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Die alte Bergl-Wirtschaft im Jahre 1930. Dort im Berglwald gibt es immer noch eine Gaststätte.

Rechtsstreit 1930

Bier-Wucher im Berglwald Oberschleißheim

Oberschleißheim - Wegen Wucher hat ein Postsekretär aus München den Bergl-Wirt in Schleißheim verklagt. Es ging um sechs Pfennig beim Bierpreis, und es war das Jahr 1930. Fast 100 Jahre davor hat es in München sogar eine Bierrevolution gegeben. Was ist dagegen das alljährliche Jammer-Ritual über den Preis für die Wiesn-Mass?

Die erste Münchner Bierrevolution vom 1. März 1844 ist historisch belegt. Auslöser war eine Erhöhung des staatlich festgesetzten Bierpreises um einen Pfennig. König Ludwig I. begründete per Erlass diese Maßnahme mit einer landesweiten Rohstoffknappheit. Der Monarch erntete damit allerdings nicht nur Spott und Hohn, 2000 Bürger stürmten die Münchner Brauereien, warfen Fensterscheiben ein und zerstörten Mobiliar. Das herbeigerufene Militär verweigerte alle Befehle, gegen die Aufständischen vorzugehen! Ja, das Bier genoss im Lande Bayern schon immer ein hohes Ansehen.

Rechtsstreit um sechs Pfennige

Der Oberschleißheimer Gendarmerie-Kommissär Andreas Medick hatte, viel später, mit einem ähnlichen Problem zu kämpfen. Im Sommer des Jahres 1930 suchte ihn der Münchner Johann Pollety in seinem Dienstzimmer auf. Der Postsekretär erstattete Anzeige gegen den „Bergl-Wirt“. Anlass war ein Besuch der Waldwirtschaft am Sonntag, 10. August 1930. Dort musste er für einen Liter gewöhnlichen Bieres doch tatsächlich 60 Pfennig bezahlen. Weil an diesem Nachmittag weder ein Konzert stattfand noch eine andersartige Unterhaltung geboten wurde, so die Begründung, sei dieser Preis viel zu hoch angesetzt gewesen. Der Ankläger gab an, dass der normale Preis in Höhe von 54 Pfennigen sowieso schon genug sei und stellte die Forderung nach Schadensersatz.

Wirt verweist auf die Unkosten

Der Eigentümer des Lokals, Rudolf Söllner, wurde daraufhin „zur Sache“ befragt. Er gab an, dass die Bevölkerung in den Ausflugswirtschaften schon immer an Sonn- und Feiertagen mit einer kleinen Bierpreiserhöhung vorliebnehmen müsse und dies widerspruchslos hinnehme. Schließlich könne wegen der Witterungsabhängigkeit nur an sechs bis sieben Sonntagen mit einem guten Geschäft gerechnet werden. Auch die normalerweise angebotene Unterhaltungsmusik, so der Wirt, verursache Unkosten. Immerhin sei doch auf einer großen Tafel vor dem Haus die Höhe des Bierpreises für den Herrn Pollety ersichtlich gewesen. Außerdem hätte er dem Beschwerdeführer anstandslos den Sechs-Pfennig-Mehrbetrag erstattet, wenn dieser zu ihm an die Schänke gekommen wäre.

Kläger bekommt Recht

Der Hüter des Gesetzes in Schleißheim leitete am 16. August 1930 mit einem umfassenden Bericht die Sechs-Pfennig-Beschwerde an das Bezirksamt München (heute Landratsamt) weiter, wo sie auch pflichtgemäß bearbeitet wurde. Mit Gottes und Gesetzes Hilfe erhielt schließlich der vermeintlich Geschädigte die sechs Pfennige ausbezahlt.

Ach ja, die Gerstensaft-Revolution von 1844. Die Bierpreiserhöhung wurde damals sehr schnell zurückgenommen. Ende desselben Jahres verkündete das Münchner Hofbräuhaus sogar eine Bierpreisermäßigung, „um dem Militär und der arbeitenden Klasse einen gesunden und wohlfeilen Trunk zu bieten“.

Das „Waldrestaurant Bergl“, Bergl 1 im Wald bei Oberschleißheim gibt es immer noch. Klagen über zu hohe Bierpreise sind aktuell nicht bekannt. Otto Bürger



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