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Ist an Board: Daniya Hussein aus Unterföhring wird Flugbegleiterin, so wie Doris Haferkorn (l.) und Teresita Ballis.

Lufthansa-Casting lockt Hunderte an

Unterföhringerin (21) bekommt das Ticket zum Traumjob

Ismaning - Die Lufthansa macht auf Heidi Klum und lädt zum Casting ein – für Flugbegleiter. Dass die Arbeit über den Wolken gerade für viele Frauen noch ein Traumjob ist, zeigt sich in Ismaning, wo Hunderte dem Aufruf folgen.

Es ist genau wie bei den Topmodels von Heidi Klum – nur dass Heidi Klum hier Claudia Grübel heißt und statt eines sündteuren Kleidchens eine Lufthansa-Uniform trägt. Um sie herum drängt sich ein halbes Dutzend junge Frauen, auf ihren hübschen Gesichtern ist das Make-up reichlich und sorgsamst verteilt, die Frisuren sitzen ebenso perfekt wie die Outfits – nur Tätowierungen sucht man vergebens. Doch dazu später. Zunächst zu Daniya Hussein, 21, aus Unterföhring. Wie bei den anderen klebt auch ihr banger Blick auf den Lippen von Heidi Klum alias Claudia Grübel, die gleich verkünden wird, wer dieses Casting erfolgreich bewältigt hat. Für Daniya Hussein könnte sich ihr „größter Wunsch“ erfüllen, wie sie sagt. „Seit ich 13 bin, träume ich davon.“ Entsprechend nervös knetet sie nun ihre Hände, die Unterlippe zittert, die dunklen Augen glänzen. Und gerade, als Claudia Grübel das Wort ergreift, schießen Tränen hervor. Eine Stunde zuvor hat sich Daniya Hussein in die Schlange vor der „Ziegelei 101“ in Ismaning eingereiht. In dem roten Backsteinbau hat Heidi Klum schon nach Kandidatinnen für „Germany’s Next Topmodel“ Ausschau gehalten. Heute findet erneut ein Casting statt – doch diesmal ist das Ziel nicht der Laufsteg, sondern die Lüfte. Die Lufthansa sucht auf diesem Wege nach Flugbegleitern, und der Andrang ist enorm: An beiden Tagen werden je rund 250 Bewerber eingelassen; zig weitere weisen die Veranstalter ab – aus Kapazitätsgründen.

Die Teilnehmer brauchen weder Zeugnis noch Lebenslauf, sondern nur einen Personalausweis. „Wir haben die Eintrittshürden bewusst ganz heruntergesetzt“, sagt Klaus Jacobsen. Er ist hier der Chef-Organisator und hat das Casting federführend für die Lufthansa entwickelt. „Auf diesem Wege würden wir keine Piloten suchen“, sagt er. Aber bei Flugbegleitern, wo es vor allem auf den persönlichen Eindruck und auf das Auftreten ankomme, habe man damit bislang „sehr gute Erfahrungen“ gemacht, erzählt Jacobsen.

Hintergrund der Castings ist der große Personalbedarf: Binnen einen Jahres will die Lufthansa 1400 Flugbegleiter einstellen, davon 600 in München. „Nur über unser Online-Verfahren hätten wir nicht genug Bewerbungen reinbekommen“, sagt Jacobsen. „Deshalb haben wir in mehreren Städten zu solchen Castings eingeladen.“ Die Erfolgsquote sei überall ähnlich: Etwa dreißig Prozent der Bewerber unterschreiben noch am gleichen Tag einen Ausbildungsvertrag. Wobei sich diese Zahl nur auf jene Kandidaten bezieht, die die Grundvoraussetzungen erfüllen – und diese werden in Ismaning mittels eines Fragebogen direkt am Eingang abgeklopft. Neben der richtigen Größe (1,60 bis 1,95 Meter) und einem Reisepass ohne Einschränkungen braucht man einen Schulabschluss, muss Schwimmen können sowie fließend Deutsch und Englisch sprechen. Ach ja: Sichtbare Tattoos und Piercings sind ein Ausschlusskriterium. Für Daniya Hussein ist diese erste Hürde ein Klacks; kurz darauf sitzt sie einem Lufthansa-Personaler zum Interview gegenüber – auf Englisch. Ihr Gegenüber versucht vor allem, ihre Motivation abzuklopfen. Danach heißt’s warten und zittern, ehe die Absage kommt – oder, wie bei Hussein, die nächste Runde. Sie ist das Herzstück des Verfahrens: ein Gespräch mit einem Psychologen, der die Servicekompetenz und die Belastbarkeit des Bewerbers prüft, meist mit Rollenspielen.

All dies haben Daniya Hussein und die fünf anderen hinter sich gebracht – nun folgt das „große Finale“, wie es im Topmodels-Jargon heißt. Die sechs jungen Frauen entsprechen übrigens alle dem typischen Bewerberprofil bei solchen Castings: Gut 80 Prozent seien weiblich, sagt Klaus Jacobsen, und die meisten zwischen 18 und 22 Jahre alt. „Ich darf...“, setzt nun also Claudia Grübel an, während sich Daniya Hussein verstohlen die Tränen aus dem Gesicht wischt, „… Sie alle begrüßen im Team der Deutschen Lufthansa“. Es folgen spitze Freudenschreie, soeben noch fremde Frauen liegen sich in den Armen, und bei Daniya Hussein fließen weitere Tränen. Tränen der Freude.

Patrik Stäbler

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