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Nur zwei-statt vierspurig: Bürgermeister entlang der Gemeinden an der S2 fordern den viergleisigen Ausbau der Bahnstrecke im Münchner Osten. Ansonsten drohe ein Verkehrskollaps.

Bundesverkehrswegeplan

S-Bahn-Bündnis Ost: "Vollbremsung" nach Plan

Landkreis - Das Bundeskabinett hat den Bundesverkehrswegeplan verabschiedet. Auch im Landkreis geht ein Geldregen nieder auf bestehende Autobahnen und Bundesstraßen. Das S-Bahn-Netz wird vernachlässigt.

Maximilian Böltl ist vor einigen Monaten in Berlin gewesen, in der Hauptstadt, wo die Weichen gestellt werden für die weitreichenden politischen Entscheidungen. Der Kirchheimer CSU-Bürgermeister überreichte dem CSU-Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt persönlich eine schriftliche Stellungnahme des S-Bahn-Bündnis Ost. Die Zeit drängte schon damals. 

Das Bündnis ist ein parteiübergreifender Zusammenschluss von Bürgermeistern der Gemeinden entlang der S-Bahnline S2 im Münchner Osten sowie von Landräten und Unternehmerverbänden. Sie alle kämpfen für einen viergleisigen Ausbau der S2-Ost zwischen München Riem und Markt Schwaben inklusive Anbindung der Messe München. Schließlich befürchtet man im Münchner Osten einen Engpass auf diesem Streckenabschnitt, sollte die Bahnstrecke München-Mühldorf-Freilassing nur wie geplant ab Markt Schwaben ausgebaut werden.

1000 Projekte bis 2030 - 270 Milliarden Euro

Dobrindt soll zugesagt haben, dass sein Ministerium die Flaschenhals-Situation untersuchen werde. Eventuell könne man den viergleisigen Ausbau in den Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2030 mitaufnehmen, hieß es. Pendler und Anwohner eines S-Bahn-Systems an der Grenze zur Überlastung könnten hoffen. 

Das Bundeskabinett hat Dobrindts Verkehrsprogramm nun verabschiedet. 1000 Projekte will der Bund bis 2030 fördern, rund 270 Milliarden Euro sollen investiert werden in Straßen und Schienen. Davon entfallen 1,1 Milliarden auf die Region. Es ist ein wahrer Geldregen, der auf den Landkreis niedergeht: Der Abschnitt der A94 zwischen München Steinhausen und Feldkirchen wird als vordringlicher Bedarf aufgeführt, genauso wie der Ausbau des Autobahnkreuzes Süd (A99/A8) und vieles mehr.

Grüne im Landkreis München: "Der Bundesverkehrswegeplan vergeudet wertvolle Zeit"

Nun kennt man den Bundesverkehrsminister seit seinem Besuch im Landkreis vor einigen Wochen als einen, der anpackt, wenn es um sanierungsbedürftige Bahnhöfe geht. Gleichwohl durchsucht man den BVWP nach dem Wort S-Bahn vergeblich. Das Werk vernachlässigt den Ausbau des Münchner S-Bahn-Netzes. Das sorgt für Kritik in Region um die Landeshauptstadt. Antje Wagner, Sprecherin der Grünen im Landkreis, lässt sich in einer Pressemitteilung so zitieren: Es wimmle von Straßenbaumaßnahmen, dafür fehlten dringend nötige Schienenausbauten auf den Außenästen des Münchner S-Bahnnetzes. „Der BVWP vergeudet wertvolle Zeit für Verlagerung des Straßenverkehrs auf die Schiene.“ Sie spricht von einer „vertanen Chance“ und einer „schweren Hypothek für die Zukunft“. 

Das sieht man der CSU anders. Auch im Bahnbereich sei Bayern „erfreulich“ berücksichtigt worden, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann der Deutschen Presseagentur. Es werde dort die Infrastruktur modernisiert und ausgebaut, wo entsprechende Nachfrage herrsche und prognostiziert sei. Dies gelte etwa für den Ausbau der Bahnstrecken nach Tschechien und Österreich sowie die Schließung der Elektrifizierungslücke zwischen Hof und Regensburg. Und was ist mit dem Münchner Nahverkehr?

Droht dem Münchner Osten ein Verkehrskollaps? 

In den Gemeinden Aschheim, Feldkirchen und Kirchheim fürchtet man schon seit längerer Zeit einen Verkehrskollaps, sollte das S-Bahn-Netz nicht bald ausgebaut werden. Die Bevölkerung und die Zahl der Arbeitsplätze wachsen stetig. Das und der geplante Ausbau der Strecke Markt Schwaben-Mühldorf-Freilassing führen dazu, dass die ohnehin überlastete Bahnstrecke noch einmal deutlich mehr beansprucht werde, so die Sprecher des S-Bahn-Bündnis Ost. Maximilian Böltl sagt: „Beim ÖPNV hinken wir weit hinterher.“ Der 20-Minuten-Takt bei der S2 sei nicht mehr zeitgemäß. Diesbezüglich hofft er, dass beim BVWP „das letzte Wort noch nicht gesprochen ist“. Da der Bundestag noch über den Plan abstimmen muss, vertraue er auf den Einfluss auf die Bundestagsabgeordneten aus den hiesigen Stimmkreisen, wie zum Beispiel Florian Hahn aus Putzbrunn. Für Böltl ist nämlich klar: Sollte der viergleisige Ausbau der Schienenwege im Münchner Osten im BVWP fehlen, „wäre das eine Vollbremsung für die Entwicklung unserer Region“. Das sind deutliche Worte eines CSU-Bürgermeisters in Richtung des CSU-geführten Verkehrsministeriums. 

Wie das S-Bahn-Bündnis Ost mitteilt, untersucht derzeit das Verkehrsministerium den vierspurigen Ausbau mit Messeanbindung an die S-Bahn. Das Vorhaben könnte über den sogenannten Knoten München in den Maßnahmenkatalog einfließen und zum vordringlichen Bedarf aufsteigen. Im Dezember will der Bundestag über den BVWP abstimmen. Bis dahin können weitere Korrekturen vorgetragen werden.

rat

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