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Sturmanfällig und gefährlich? Auf jeden Fall produzieren die drei Pappeln am Fuße des Schlittenbergs so viel Pappelflaum, dass einige der Anwohner die Fällung fordern.

Ortstermin bei Anwohnern in der Isarau

Zu viel Dreck: Pappeln sollen gefällt werden

Unterföhring - Zu hoch, zu viel Schatten, sturmanfällig und gefährlich: Ein 35 Meter hohes Ärgernis stellen drei Pappeln in der Isarau für einige Anwohner dar.

Die Vögel zwitschern, selten fährt ein Auto vorbei. Im kleinen Park an der Kanalstraße in Unterföhring tragen die Bäume üppig grünes Laub. Unter ihren Kronen liegt ein kleiner Spielplatz, eingebettet in den Park gegenüber dem so genannten Schlittenberg. Der ist erst in der Nachkriegszeit entstanden, als hier Bauschutt aus München abgeladen wurde. Vor dem Bau des Isarkanals hatten die Arbeiter aus den Ziegeleien, die in der sumpfigen Isarau ihre bescheidenen Siedlerhäuser bauten mit Überschwemmungen zu kämpfen. Heute ist die Isarau ein ruhiges, grünes Fleckchen und eine herrliche Wohngegend. 

„Die Häuser werden verschattet. Das ganze Jahr über fliegen Pollen, das macht viel Arbeit.“

Nun sollen die Grünflächen an der Kanalstraße überplant werden. Im Auftrag des Umweltausschuss hat Landschaftsarchitektin Margarete Waubke einige Vorschläge für Schlittenberg, Park und Spielplatz gemacht und diese am Mittwoch an Ort und Stelle Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU) und den Mitgliedern des Umweltausschusses vorgestellt. Zum Ortstermin hat Kemmelmeyer auch die Anwohner eingeladen: Sie dürfen sich an der Planung beteiligen. Ein willkommenes Angebot, das viele wahrnehmen: Rund 30 Isarauler, vorwiegend ältere Bürger, sind gekommen. 

Landschaftsarchitektin Waubke schickt voraus, dass sie „von der ökologischen Seite“ komme und sagt gleich zu Beginn: „Ich möchte nicht viel eingreifen“, hinter dem Schlittenberg beginnen schließlich die geschützten Isarau-Biotope, „nur ein paar Verbesserungen“ hält sie für richtig: Die kranken Fichten sollen entfernt und die Kuppe auf dem Schlittenberg freigelegt werden. „Denkbar sei auch, dass man eine Bank aufstellt und einen Aussichtspunkt gestaltet.“ Einige kleine Bäume auf der Wiese vor dem Hügel könnten entfernt und durch Zierobstbäume ersetzt werden. 

Der Waldrand, der sich über den Rodelhügel zieht, soll neu gefasst werden, dafür müsste ein drei bis fünf Meter breiter Saum gerodet und anschließend attraktive Sträucher und Gehölze vorgepflanzt werden. Ob die veralteten Geräte am Spielplatz durch moderne Spielgeräte oder vielleicht durch einen Kletterfelsen ersetzt werden oder ob stattdessen eine Sitzgruppe entsteht, das soll erst entschieden werden, wenn eine Altersanalyse des Wohngebiets vorliegt, schlägt die Fachfrau vor. 

„Wenn die Pappeln gefällt werden, verliert der Schlittenberg seinen Charakter.“

Grundsätzlich ist sie dafür, dass die Gemeinde die Grünpflege ausschreibt und an Landschaftsgärtner vergibt: „Ein Bauhof ist damit irgendwann überfordert.“ Gegen die drei Pappeln am Fuße des Schlittenbergs, die Ende der 50er Jahre gepflanzt und inzwischen gut 35 Meter hoch sind, hat sie keine Einwände: Sie seien „sehr dekorativ“. 

So weit so gut. Nach den kurzen Ausführungen der Expertin haben die Anwohner das Wort, und von da an dreht sich das immer munterer werdende Gespräch nur noch um die Pappeln: Die seien zu hoch, sturmanfällig und gefährlich, meint Thomas Gandl (51): „Lassen Sie mal eine der Pappeln umfallen, dann ist ein Haus kaputt.“ Ein anderer Anwohner findet: „Normalerweise gehören Pappeln dieses Alters abgeschnitten. Man könnte eine Ersatzpflanzung machen.“ Waubke verweist auf das Baumkataster, das in Unterföhring gepflegt wird. Jeder Baum ist darin erfasst und wird auf seine Bruchsicherheit hin eingeschätzt. Sie sagt: „Ich bin hier die Vertreterin der Natur.“ Optisch seien die Pappeln „wunderschön“. Und grundsätzlich sei es ja so: „Die Häuser sind nach den Pappeln gekommen.“ 

Trotzdem kommen weitere Einwände: „Die Häuser werden verschattet. Das ganze Jahr über fliegen Pollen, das macht viel Arbeit“, sagt eine Anwohnerin. Der weiße Flaum fliege in Wattewolken bis zur Bergstraße und setze sich überall fest. Ein Herr fragt, ob man nicht einen Ultraschall von den Bäumen machen könnte. „Man kann nicht jeden Baum umschneiden, der sich bei Sturm biegt“, Josef Trundt, Sprecher der Agenda 21, verteidigt die Baumriesen: „Wenn die Pappeln gefällt werden, verliert der Schlittenberg seinen Charakter. Zum Glück habe man in Unterföhring ja eine Baumverdornung“, sagt Trundt. Auch Anwohner Franz Haas (65) ist gegen eine Fällung, zumindest meint er, es müssten ja nicht gleich alle drei Bäume gefällt werden: „Wir wohnen nun mal in einer grünen Anlage, zubetoniert ist es woanders in Unterföhring.“ 

Andreas Kemmelmeyer hat Verständnis für die Anwohner: „Es geht hier um ein Miteinander, kein Gegeneinander. Ich könnte mir Ersatzpflanzungen vorstellen.“ Aber das sei seine persönliche Meinung. Die Isarauler wurden gehört. Welche Maßnahmen umgesetzt werden, entscheidet am Ende der Umweltausschuss, der sich in der schwierigen Kunst üben darf, einen Kompromiss zu finden.

icb

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