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Mit Orden und Team: Traudl Schmidramsl ist mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet worden für ihr Engagement in der Ausbildung.

Bayerischer Verdienstorden

Wirtin aus Leidenschaft

Ismaning - Sie ist das Gesicht des Neuwirts in Ismaning und aus dem Ort nicht wegzudenken. Am Mittwoch hat Traudl Schmidramsl den bayerischen Verdienstorden in der Residenz erhalten, und zu Hause wurde sie gefeiert; es war fast schon ein kleiner Staatsempfang.

Die 70-jährige Ismaningerin ist eine gebürtige Garchingerin, deren Lebenswerk mit einer Fahnenweihe des Schützenvereins Eintracht Garching im Jahr 1962 begann. Sie war Fahnenmutter und ihr künftiger Mann Max Schützenkönig. 

"Wir haben damals das Licht brennen lassen, damit es von außen so aussah, als wäre es voll.“

Ein paar Jahre später trafen sich beide wieder in Ismaning und die Liebe war entbrannt. Max sagte seiner Gattin in spe da schon, dass sie ihm dann in der Gastronomie helfen müsse. Die Schmidramsls übernahmen den Neuwirt nach 30 Jahren Verpachtung als eine eher herunter gekommene Wirtschaft. „Wir haben damals das Licht brennen lassen, damit es von außen so aussah, als wäre es voll“, sagt die Gastronomin heute. Die Pläne der neuen Neuwirtin zur großen Expansion legte fast jeder als Überschätzung aus. 

Kleines Wirtschaftswunder vollbracht

Traudl Schmidramsl hielt aber Wort und etablierte das Lokal mit seinen vier Stuben und dem Festsaal zu einem der angesehensten Restaurants des Münchner Nordens. Zum Neuwirt gehören weitere vier Häuser mit 160 Hotelbetten und einem Appartementhaus. In 50 Jahren haben Traudl und Max Schmidramsl ihr eigenes kleines Wirtschaftswunder vollbracht. Den bayerischen Verdienstorden erhält die Wirtin aus Leidenschaft aber nicht für den Erfolg des Geschäfts, sondern für ihr Engagement um die Ausbildung junger Menschen. In einem halben Jahrhundert wurden knapp 250 junge Menschen beim Neuwirt ausgebildet. Und nicht wenige machten Karriere mit eigenen Lokalen, als Chefstewardess oder in der Crew eines Luxus-Kreuzfahrtschiffs. 1965 begann Traudl Schmidramsl im Neuwirt mit einem überschaubarem Team: „Wir hatten damals eine Ismaninger Köchin, zwei Bedienungen und eine Frau zum Abspülen.“ Deshalb rief sie eine Ausbildungsoffensive aus, um selbst gutes Personal auszubilden. Erster Lehrling war 1967 ihre Schwester Luise Cronauer. 

Basis ist die gute Ausbildung

Traudl Schmidramsl bewertete die Ausbildung immer als die Basis des Erfolgs, und „so bin ich dann in einige Gremien gerutscht“. Traudl Schmidramsl engagierte sich viele Jahre im Hotel- und Gaststättenverband, als Berufsschulbeirätin oder als Gründungsmitglied des Fördervereins für Ausbildung und Fortbildung junger Fachkräfte im Großraum München. Günther Bitterwolf, Oberstudiendirektor a. D. der städtischen Berufsschule für das Hotel-, Gaststätten- und Braugewerbe, gratulierte mit besonders großen Lobesworten: „Gäbe es mehr Vorbilder ähnlich wie Frau Schmidramsl, so könnte man der Berufswelt von Morgen getrost entgegensehen.“ 

Trotz des guten Rufes des Neuwirt wird es immer schwerer, Auszubildende für das Gastronomiegewerbe zu gewinnen. „Der Beruf ist verrufen durch viele schwarze Schafe“, sagt die Wirtin. Sie weiß zu gut, dass immer weniger Wirte ihrem Personal zwei Tage pro Woche frei geben. Auszubildende des Neuwirt müssen derzeit nur alle drei Wochen einmal am Wochenende arbeiten. 

Kinder und Enkel sind auch Gastronome

Richard Süßmeier, ehemaliger Wiesnwirt und Sprecher der Wirte auf dem Oktoberfest, war beim Festakt am Mittwoch unter den Ehrengästen. Er schickte einst seinen Sohn Luitpold nach Ismaning: „Aus dem Buam wird was, wenn ich ihn zur Traudl schicke.“ Nicht nur für ihn war Ismanings erste Adresse das Sprungbrett zu großen Engagements. Die Zukunft des Familienbetriebs ist längst gesichert. Sohn Max (50) und Schwiegertochter Angelika (50) arbeiten im Büro und im Hotel. Dazu lernen die Enkel Maximilian (23) und Lisa (22) bereits den Beruf des Gastronoms. Und die ewig junge Traudl Schmidramsl bleibt fester Teil des Betriebs: „So lange es gewünscht ist, helfe ich gerne mit.“

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