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Großer Raum für große Gedanken: Johnny Koch zeigt seine Arbeiten im Bürgerhaus Unterföhring.

Ausstellung im Bürgerhaus Unterföhring

Der Kratzer in der Motorhaube

Unterföhring - Im Bürgerhaus ist es bunt. Lackierte Leinwände und bemalte Motorhauben des Künstlers Johnny Koch hängen im Foyer. Durch ein circa 14 Quadratmeter großes Plakat mit dem Schriftzug „Instinctive“, will der gebürtige Hesse etwa auf die instinktiven Entscheidungen der Menschen im Alltag aufmerksam machen.

Seine Arbeiten werden momentan unter dem Namen „Showtime“ im Bürgerhaus Unterföhring ausgestellt. Besonders außergewöhnlich sind seine bemalten Motorhauben. „Ich hole Gegenstände, die bereits dem Abfall geweiht sind und eine Geschichte haben, wieder zurück“, erklärt er. Der Künstler gibt ihnen eine zweite Verwendung. Er kauft die alten Motorhauben vom Schrottplatz und bearbeitet sie. Dadurch wird auch der Fokus der Hauben verschoben: Normalerweise sollen sie kratzerfrei und sauber sein. Koch macht genau das Gegenteil: Er lackiert die Hauben, ritzt sie mit einer Schleifmaschine an oder beklebt sie mit speziellen Buchstaben. „Ich gehe die Sache verkehrt herum an.“ Durch seine mit Schriftzügen versehenden Werke versucht Koch unausgesprochenen Dinge und Worte des Alltags zu finden. Er erklärt, dass viele Eindrücke im alltäglichen Leben unterbewusst aufgenommen werden. Diese Eindrücke existieren, aber sind im Gedächtnis jedes Menschen verschollen. „Wir nehmen so viel auf, dass wir es gar nicht ordnen können“, sagt Koch. Er bringt die durch den Alltag zugedeckten Empfindungen wieder zum Vorschein, er macht das Unbewusste zum Bewussten. Der 34-Jährige betont außerdem, dass sich seine Arbeiten erst im Auge des Betrachters vervollständigen: „Ich gebe etwas vor und der Betrachter bringt es zu Ende.“ Die einzelnen Wörter, aus denen seine Schriftzüge bestehen, sammelt Koch im Alltag. Etwa kommen die Ausdrücke in einem Gespräch oder in Songtexten und Untertiteln vor. Er notiert sie, fertigt eine Liste an und entscheidet später, welche Wörter gut zusammen passen. Auf die Idee der textbasierten Kunst (engl. „text-based-art“) kam der 34-jährige nach zwei langen Aufenthalten in Finnland und Amerika. In Finnland sprach er Englisch um sich zu verständigen und in Amerika inspirierten ihn die „Billboards“ an den Highways, die großen Leinwände mit kurzen Werbeslogans. Ihm gefiel die Wirkung dieser Plakate.

Nur Englisch

Koch arbeitet ausschließlich mit der englischen Sprache: „Im Englischen gibt es viele Wörter. Es bietet mehr Spielraum an als andere Sprachen, da ein Ausdruck mehrere Bedeutungen haben kann“, betont Koch. Künstler zu werden, beschloss Koch als Jugendlicher. Ihm gefiel das selbstbestimmte Leben von Künstlern. Seinen Hang zum Musischen wurde von seiner Mutter geprägt: „Sie interessierte sich schon immer für die Kunst, somit hatte ich schon früh einen Zugang dazu.“ Vor seinen Textarbeiten war Koch eher ein figürlicher Maler, er malte hauptsächlich Gegenstände und Stillleben. Seit ein paar Jahren hat sich der 34-Jährige auf die Arbeiten mit Schriftzügen spezialisiert. Es wird auch in Zukunft Hauptbestandteil seiner Arbeit sein: „Ich fühle mich in diesem Gebiet wie ein Teenager und werde mich noch viel mit der Textarbeit beschäftigen.“

Josephine Bruhn

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