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Herbert Hilterscheid hat den Unterföhringer Kleingartenverein mit gegründet. Er starb im Alter von 71 Jahren.

Unterföhringer trauern um Herbert Hilterscheid

Ein Freigeist ist gegangen

Ein eigenes Stückchen Garten – das war der Traum vieler Unterföhringer, die in einer Mietwohnung wohnten. Herbert Hilterscheid ergriff die Initiative zur ersten Kleingartenanlage in Unterföhring und gründete mit 14 Mitstreitern 1986 einen Verein.

„Wenn man zu seiner Gartenparzelle kam, lud er einen ein und fragte: Was kann ich tun, wo kann ich helfen“, erinnert sich Artur Lutz, der heutige Vorsitzende, der Herbert Hilterscheid im Juli kurz vor seinem Tod noch zum Ehrenmitglied ernannte.

„Sein Garten war sein Paradies“, erzählt seine Frau Gabi Sanders-Hilterscheid. Hier zog er Gemüse und pflanzte Blumen. Doch in seinen letzten Jahren fehlte ihm die Kraft dazu, oft saß er vor seinem Gartenhaus und sah einfach den Vögeln zu.

Mit 32 Jahren heiratete der groß gewachsene Westfale, der in der Nähe von Essen aufwuchs, seine Gabi, eine waschechte Berlinerin. Das Paar fasste in Unterföhring Fuß, wo es an der Fichtenstraße in einer Drei-Zimmer-Wohnung bald mit zwei Töchtern lebte. Mit Nachbarn organisierte Herbert Hilterscheid das erste Straßenfest, dem viele weitere folgten, ebenso wie ein regelmäßiges Engagement beim großen Benefiz-Christkindlmarkt im Unterföhringer Advent.

Beruflich reiste Herbert Hilterscheid als Vertreter für Medizintechnik im Auftrag einer Hamburger Firma zu niedergelassenen Ärzten in ganz Deutschland. Später konzentrierte er sich auf den Vertrieb in Bayern. Nach der Wende kamen Praxen in Thüringen und Sachsen dazu.

Seine Freizeit verbrachte er am liebsten in der Kleingartenanlage, die er maßgeblich mitaufgebaut hatte. Seine Frau erinnert sich noch genau, wie die Idee dazu entstand: „Wir saßen auf unserem Balkon, hatten unsere Kästen bepflanzt und keinen Platz mehr für weitere Blumentöpfe. Wir fragten uns, was kann man machen.“

Im Mai 1986 gründete Herbert Hilterscheid mit 14 Freunden den Kleingartenverein Unterföhring und wurde der erste Vorsitzende. Den damaligen Bürgermeister Klaus Läßing holte er dazu. „Der machte die Sache schnell zu seiner eigenen und bemühte sich um eine Fläche“, erzählt Gabi Sanders-Hilterscheid. Die wurde nahe der Wohnbebauung, auf halbem Weg zum Feringasee gefunden. „Das war damals teils Brachland, teils Ackerfläche.

Die „Pioniere“ konnten es kaum erwarten, bis die ersten Parzellen abgesteckt, Gartenhäuschen aufgestellt und Wasserleitungen verlegt wurden. „Wir waren voller Eifer“, sagt Gabi Sanders-Hilterscheid über diese Aufbaujahre am Aschheimer Weg. Gemeinsam errichteten sie ein Vereinshaus, und die Ungeduldigsten pflanzten im Herbst 1989 die ersten Bäume und Sträucher. „Keiner von uns hatte viel Ahnung von Gartenarbeit.“ Im Sommer 1990 ernteten sie das erste Gemüse, und auch die nachbarschaftlichen Beziehungen wuchsen. In Rekordzeit war eine schöne Anlage gewachsen, in der heute die Unterföhringer gerne spazieren gehen. Nach diesen bewegten Jahren engagierte sich SPD-Mitglied Hilterscheid ab 1990 in der Kommunalpolitik. Sechs Jahre war er Mitglied des Gemeinderats. „Er war inspirierend, hatte gute Ideen, hat gekurbelt und gearbeitet“, sagt Klaus Läßing (80), der damals Bürgermeister war.“

Ebenso wie er selbst war sein Freund Herbert Hilterscheid ein leidenschaftlicher Zeitungsleser. Themen, die er besonders interessant fand, schickte Hilterscheid per Link an Freunde weiter.

Auf der Suche nach Meinungsaustausch trat Hilterscheid den Freimaurern bei und traf sich viele Jahre in der Münchner Innenstadt mit seinen Logenbrüdern. Abwechselnd bereiteten sie Referate zu verschiedenen Themen vor. „Er war ein Freigeist auf der Suche nach Sinn“, sagt seine Frau. Als Gesprächspartner schätzte ihn auch sein Freund Klaus Läßing: „Es war immer ein ehrlicher Austausch möglich. Man konnte mit ihm über alles reden."

Nach einer langen und komplizierten Krankheit verließen Herbert Hilterscheid am 29. Juli im Alter von 71 Jahren seine Lebenskräfte. Er hinterlässt neben seiner Frau Gabi und beiden Töchtern zwei Enkelinnen.

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