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Unterföhring: Klaus Läßing legt sein Mandat nieder

Abschied von einem Elder Statesman

Unterföhring - Für Klaus Läßing (80) war es seine letzte Rede als Gemeinderat. Viele Jahre hat er die Kommunalpolitik mitgestaltet. Seinen Platz im Sitzungssaal, direkt unter dem großen Unterföhring-Wappen, hat er jetzt verlassen.

Wie groß die Hochachtung ist, die Klaus Läßing in Unterföhring genießt, zeigt sich, als sich der Gemeinderat geschlossen erhebt und sein ältestes und erfahrenstes Mitglied mit Standing Ovations verabschiedet. 

Wenn Klaus Läßing im Gremium das Wort ergriff, wurde es interessant: Immer sachlich begründet, immer unverblümt kämpfte er für seine Ziele und sagte seine Meinung, und die war manchmal unbequem, auch für die eigenen Parteifreunde der PWU. Der gebürtige Hamburger hielt flammende Plädoyers gegen die Umweltverschmutzung durch das Heizkraftwerk, für den Naturschutz am neuen Baggersee oder für ein Hallenbad in Unterföhring. 

Sein Vertrauen zu bekommen, sei schwer, doch wer es einmal genieße, könne sich dessen sicher sein, erzählen Menschen aus seiner Umgegung. Für Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU) war es daher wohl ein besonderer und auch trauriger Moment, als er die Amtskette umlegt und Klaus Läßing, der nicht nur sein Parteikollege, sondern auch sein ehrlichen Freund geworden ist, mit Tränen in der Stimme verabschiedet. „Er verlässt das Gremium nicht im Groll, sondern aufgrund seines Alters“, sagt der 30 Jahre jüngere Kemmelmeyer. Er dankt seinem Freund Klaus für „die konstruktive Kritik auf Augenhöhe“ und erklärt: „Ich freue mich auf deine Anregungen.“ 

Klaus Läßing war bis 2002 Bürgermeister, erst zwei Amtszeiten für die SPD, die ihn Mitte der neunziger Jahre nicht mehr aufstellte, danach gewann er mit der PWU seine dritte Wahl. Die Ansiedlung der Allianz und der Bau des S-Bahntunnels liefen über seinen Schreibtisch. Als Pensionär ließ er die aktive Kommunalpolitik ruhen, bis er 2014 Bürgermeisterkandidat Kemmelmeyer als Stimmenfänger unterstützte und überraschend als Häufelkönig mit dem drittbesten Ergebnis in den Gemeinderat gewählt wurde. Den Freien Wählern vergaß Läßing, der in seinem tiefsten Herzen immer Sozialdemokrat blieb, nicht, dass sie nach dem Bruch mit dem SPD-Ortsverein mit ihm eine „Zweckehe“ eingingen.

Dass er im Mai 2014 für die PWU noch einmal in den Gemeinderat einzog, freute ihn, weil es eine Genugtuung und Bestätigung war nach dem Zerwürfnis mit dem SPD-Ortsverein, den er lange leitete und dann gekränkt verließ. Aber schon nach der Kommunalwahl deutete Läßing an, dass er aufgrund seines Alters nicht die ganze Legislaturperiode ableisten werde. 

Jetzt steht der 80-Jährige in der Mitte des Saals und dankt für die „vertrauensvolle Zusammenarbeit“. Die Entscheidung, „nach zwei Jahren und zwei Monaten“ auszuscheiden, sei ihm nicht leicht gefallen. Er spricht ruhig und gelassen und braucht auch kein Mikrofon. Scherzhaft zitiert er den früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann, der habe drei Phasen des Alters unterschieden: „Phase eins: Wenn man selber merkt, dass man alt wird. Phase zwei, in der es auch die Mitmenschen feststellen, und Phase drei, wenn man es selber nicht mehr merkt und nur noch die anderen.“ Die Zuhörer lachen. Er habe lange in Phase eins verharren dürfen, sagt Läßing trocken, und wolle nicht in Phase zwei und drei kommen. 

Dem Gremium wünscht er viel Freude am Entwickeln der Gemeinde: „Kommunalpolitik, das ist das ständige Bohren dicker Bretter.“ Er appelliert an den Gemeinderat: „Bei allen gegensätzlichen Meinungen sollte nie vergessen werden: Wir haben alle das Wohl unserer Bürger im Auge. Die Mehrheitsentscheidungen, das ist die Demokratie hier im Kleinen, die sollte man immer hochhalten.“ Sie sei „das wirksamste Instrument“ auf kommunaler Ebene. 

Nach seiner Verabschiedung sitzt Klaus Läßing im Zuschauerraum und verflogt die Vereidigung seiner Nachrückerin Gertrud Mörike, die jetzt seinen Platz in der PWU- Fraktion einnimmt. Kurz darauf ist er verschwunden.

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