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Unterföhring hat bundesweit das innovativste Geothermie-Projekt

Deutscher Meister in Erdwärme

Unterföhring - Mit einem Bürgerfest ist die zweite Energiezentrale des Unterföhringer Geothermie-Projekts eröffnet worden: Zwei Bohr-Dubletten und zwei Energiezentralen machen die Anlage am Etzweg deutschlandweit zur leistungsstärksten und innovativsten.

2013 hatte Unterföhring einen Schritt gewagt, den viele nicht für möglich hielten: Erstmals wurde ein bestehendes Geothermie-Projekt um eine zweite Tiefenbohrung und eine zweite Energiezentrale erweitert. Damit erhöhte die kommunale Betreibergesellschaft „Geovol“ die geothermische Leistung von zehn auf 22 Megawatt. 

Saubere Energie

Nachdem das gelungen war, begann 2014 der Bau der zweiten Energiezentrale, um das zusätzliche Thermalwasser nutzbar zu machen. Das neue Gebäude beherbergt neben einem großen Konferenzraum für Schulungen, jede Menge „saubere“ Technik: In zwei Blockheizkraftwerken wird aus Gas eine Stromleistung von 600 Kilowatt erzeugt, so dass die Tiefenpumpen mit selbst erzeugtem Strom betrieben werden. Zudem gibt es eine Adsorptionsmaschine, die Erdwärme in Kälte umwandelt und benachbarte Bürogebäude mit Raumkälte kühlt. „Wir sind glücklich, dass alles gut gegangen ist und wir das Projekt erfolgreich abschließen konnten“, sagte Geschäftsführer Peter Lohr. 

Ganz Unterföhring mit Erdwärme versorgen

Das nächste Ziel ist, ganz Unterföhring mit Wärme zu versorgen. Nach dem Süden der Gemeinde soll bis 2020 auch der Norden ans Fernwärmenetz angeschlossen werden. „Wenn wir ganz fertig sind, werden über 30 000 Menschen mit geothermischer Wärme versorgt, 20 000 Arbeitsplätze und 11 500 Einwohner“, sagte Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU). 50 Millionen Euro hat Unterföhring bisher in das Projekt vergraben. 

Göbel: "Fantastische Arbeit"

Landrat Christoph Göbel (CSU) lobte „die fantastische Arbeit“ der Gemeinde: „Ich freue mich, dass man die finanziellen Ressourcen so verantwortungsvoll nutzt.“ Es sei eine „fast kulturverändernde Aufgabe“, mehr regenerative Energie zu erzeugen: „Das zeigt schon der Blick auf die Zahlen: 10 000 Tonnen CO2 wird dank der „Geovol“-Anlage jährlich eingespart, aber das benachbarte Heizkraftwerk München Nord verbraucht jährlich 2,3 Millionen CO2.“ Wie Göbel sagte, gibt es 19 Geothermie-Projekte im Landkreis München, sechs davon produzieren auch Strom. Es wurden 400 Kilometer Fernwärmeleitungen gebaut, davon 22 Kilometer in Unterföhring. Göbel hofft, dass weitere Projekte folgen werden. Kemmelmeyer forderte die Stadtwerke auf, mehr Innovation zu Gunsten des Klimas zu wagen.

Eigentlich wollte der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) nach Unterföhring kommen, sagte aber kurzfristig ab: „Geärgert hat mich, dass wir extra einen Termin gewählt haben, an dem der Minister kann“, sonst hätte man das Bürgerfest nicht an einem regnerisch kalten Oktobertag veranstaltet, sagte Kemmelmeyer. Als Gastredner sprang Erwin Knapek ein. 

Der früherer Bürgermeister von Unterhaching und heutige Präsident des Bundesverbands Geothermie erinnerte an das Wagnis einer zweiten Bohr-Dublette: „Damals hieß es: Ihr grabt euch doch selbst das Wasser ab. Dann zeigte sich, dass das Reservoir wesentlich mehr Potenzial hat als gedacht.“ Aus den Claims um München könnte das Doppelte und Dreifache an Wärme entnommen werden, sagte Knapek und gratulierte der Gemeinde: „Was mir in Unterföhring so gefällt, ist die Innovation. Ihr habt eine Super-Anlage, sie kann nicht nur Wärme und Strom, sie kann auch Kälte.“

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