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Keine Angst vor den Pointen des Preisträgers muss Unterföhrings Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (Mitte) haben. Mathias Richling widmet sein Kabarettprogramm in erster Linie den Großen der Politik. Die Preisverleihung mit Kulturamtschefin Barbara Schulte-Rief verläuft daher durchaus fröhlich.

Publikumspreis "Unterföhringer Mohr" geht an Mathias Richling

Unterföhring - Den „Unterföhringer Mohr“ für 2014 hat im Bürgerhaus der bekannte, vielfach ausgezeichnete Kabarettist, Mathias Richling (63), bekommen. Die Ehrung auf der Bühne im großen Festsaal nutzte der Württemberger, um das Publikum mit einer Darbietung seines jüngsten Programms zu erfreuen:„Richling spielt Richling“.

Dass es ihm dabei mal wieder darum ging, Politiker aufs Korn zu nehmen, lässt der Untertitel erahnen: „Prognosen auf Rückblicke!“ Das klingt so verschwurbelt, das kann nur etwas Politik zu tun haben. Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU), der den Publikumspreis gemeinsam mit Kulturamtsleiterin, Barbara Schulte-Rief, überreichte, blieb dennoch gelassen. Richling zielt in der Regel auf die Großen in der Politik. Kemmelmeyer übergab den von der Ismaninger Bildhauerin Margit Festl aus schwarzem Marmor gefertigten Mohren. Im Jahre 2008 hatte sich der Gemeinderat entschieden, Unterföhring mit einem Publikumspreis zu einigem Glanz in der Branche zu verhelfen. Am Ende eines Kulturjahres sind die Zuschauer als Juroren aufgerufen, Entertainer und ihre Shows zu benoten. Mit großem Abstand gewann Mathias Richling 2014 den mit 4000 Euro dotierten „Unterföhringer Mohr“.

Dass seitdem einiges an Zeit vergangenen ist, ließ der Kabarettist, Satiriker und Parodist natürlich nicht unkommentiert. Irgendwas mit mahlenden Mühlen, oder so. Und einer Bemerkung über Alfred Hitchcock und einem „vergleichbaren Preis“: Den Oscar, lästerte Richling. Jedenfalls vergaß er nicht, sich brav zu bedanken. „Publikumspreise sind die ehrlichsten.“ Und Bürgermeister Kemmelmeyer, wie gesagt, war froh, nur Kommunalpolitiker zu sein.

Ganz gegen seine Gewohnheit kam Richling, der als Freund opulenter Bühnenbilder gilt, diesmal mit einem einzigen Stuhl auf der Bühne aus. Dieser stand vor dem Vorhang. Dahinter verbarg sich eine Sammlung von Sitzgelegenheiten in Schwarz-Rot-Gold.

Das muss man sich dann so vorstellen: Über einem schwarzen Stuhl etwa hing ein blassroter Blazer der Art, wie ihn nur Kanzlerin Merkel trägt. Richling dahinter mit Merkel-Raute. Der Kabarettist schlüpft gern in weibliche Figuren. Nicht weit entfernt ein roter Stuhl für SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Eine rote Fliege unterm Kinn räumt letzte Zweifel aus, wer gemeint sein könnte. Alle bekamen sie ihr Fett weg, von Peer Steinbrück über Norbert Blüm und sein legendäres Rentenversprechen, von SPD-Ministerin Andrea Nahles bis zu Ex-Kanzler Kohl. Den Kohl in seinem Lehnstuhl hat Richling prima drauf. Bloß die Körperfülle fehlt und die eigentümliche Form seines Schädels. „Ich wollte Kanzler werden oder gar nichts“, lispelt Kohl. „Beides hat er geschafft“, applaudiert Richling. Besser nur als den Ex-Kanzler kann Richling den Hektiker, seine Paraderolle. „Rede ich zu schnell?“, fragt er ins Publikum, ständig ein Wort oder eine Silbe verschluckend. Macht nichts! „Je weniger Sie verstehen, entsteht bei Ihnen eine interessante Kreativität.“ Merkwürdige Schlüsse hätten Zuhörer aus seinem Programm schon gezogen.

Ganz zu Beginn seines Programms hatte er sich den Erdogan vorgenommen. Der türkische Präsident und dessen Probleme mit Satire und Kritik – eine Steilvorlage für jeden Kabarettisten. „Zickenficker“ habe ihn dieser Kerl genannt, brüllt Richling-Erdogan, die Todesstrafe verlangend. Dabei habe er mit dieser Ziege doch nie wirklich was angefangen. „War alles platonisch...“ Wenn sich da mal nicht die nächste Klage wegen Majestätsbeleidigung ankündigt.

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