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Freundlichkeit bei der Lebensmittel-Ausgabe hat bei allen Tafel-Helfern oberste Priorität, so wie hier bei Christa Kettl.

Zehn Jahre Hilfe der Tafel Kirchheim

Nächstenliebe an der Ausgabe

Jeden Donnerstag holen sich 70 Bedürftige große Tüten mit Lebensmitteln ab im Tafel-Laden des Jugendzentrums. Seit genau zehn Jahren werden von der Tafel jede Woche 160 arme Menschen mit Essen versorgt.

Rainer (68), Annemarie (66) und Werner (70) wohnen alle im gleichen Haus, kommen seit Jahren zur Tafel. Kleider holen sie sich im Second-Hand-Café, Möbel am Trödel-Hof. Der eine war selbstständig: „Ich habe immer alles Geld in meine Firma gesteckt – jetzt hätte ich ohne Tafel nichts zu essen!“ Der andere hat immer einbezahlt: „Aber wenn die Miete weg ist, bleiben mir 100 Euro zum Leben.“ Alle drei loben die freundliche, nette Art der Tafel-Helfer und das große Angebot. „Es ist frustrierend, wenn man sein Leben lang gearbeitet hat – aber uns geht‘s im Vergleich zu den Millionen Kriegsflüchtlingen doch gut“, sagt Werner, der daher auch keinen Groll auf die von der Tafel versorgten Flüchtlinge hat.

 Josef (74) hat ebenfalls eine Mini-Rente, er freut sich am meisten über Joghurt und Pudding in seiner Tasche. Yuri (28) kam vor drei Monaten mit Frau und zwei Kindern aus Rumänien. „Ich will hier arbeiten, in meiner Heimat gibt es keine. Jetzt überleben wir mit der Tafel!“ Sonja (40) hat ein Schicksal als Drogensüchtige hinter sich, steht mit ihrem dreimonatigen Sohn auf dem Arm in der Tafel-Schlange, zu Hause wartet die zwölfjährige Tochter. „Ich finde nur langsam ins Leben zurück, ohne die Tafel wüsste ich nicht, was ich machen sollte!“ Thomas (30) ist Koch. Er kann nicht mehr voll arbeiten und hat noch nichts anderes. Seit zwei Jahren versorgt die Tafel ihn und seine fünfköpfige Familie.

 Vier Jahre kommt Kiriaki (35) aus Feldkirchen zur Ausgabe. „Nach einem privaten Absturz bin ich psychisch nicht stabil genug, um voll zu arbeiten. Mein Ziel ist es natürlich, dass ich die Tafel nicht mehr brauche!“ Das ist wohl das Ziel von allen, die von der Tafel versorgt werden. Die meisten werden es nicht schaffen. Und so verteilen die Tafel-Helfer gerne die üppig gespendeten Lebensmittel. „In Kirchheim gibt es seit 25 Jahren das „Soziale Netzwerk“, in dem viele Organisationen zusammenarbeiten und sich austauschen, wie man sozial Schwachen helfen kann. „Vor zehn Jahren entstanden überall Tafeln – nur bei uns bestand angeblich kein Bedarf dafür!“, berichtet Peter Möws (68), Gründer und Vorsitzender der Tafel Kirchheim. „Doch wir wussten, dass sich damals 15 Menschen das tägliche Essen nicht mehr selbst kaufen konnten. Innerhalb weniger Tage hatten wir 40 Helfer, heute sind es 60, die regelmäßig mitarbeiten!“, sagt Möws Mitstreiterin der ersten Stunde, Karin Scheels. 

Versorgt werden in den drei Gemeinden Kirchheim, Feldkirchen und Aschheim 70 Familien, hinter denen aktuell 160 Menschen stehen. Beliefert werden auch die Asyl-Wohnheime in Heimstetten, Aschheim und Dornach, für Gehbehinderte gibt es die Möglichkeit, mit einem Auto abgeholt und nach Hause zurückgebracht zu werden. Wer das nicht kann, für den wird ein großer Karton mit seinen Lebensmittel-Wünschen gepackt und geliefert. Zur Auswahl stehen sämtliche Grundnahrungsmittel, aber auch Süßigkeiten, vegane, vegetarische oder koschere Produkte. 

Jeder kann haben, so viel und was er will. Wer für eine größere Familie holt, bekommt mehr als ein Single. Anspruch auf die Tafel-Lebensmittel haben Menschen, die von Sozialleistungen leben mit dem entsprechenden Ausweis. Über 500 Mal fuhren seit Oktober 2006 jede Woche die Tafel-Männer mit dem gestifteten Kühl-Transporter 25 bis 30 Supermärkte, Discounter, Bäckereien, Obst- und Gemüseläden in den drei Gemeinden ab und sammelten gewaltige Mengen an Lebensmitteln ein. Diese werden in Räumen des Jugendzentrums zwischengelagert. Welke Blätter von Salatköpfen werden abgezupft, alles vorsortiert nach Warengruppen. „Alle Lebensmittel sind einwandfrei, bei den meisten läuft das MHD in wenigen Tagen ab, Brot und Backwaren sind einen Tag alt, aber Reis oder Nudeln sind ja ewig haltbar“, sagt Scheels. 

Die Hilfsbereitschaft für die Tafel ist laut Möws ebenso wie die Spendenbereitschaft sehr hoch. „Wir haben so viele Lebensmittel, dass wir sogar noch die Tafeln in Markt Schwaben, Poing, Ismaning und Oberföhring mitversorgen. Leider trauen sich viele Bedürftige nicht zu kommen. Wir hätten genügend da!“, lädt Christa Dannenberg ein, auch sie von Anfang an dabei. Das Ziel ist, Lebensmittel zu verteilen anstatt sie zu vernichten. Jeden Donnerstag ab 10 Uhr werden sie im Juz ausgegeben. Am 18.Oktober feiert die Tafel ihr zehnjähriges Bestehen.

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