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Schulter an Schulter arbeiten Helfer an der Koppel. Der Helferkreis „Gemeinsam für Flüchtlinge“ unterstützte den Verein „Mehr Spielraum für Kinder“ bei der Aktion.

Handfester Streit

Wird Jugendfarm Unterföhring zum „elitären Reitclub“?

Unterföhring - Ein elitärer Reitclub auf der Kinder- und Jugendfarm? Das Team des Kreisjugendrings will Pferde anschaffen, um die es schon im Vorfeld haltlose Gerüchte und handfesten Streit gibt.

Zwei bis vier kleine Pferde sollen im Jahr 2017 ihr neues Heim an der Jahnstraße in Unterföhring beziehen. Meerschweinchen, Kaninchen, Schafe, Katzen und Hühner wohnen schon auf der Kinder- und Jugendfarm und werden vom KJR-Team gemeinsam mit vielen kleinen und großen Ehrenamtlichen betreut.

Dienstpläne für Ehrenamtliche Pferdepfleger

Die Gemeinde, die die Farm finanziell unterstützt, hat für die Pferde ein angrenzendes Grundstück als Koppel zur Verfügung gestellt. In den vergangenen Monaten haben die haupt- und ehrenamtlichen Helfer alles für die Ankunft von Haflingern und Isländern vorbereitet und auch einen Zaun um die Koppel gebaut. Farmleiter Markus Gabler und sein Team haben eine Pferdegruppe ins Leben gerufen, in der sich zehn bis 15 Jugendliche und junge Erwachsene auf die Arbeit mit den Pferden vorbereiten. Für jedes Pferd wurde eine Team gebildet, das Dienstpläne der Ehrenamtlichen vereinbart.

Wilde Gerüchte im Ort

Im Ort sorgte die Anschaffung der Pferde allerdings nicht nur für Begeisterung, sondern auch für Skepsis: „Gerüchte wabern herum, es gebe einen privaten Reitclub für Erwachsene etwas ganz Elitäres“, berichtete Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU) im Gemeinderat. Er steht hinter dem Konzept: „Die jungen Erwachsenen betreuen die Pferde im Hintergrund.“ Sie reiten sie aus, trainieren und erziehen die Pferde und versorgen sie, wenn die hauptamtlichen Mitarbeiter nicht da sind, zum Beispiel an Sonntagen. „Die artgerechte Haltung ist dem Teamleiter Markus Gabler sehr wichtig“, betont Kemmelmeyer. Doch auch die kleineren Kinder kommen mit den Pferden in Kontakt, dürfen sie füttern und aufsitzen. Geplant ist, das zunächst zwei Pferde angeschafft werden und später auf vier aufgestockt wird.

PWU wirft Kostenfrage auf

Gemeinderätin Edith Michal (PWU) fragte verwundert: „Haben wir jetzt eine Kinder- und Jugendfarm plus Erwachsene? Und was fallen für Kosten für Personal, Futter und tierärztliche Versorgung an?“ Kemmelmeyer entgegnete: „Das haben wir alles beschlossen.“ Sie könne von Farmleiter Gabler eine Kostenaufstellung bekommen. Und: „Dass die Pferde geritten werden müssen, ist doch klar.“

SPD-Gemeinderat Albert Kirnberger, der im Vorstand des Vereins „Mehr Spielraum für Kinder“ mitarbeitet, führte aus: „Ehrenamtliche Erwachsene stellen im Hintergrund die Versorgung der Pferde sicher.“ Auf Nachfrage sagte Markus Gabler: „Ich kann doch eine 15-Jährige nicht sonntags auf die Farm kommen lassen. Die Verantwortung ist zu groß. Die Versorgung der Tiere dauert zweieinhalb Stunden.“

Pferde sind wie ein Magnet für Kinder

Warum aber müssen es überhaupt Pferde sein? „Pferde sind ein großer Magnet für Kinder und auch für Jugendliche“, sagt Markus Gabler, und zu den Jugendlichen zählt der Sozialpädagoge auch junge Erwachsene bis 18 Jahre, für die die Farm eine Anlaufstelle sein soll.

Gründungsvorsitzender Karl Klietsch legt sein Amt nieder

Dass das Ausreiten erst ab 18 Jahre ermöglicht werden soll, ärgerte dagegen Karl Klietsch, den Initiator der Kinder- und Jugendfarm. Der 65-Jährige hat seinen Vorsitz im Verein „Mehr Spielraum für Kinder“ nach sieben Jahren abgegeben. Er hatte Ziegen und einen Esel anschaffen wollen und dafür großzügige Spenden organisiert, die er am Ende den Sponsoren zurückgeben musste, weil sich der KJR unflexibel gezeigt habe. Ein großer Kinderwunsch sei dadurch ignoriert worden, sagt Klietsch. „Es müssen nicht unbedingt Pferde sein“, findet er und auch die Koppel ist „überdimensioniert, da kann man Kaltblüter halten“.

An Interessen der Schüler und kleinen Kinder vorbei

Mehrere Entscheidungen des KJR-Teams und mangelndes Mitspracherecht, aber auch gesundheitliche Gründe veranlassten Karl Klietsch schließlich, den Vorsitz an die jüngere Generation abzugeben. „Für mich ist das Wichtigste, dass die Farm einen hohen pädagogischen Wert erhält“, sagt Klietsch: „Dass das Ausreiten erst ab 18 erlaubt sein soll, geht voll an den kleinen Kindern und Grundschülern vorbei.“ Es wäre gut, sagt er, „wenn der Gemeinderat die Zielgruppe der Jugendfarm endlich mal definiert.“ Der Farm wünscht er, dass sie weiterhin vom großen Engagement der Ehrenamtlichen getragen wird. Den Vorsitz im Verein führt nun der ehemalige SPD-Gemeinderat Ekkehard Wieprecht (54), der sich von Anfang an auf der Farm engagiert und zuletzt gemeinsam mit Jugendlichen den Boulderraum ausgebaut hat. Sein nächstes großes Projekt ist der Pferdebereich.

Kein geschlossener Zirkel

Die Pferdegruppe übrigens ist kein geschlossener Zirkel, sagt Gabler: „Wir wollten Jugendliche finden, die schon im Vorfeld bereit sind, sich zu engagieren und nicht erst, wenn die Tiere da sind. Noch ist die Gruppe offen, aber irgendwann werden wir sie schließen müssen und uns auf die konzentrieren, die Verantwortung übernehmen.“ Die Mitarbeit auf der Farm aber steht jedem offen, eine Mitgliedschaft im Verein „Mehr Spielraum für Kinder“ ist keine Voraussetzung.

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