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Verzweifelt: Agnieszka Sudol weiß nicht, wie es weitergehen soll.

Wohnung in Haar muss bis Ende Juni geräumt werden

Rauswurf aus der Wohnung: Mutter verzweifelt

Haar – Agnieszka Sudol (43) ist verzweifelt: Bis Ende Juni müssen sie und ihre beiden Kinder die Wohnung räumen. Eine neue ist nicht in Sicht. Eine bittere Folge fehlender Sozialwohnungen.

Agnieszka Sudol (43) gibt sich viel Mühe, ihre Verzweiflung vor ihren Kindern zu verbergen. Aber das ist eine enorme Kraftanstrengung für die Altenpflegerin – und die Kraft geht ihr nach Jahren der Sorge langsam aus. Denn seit der Scheidung von ihrem Mann im September 2014 muss sie nicht nur um jeden Cent kämpfen, sondern auch um ihre Wohnung am Jagdfeldring in Haar. Diesen Kampf hat sie nun verloren. 

Denn der Vater ihrer zwei Kinder, einer fünfjährigen Tochter und einem 20-jährigen Sohn, hat nach der Scheidung ohne ihr Wissen die ehemals gemeinsame Wohnung (77 Quadratmeter, 950 Euro inklusive Nebenkosten) gekündigt. 

Möglich war dies, weil die damalige Anwältin von Agnieszka Sudol während des Scheidungsverfahrens keinen Antrag auf Zuweisung der ehelichen Wohnung gestellt hatte. Der Ex-Mann nutzte die wenigen Tage, bevor die Anwältin den Antrag stellte, und kündigte. Das konnte er, weil er allein im Mietvertrag stand. Vor eineinhalb Jahren war Agnieszka Sudol aber noch zuversichtlich, dass sie eine neue Bleibe finden würde. 

Sie unterschrieb einen Vergleich mit der Vermieterin, die ihr sieben Monate Zeit ließ, eine neue Wohnung zu finden. Ein schwerer Fehler. Denn so hatte sie keine Chance mehr, die Kündigung im Nachhinein per Gericht kippen zu lassen. 

Das Amtsgericht München verurteilte sie vor sechs Wochen zur Räumung – bis einer Frist bis zum 30. Juni. Danach steht Agnieszka Sudol mit ihren Kindern auf der Straße. Eine neue Wohnung fand sie bislang nicht. „Alleinerziehende mit geringem Einkommen haben in München und Umgebung sehr schlechte Karten, weil es günstige Wohnungen auf dem freien Markt kaum gibt“, bedauert Mietervereins-Sprecherin Anja Franz. 

Ein Problem, von dem viele im Landkreis betroffen sind. Agnieszka Sudol arbeitet wegen ihrer kleinen Tochter nur halbtags, ihr Lohn wird aufgestockt. Da sie in Haar wohnt, kann sie in München keine Sozialwohnung beantragen. Auf die müssen Mieter lange warten. 

Unter der Brücke schlafen muss die Familie Sudol nicht, davor schützt sie das Gesetz. Droht Wohnungslosigkeit, ist die Gemeinde, in der der Betreffende lebt, verpflichtet, für eine vorübergehende Unterbringung zu sorgen. Sudol ist seit knapp einem Jahr in Kontakt mit der Gemeinde Haar wegen einer Sozialwohnung, momentan ist aber keine frei. 

Deshalb wird die Kommune sie wahrscheinlich zunächst in einer Pension oder einem Hotel unterbringen müssen. Ein Obdachlosenheim gibt es in Haar nicht. Rechtlich könnte die Gemeinde sogar die betreffende Wohnung beschlagnahmen und die Ex-Mieter dort einweisen. Damit wird aber kein neuer Mietvertrag geschlossen, sondern ein öffentlich-rechtliches Rechtsverhältnis zwischen dem Räumungspflichtigen und der Behörde begründet. „Die Betroffenen haben deshalb auch keinerlei Rechte gegenüber der Behörde oder dem Vermieter, die ihnen sonst als Mieter zustehen würden“, sagt die Mietervereinssprecherin. 

Agnieszka Sudol gibt nicht auf: „Ich muss doch irgendwann auch mal wieder Glück haben und eine neue Bleibe für mich und meine Kinder finden."

Susanne Sasse

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