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Schwimmen lernen macht Spaß.

Initiative in Unterschleißheim: Schwimmkurse für Kinder

Unterschleißheim - Immer mehr Kinder können nicht schwimmen. In Unterschleißheim soll damit nun Schluss sein.

Seit einem Jahr fördert die Stadt Schwimmkurse für Grundschüler in Unterschleißheim. Trainingspersonal unterstützt Kinder im Schul-Schwimmunterricht. Unlängst erst hatte das Rathaus positive Bilanz gezogen (wir berichteten). Ohne bürgerschaftlichen Einsatz allerdings wäre dieser Erfolg kaum möglich gewesen. 

Im Frühjahr 2014 begleitete Christina Wolz (60) ihren Enkel zum Schwimmunterricht. Als sie erfuhr, dass 90 Erst- bis Viertklässler nicht schwimmen konnten, wurde sie aktiv: Die Unterschleißheimerin organisierte Sponsoren, gewann den SV Lohhof für ihre Ideen. Mit Ehemann Roland (65) an der Seite bietet sie seitdem zweimal im Jahr, in den Oster- und Herbstferien, Schwimmkurse für Grundschüler an. Schwimmlehrer stellt der SV Lohhof.

 Die Nachricht, dass 90 Grundschüler in Unterschleißheim nicht in der Lage waren, sich über Wasser zu halten, rief die Grünen im Stadtrat auf den Plan. Die Fraktion forderte Geld für Schwimmkurse im Freibad. Das Sehbehinderten- und Blindenzentrum zog mit, stellte das eigene Schwimmbad zur Verfügung. Seit vergangenen Herbst laufen die Kurse. Ein Umfrage hatte zwischenzeitlich ergeben, dass sogar 150 Grundschüler nicht schwimmen können. 

Im Herbst 2015 hatten die Eheleute Wolz bereits die ersten Schwimmkurse abgewickelt. 40 bis 60 Schüler pro Kurs besuchen seit 2014 den Schwimmunterricht. 248 Kinder sind seither von Trainern des SV Lohhof geschult worden. „Wir haben mit Erst- bis Viertklässlern begonnen“, sagt Roland Wolz. Da die älteren Grundschüler inzwischen schwimmen können, konzentrieren sich die Eheleute auf Erst- und Zweitklässler. Regelmäßig vor den Ferien klopft Christina Wolz in den Sekretariaten der drei Grundschulen an. Schüler und Eltern werden informiert. „Wir schaffen auf diese Weise eine Drucksituation in den Klassen“, erläutert Ehemann Roland: „Nach dem Motto: Alle können schwimmen, nur ich nicht.“ Die Kurse in den Oster- und Herbstferien werden bewusst nicht gratis angeboten. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass nichts taugt, was nichts kostet.“ 20 Euro zahlen Eltern für einen zweiwöchigen Kurs. Sponsoren finanzieren die Aufwandsentschädigungen für die Schwimmtrainer. Die Kasse stimmt. Schüler, die das Seepferdchen nicht geschafft haben, werden gratis nachgeschult. 

Das Ehepaar Wolz wird künftig auch Flüchtlingskinder aufnehmen. Von zehn angemeldeten Schülern erschienen acht zum jüngsten Herbst-Kurs. Gerade Eltern mit Fluchthintergrund tun sich laut Wolz schwer, „ihre Kinder ins Wasser zu lassen“. Der Grund ist meist die eigene Angst vor dem Nass. Ein Gutteil der erwachsenen Asylbewerber kann nicht schwimmen. Schwimmkurse für Flüchtlingskinder sind nicht altersbeschränkt. Im kommenden Jahr richtet das Ehepaar einen Kurs für Flüchtlingskinder der Unterschleißheimer Mittelschule aus. Die sind dann meist zwischen 16 und 18 Jahre alt. 

Die Stadt unterstützt die ehrenamtlichen Bemühungen der Eheleute Wolz. Es gibt zwar kein Geld. Bürgermeister Christoph Böck (SPD) sei dafür jederzeit bereit, logistische Hilfe zu leisten. „Wenn wir eine Bahn im Schwimmbad brauche, regelt er das sofort für uns“, erzählt Roland Wolz. „Der Bürgermeister lässt uns spüren, dass er unsere Arbeit gut heißt.“ Christina Wolz ist gleich im ersten Jahr ihres Projekt von der Stadt ausgezeichnet worden.

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