Telefon selten still. „Bei uns herrscht Hochbetrieb“, sagt der Leiter der Notfallseelsorge der Erzdiözese München und Freising, der auch beim Kriseninterventionsteam in München arbeitet. Er war am Freitag unter anderem am Stachus im Einsatz, sah „Menschen um ihr Leben rennen“ und begleitete am Samstag den ganzen Tag am OEZ Trauernde. Dabei geht es nicht immer darum, Worte für ein Erlebnis zu finden, das sich nicht in Worte fassen lässt. Sondern darum, „gemeinsam diese Sprachlosigkeit auszuhalten“. Und den Trauernden dabei zu helfen, mit dieser Tragödie leben zu lernen.

Lesen Sie hier einen Kommentar von der stellvertretenden Merkur-Lokalchefin Patricia Kania.

Video: Gedenkminute vor dem Spiel der SpVgg Unterhaching gegen den VfR Garching

rat/icb/nine/pk

Janine Tokarski

Janine Tokarski

E-Mail:janine.tokarski@merkur.de

Charlotte Borst

E-Mail:Charlotte.Borst@merkur.de

Patricia Kania

Patricia Kania

E-Mail:Patricia.Kania@merkur.de

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