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Nähmaschinen-Freestyle-Jazz: Stephanie Müller (l.) und Lisa Simpson sind Textil-Künstlerinnen. Sie machen Musik mit Näh- und Schreibmaschinen.

Projekte und Ideen

Zamma-Festival: So kreativ ist Haar

Haar - Das Kulturfestival Zamma, das 2017 in Haar über die Bühne geht, nimmt langsam Gestalt an. Bei der ersten Arbeitskreissitzung stellen rund 50 kreative Menschen ihre Ideen vor.

Im Rampenlicht auf der Bühne des Haarer Bürgersaals lässt Lisa Simpson mit ihrem linken Fuß das Becken klirren und mit ihrem rechten die Nähmaschine rattern. Der Faden läuft durch eine Art Geigenkopf zu einer silbernen Spirale entlang zum Stoff. Lisa Simpson, die wirklich so heißt, erzeugt dadurch so etwas wie Nähmaschinen-Gitarrensound. Daneben haut Stephanie Müller in die Tasten einer Schreibmaschine, die an einem Verstärker angeschlossen ist, und singt dazu. Die beiden Textil-Künstlerinnen bilden mit ihrem Song, der rund zehn Minuten dauert, den Auftakt zur ersten Arbeitskreissitzung für das Zamma-Festival in Haar. Das Genre „Näh-Schreibmaschinen-Freestyle-Jazz“ muss zwar erst noch erfunden werden. Aber genau darum geht es an diesem Abend im Haarer Bürgerhaus, nämlich um das gemeinsame Entdecken neuer innovativer Kulturprojekte. 

Rund 50 kreative Menschen sind gekommen. Sie alle haben Ideen für das Oberbayerische Kulturfestival Zamma, das im Juli 2017 in Haar stattfindet. Nach dem Ideentag Anfang April ist das die erste von zwei Arbeitskreissitzungen. Ideen für Zamma sollen vorgestellt und konkretisiert werden. Der Bezirk Oberbayern, die Gemeinde Haar und der Bezirksjugendring stellen insgesamt mehr als 200 000 Euro für das Festival zur Verfügung. Davon sind 50 000 Euro nur für die Realisierung der Projekte gedacht. Festival-Leiterin Petra Kellermann sagt: „Zamma ist ein Mitmach-Festival.“ Und die Haarer machen mit.

In zwei Stunden entstehen viele spontane Partnerschaften

Die Pinnwand der Gruppe Soziales ist voll mit Ideen.

In rund zwei Stunden entstehen unzählige spontane Partnerschaften zwischen Vereinen, Organisationen aber auch Privatpersonen: Die Nachbarschaftshilfe mit der Mittelschule, das Psychiatrie-Museum am kbo-Isar-Amper-Klinikum mit dem Kleinen Theater oder das THW mit dem Netzwerk Musiker ohne Grenzen – sie alle wollen gemeinsam etwas in Haar starten. Zamma geht zwar erst offiziell in gut einem Jahr über die Bühne. Aber begonnen hat das inklusive Festival, dessen Ziel es ist, Leute verschiedener Generationen zusammenbringen, spätestens an diesem Abend im Haarer Bürgerhaus.

Nach dem Auftakt der Näh-Musikerinnen haben sich die Teilnehmer in drei Gruppen aufgeteilt: Kultur, Soziales und Jugend. Die meisten, rund 25 Menschen, sitzen in der Kultur-Gruppe. Zu Beginn ist man ein wenig schüchtern und ziert sich, seine Ideen vorzustellen. Petra Kellermann ermutigt, indem sie sagt: „Alles macht Sinn.“ Am Ende hängen zwölf mögliche Kulturprojekte an einer Pinnwand. Peter Juhas zum Beispiel, der Veranstaltungstechniker ist, möchte die Geschichte der Gemeinde Haar anhand einer Lasershow nacherzählen. Eine andere Idee ist ein Theaterstück, das an mehreren Stationen in Haar stattfinden soll und bei dem die Zuschauer selbst mitspielen können, wenn sie wollen. Das kleine Theater ist dabei involviert. Jenny Parrejo Marin, die einen Second Hand Laden betreibt, findet das so gut, dass sie dazu die Kostüme beisteuern möchte.

"Sounds of Haar - Wie klingt Haar für mich?" 

Gemeinsam Projekte entwickeln: In Arbeitsgruppen stellen die Teilnehmer ihre Ideen vor. Dabei entstehen oft spontane Partnerschaften.

Bei der Gruppe Soziales sitzen zwar weniger Teilnehmer, aber dafür ist auch dort die Wand vollgepinnt mit bunten Kärtchen: Darauf stehen Dinge wie: „Ausstellung mit Bilder, gemalt von Demenzkranken“, „ein Hinterhofflohmarkt“ oder „Sounds of Haar – Wie klingt Haar für mich?“ Musik ist auch bei der Jugendgruppe ein Thema. Topher Lack (19) aus Anzing zum Beispiel würde gerne Musik-Workshops für Menschen organisieren, die nur wenig Deutsch sprechen, also zum Beispiel Flüchtlinge. Lack ist Mitglied bei Musiker ohne Grenzen, einem weltweiten Netzwerk kreativer Musikprojekte. Er hat in Ecuador Musikunterricht gegeben. Er spricht zwar kein Spanisch, sagt er. „Aber man kann sich wunderbar auf Musik unterhalten.“ Ähnliches schwebt ihm für die Zamma-Workshops vor. „Je größer die Sprachbarriere, desto besser“, sagt er. In Julia Ascher vom THW München-Land findet der Musiker sogleich eine Mitstreiterin. Sie möchte für Zamma eine Brücke bauen über ein Gewässer in Haar. Beim Richtfest, so der Plan, könnte Lack mit anderen Musikern auftreten. 

Dass die Kreativität an diesem Abend wirklich keine Grenzen kennt, zeigt die Idee der Nähkünstlerinnen. Stephanie Müller und Lisa Simpson erzählen nach ihrem Auftritt, sie würden gerne die Kostüme für ein Theaterstück nähen. Den Herstellungsprozess wollen sie musikalisch aufnehmen und das Ganze dann für Zamma veröffentlichen.

Wie es mit Zamma weitergeht

Die nächste Arbeitskreissitzung findet statt am 22. September um 19 Uhr im Bürgerhaus. Jeder ist eingeladen und kann seine Idee vorstellen. Dabei ist egal, ob man an der ersten Arbeitskreissitzung oder am Ideentag teilgenommen hat. Neueinsteiger können dazustoßen. Bei der Arbeitskreissitzung erhält man auch Bewerbungsunterlagen. Einsendeschluss ist der 17. Oktober. Das Festival-Team teilt Mitte Dezember mit, welche Ideen umgesetzt werden dürfen.

rat

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