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Ein Gesicht, das auffällt: Castro Dokyi Affum steht an der Kasse des Metropoltheaters in München, als eine Casting-Agentin auf ihn aufmerksam wird. Der Beginn seiner Film- und und Fernsehkarriere.

Affum: Der „Dampfnudelblues“ war nur der Anfang

Fußballgott Buengo macht Karriere

Unterschleißheim - Castro Dokyi Affum ist 2008 nach Unterschleißheim gekommen – ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Heute ist der 28-Jährige Fitnesstrainer, Student - und ein bekannter Schauspieler.

Genau seit zwei Tagen ist er damals in Deutschland gewesen, deshalb erinnere er sich so gut daran, sagt Castro Dokyi Affum und beugt sich nach vorne. Der 28-Jährige ist einer, der gut und gerne erzählt, mit Händen, Geräuschen und vor allem seiner Mimik. Wird es lustig, biegt er die Mundwinkel nach oben, als seien sie mit Gummis an den Ohrläppchen festgezurrt. Wird es traurig, blickt er so deprimiert drein, dass man ihn sofort in den Arm nehmen will. 

Wobei er all dies womöglich gar nicht mehr bräuchte, ist sein Deutsch doch inzwischen nahezu perfekt – anders als an jenem Tag im Jahr 2008, als der frisch nach Unterschleißheim gekommene Ghanaer mit seiner deutschen Adoptivmutter an der Kasse des Metropoltheaters in München ansteht. Schon dort fällt ihm die Frau vor ihm auf, die immer wieder herüber linst. Wenig später spricht sie ihn an, und weil Castro Dokyi Affum eben noch kein Wort Deutsch spricht, muss seine Adoptivmutter die Sätze von Franziska Aigner übersetzen – ihres Zeichens eine der bekanntesten Casterinnen für Schauspieler in Deutschland.

Bayrisch? "Ich konnte ja nicht mal Deutsch"

Für einen Film suche sie jemanden wie ihn, mit seiner Ausstrahlung. Jedoch müsse derjenige Bayrisch sprechen. „Bayrisch!“, ruft Castro Dokyi Affum im Hier und Jetzt auf der Terrasse des Dolce-Hotels in Unterschleißheim – und wieder schießen seine Mundwinkel nach oben. „Ich konnte doch noch nicht mal ein Wort Deutsch!“ Dennoch bittet er die Frau, dass sie in Kontakt bleiben – der Film, das Theater, das sei schließlich schon von klein auf eine Herzensangelegenheit von ihm gewesen, sagt Castro Dokyi Affum und zieht aus einer Mappe zwei Fotos hervor. Sie zeigen den kleinen Castro auf der Bühne des Grundschultheaters in Ghana. „Mir hat das schon immer Spaß gemacht“, sagt er. „Und ich hätte sofort mitgemacht, aber leider war’s eine Sprechrolle.“

Aller Anfang ist schwer – das gilt bei Dokyi Affum nicht nur für die Schauspielerei, sondern auch für Deutschland. „Die ersten Wochen waren hart“, sagt er. „Die Deutschen waren so zurückhaltend, das war ich nicht gewohnt.“ Oder anders ausgedrückt: „Hier setzt du dich in der S-Bahn dorthin, wo’s leer ist. In Ghana dagegen setzt du dich im Bus dorthin, wo schon viele Leute sind.“ Mit der Zeit aber findet er sich immer besser zurecht mit Land und Leuten. „Wenn die Deutschen, und besonders die Bayern, dich einmal akzeptiert und aufgenommen haben, dann ist die Tür immer offen. Dann hast du ihr Vertrauen.“

Wenig Sprechzeit, dafür ein legendärer Satz

In punkto Schauspielerei braucht er freilich einen längeren Atem: Mehrmals wird er zu Castings eingeladen, stets folgen Absagen – bis er im Jahr 2011 für den „Dampfnudelblues“ vorspricht, der Verfilmung des Heimatkrimis von Rita Falk. Und die Rolle bekommt.

„Am Anfang habe ich gehofft, dass mich vielleicht mal ein paar Kumpels im Fernsehen sehen“, sagt Dokyi Affum. Doch dann kommt alles ganz anders: Der Film schafft es in die Kinos und wird zum Überraschungserfolg. Er spielt zwar nur die kleine Nebenrolle des angolanisch-stämmigen „Fußballgottes Buengo“ vom FC Rot-Weiß Niederkaltenkirchen. Doch damit schafft er es sogar in den Trailer – inklusive jenes Satzes, der bald zum Vorzeigespruch des Films wird: „Buengo, T-Shirt away, Trousers away, Ois away.“

Zumba-Coach oder Umwelttechniker? Schauspieler!

Fortan bekommt Dokyi Affum plötzlich Angebote für Auftritte in Serien und Kurzfilmen – ganz ohne Casting. Und er bleibt natürlich bei den Rita-Falk-Krimis an Bord. Obwohl seine Rolle im Buch zu „Winterkartoffelknödel“ (2014) gar nicht vorkommt, wird sie im Film extra eingebaut – ehe die mit ihm gedrehten Szenen hernach doch rausfliegen. In „Schweinskopf al dente“, der heute in die Kinos kommt, ist er indes wieder zu sehen – nicht als Fußballer, sondern als Pizzabote. Mittlerweile hat der 28-Jährige Schauspielunterricht genommen und einen Agenten. Die Tage am Set seien für ihn stets „absolut faszinierend“, sagt er. „Das macht mir riesig Spaß, ich will das unbedingt weiter machen.“

Wobei Dokyi Affum neben der Schauspielerei mehrgleisig plant. Im Fitnesshaus in Unterschleißheim arbeitet er als Trainer und Zumba-Coach, und dann ist da ja auch noch sein Studium: Umwelttechnik im zweiten Semester an der TU München. Nach dem Abschluss will er eine Firma gründen, die sich entweder der Meerwasserentsalzung widmet oder der Optimierung der Geothermietechnik – auch über diese Themen kann er mit hörbarer Begeisterung erzählen.

„All die Dinge, die ich im Moment mache, bereiten mir große Freude“, sagt er. „Wenn es nach mir ginge, würde das alles so weiterlaufen.“ Bleibt eigentlich nur die Frage nach der S-Bahn. „Wissen Sie was?“, sagt er und knipst wieder sein ansteckendes Lachen an. „Ich setze mich inzwischen selbst dorthin, wo’s leer ist. So viel zum Thema Integration.“

Patrik Stäbler

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