1000 schulpflichtige Asylbewerber, aber nur 280 Plätze

Zweite Berufsschule für den Landkreis im Visier

Landkreis - Eine Entscheidung von Tragweite: Der Kreistag will eine zweite Berufsschule ansiedeln. Ein Grund sind 1000 Asylbewerber, die es in der Schule dort unterzubringen gilt. Aber nicht nur sie brauchen Platz.

Rund 1000 jugendliche Flüchtlinge im Alter von 16 bis 21 Jahren gelten landkreisweit als schulpflichtig. Statt für sie einzelne Plätze in Provisorien zu vermitteln, soll es nun eine weitere, ohnehin dringend benötigte Berufsschule in Trägerschaft des Kreises geben. Der Landkreis Ebersberg wird ist in das Vorhaben einbezogen, betonte Landrat Christoph Göbel (CSU). 

Das Bayerische Kultusministerium unterstützt diesen Weg, der letztendlich auch ein integrativer ist: eine vollwertige Berufsschule statt einer Einrichtung für Asylbewerber. Diese Lösung drängt sich umso mehr auf, da im kommenden Schuljahr in den bestehenden Einrichtungen – der Berufsschule München Land in Riem, im Heiner-Janik-Haus (Jugendbegegnungsstätte am Tower) in Oberschleißheim sowie an der FOS/BOS Unterschleißheim – insgesamt nur elf Berufsintegrationsklassen und Vorklassen eingerichtet werden. Voraussichtlich zwei bis drei solcher Klassen aus dem Landkreis können in benachbarten Landkreisen aufgenommen werden. Damit gibt es aber erst für 260 bis 280 berufsschulpflichtige Jugendliche einen Platz. 

Noch in der Sitzung des Kreisausschusses wenige Tage vor der Zusammenkunft des Kreistages hatten sich die Fraktionen auf Berufsintegrationsklassen für die jugendlichen Asylbewerber verständigt. Aller CSU-Bemühungen zum Trotz, die Schulpflicht in Bayern für Asylbewerber auszuhebeln, ist jeder schulpflichtig ist, der sich seit mindestens drei Monaten im Land aufhält. 

Das Modell des Kultusministeriums sieht vor ein zweijähriges Beschulungsmodell vor, die Berufsintegrationsklassen. Sie bestehen aus einer Vorklasse und der eigentlichen Berufsintegrationsklasse. Sie lernen dabei die deutsche Sprache und weitere Voraussetzungen, um auf ein Ausbildung vorbereitet zu werden. Rund 20 Schüler sollen jeweils eine Klasse besuchen. 

Bei den 1000 im Landkreis angenommenen berufsschulpflichtigen Jugendlichen würde dies einen Bedarf an 50 Klassen bedeuten. Dieses Modell, immer als Übergangslösung gedacht, will der Landkreis nicht anwenden, sondern eine dauerhafte zukunftsfähige Lösung finden. Das Kultusministerium unterstützt den Kreis dabei. 

Doch als Schulaufwandsträger muss der Landkreis ausreichend Schulen bereit stellen. Der Freistaat kommt lediglich für das Personal auf. Von einer zweiten Berufsschule würden auch einheimische Schüler profitieren. Göbel nannte eine Größenordnung von 2000 Schülern für eine zweite Bildungsstätte: 1000 Flüchtlinge und 1000 Jugendliche aus den Landkreisen München und Ebersberg. 

Doch bis sie gemeinsam unter einem Dach lernen, dauert es noch. Darum will der Kreis in einem ersten Schritt Räumlichkeiten anmieten. Und zwar eine „möglichst schnelle Miet-Lösung“, betonte der Landrat. Der einstimmige Beschluss des Kreistags versetzt ihn in die Lage, bereits in der Sommerpause nach geeigneten Immobilien Ausschau zu halten. Gemeinden und Städte würden kontaktiert. „Wir sind gezwungen zu handeln, und es muss schnell gehen“, sagte Göbel. 

Mittelfristig wird der Kreis über den Kauf oder den Bau einer zweiten Berufsschule nachdenken. Für die Anmietung von Räumen, um Asylbewerbern eine Lernstätte zu bieten, stellt der Kreis eine halbe Million Euro zur Verfügung. Berufsintegrationsklassen können mit dem Freistaat abgerechnet werden.

Andreas Sachse

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