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Fein säuberlich signiert Lisa Frei ihre Bücher für die Besucher der Lesung im Pfarrheim. Zur Veranstaltung in Ismaning ist sie extra aus England angereist, wo sie seit mehr als 50 Jahren lebt.

Erinnerungen an das Krautdorf

Aufgewachsen in Ismaning: Lisa Frei (81) erinnert sich

Ismaning - Mehr als 50 Jahre lebt Lisa Frei (81) mittlerweile weit weg von ihrem Geburtsort Ismaning, aber bayerisch sprechen kann sie noch immer. Für die in England lebende Auswanderin war es ein Genuss, wieder im heimatlichen Dialekt sprechen zu können. Im evangelischen Pfarrheim stellte sie ihr Buch „Die Straße der Gebirgsjäger“ vor, in dem sie auf Englisch und Deutsch festgehalten hat, wie die Ismaninger und die selbst den Zweiten Weltkrieg erlebt haben.

 1935 als Elisabeth Huber in Ismaning geboren, wanderte sie nach dem Krieg, im Jahr 1962, aus Richtung England, um eine neue Sprache zu lernen. Dort heiratete sie einen Schweizer und lebt heute in der Nähe ihres Sohnes bei Nottingham. „Dorthin kommen viele Deutsche, aber nie jemand aus Bayern“, scherzte die rüstige Rentnerin. Ihre Karriere als Buchautorin begann 1993 mit dem Tod ihres Mannes. Weil die eigenen Kinder fast nichts wussten über ihre Herkunft, die Wurzeln der Familie in Ismaning und die schweren Zeiten während des Zweiten Weltkriegs schrieb sie ihre Erlebnisse nieder. In Englisch. 2014 kam das Buch auf den Markt und verkaufte sich gut mit ein paar Hundert Exemplaren. Dieses Buch schickte sie dann als Geschenk nach Ismaning an Maria Riesinger (80), ihre Cousine dritten Grades. „Mit dem Buch bin ich dann direkt zum Schlossmuseum zu Frau Heinz gegangen“, sagte Maria Riesinger. So brachte sie den Stein ins Rollen. Christine Heinz nämlich war begeistert und beauftragte ihre Mitarbeiterin Hannelore Schatz, ein Exemplar für das Museum zu besorgen. Und schnell kam die Idee auf, dieses Juwel Ismaninger Geschichte in die deutsche Sprache zu übersetzen. Das machte Lisa Frei ganz alleine und die als Übersetzerin arbeitende Hannelore Schatz fungierte lediglich als Lektorin. Sie kann allen Ismaningern das Buch wärmstens empfehlen: „Ich war sehr beeindruckt über den Zusammenhalt in der Familie, die mit wenig über die Runden gekommen ist. In den Erzählungen ist auch der gewisse Widerstand gegen das Regime spürbar.“ Die 50 Exemplare, die bei der Buchvorstellung im evangelischen Pfarrzentrum auslagen, waren nach wenigen Minuten vergriffen. Dazu erzählte Lisa Frei selbst. Sie erinnert sich an vieles sehr genau: So denkt sie oft an die Worte ihres ehemaligen Chefs bei der Schuhcreme produzierenden Firma „Loichinger“: „Gehen Sie nach England. Dort lernen Sie Demokratie, kommen zurück und unterrichten es hier.“ Die Autorin erzählte von ihren Brüdern im Krieg. Einer wurde in Nordfinnland stationiert, um dort eine Straße nach Russland zu bauen. Diese bekam von den Soldaten den Namen „Die Straße der Gebirgsjäger“ – und dient jetzt als Buchtitel. Der andere war in Russland im Krieg, wurde dort verwundet und von Benny Off gerettet. Der Fast-Nachbar aus Ismaning schleifte ihn zum Sanitäter: „Bringen Sie ihn durch. Der wohnt in der gleichen Straße wie ich.“ Der Bruder überlebte den Krieg, während sein Retter beim Rückzug erschossen wurde. Das Buch ist voll mit menschlich bewegenden Geschichten. Lisa Frei ist groß geworden an der Isaraustraße. Wo damals Hausnummer 13 hing, ist heute Haus 39. „Zu meiner Zeit war Ismaning viel kleiner“, sagte sie im Pfarrheim. Sie hat ihre Heimat nie vergessen und ist erstaunt, dass aus dem Dorf von einst beinahe schon eine kleine Stadt entstanden ist. Eine Entwicklung, die sie immer wieder beobachtet hat, etwa wenn sie zu Klassentreffen anreiste. Mit ihrem Buch möchte Lisa Frei den Menschen vor allem diese Botschaft hinterlassen: „Ein Krieg ist barbarisch. Menschen leiden und sterben. Es gibt keinen Grund, Kriege zu führen.“

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