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Mutiger Einsatz: Michael Hellinger (li.) und Norbert Freisleben haben im Juni 2014 zwei Menschen aus dem Unterschleißheimer See gerettet. Dafür werden sie an diesem Mittwoch mit der Bayerischen Rettungsmedaille geehrt.

Sie retteten zwei Menschen vor dem Ertrinken

Lebensretter ausgezeichnet: „Ich bin froh, dass ich da war“

Unterschleißheim – Norbert Freisleben und Michael Hellinger haben zwei Menschen vor dem Ertrinken gerettet. Dafür werden sie mit der Bayerischen Rettungsmedaille ausgezeichnet. Die Ehrung hätten laut Freisleben aber eigentlich andere verdient.

Dieser Sonntag im Juni vor zwei Jahren war kein Badetag, daran erinnert sich Michael Hellinger ganz genau. „Es hatte maximal 20 Grad, es war bewölkt und windig“, sagt der 30-Jährige. Deshalb war die Wasserwacht Lohhof an diesem Sonntagnachmittag am Unterschleißheimer See nicht besetzt. Dass der ehrenamtliche Rettungsschwimmer dennoch vor Ort war, ist eher ein Zufall. Hellinger hatte beschlossen, Wartungsarbeiten durchzuführen.

Nur vereinzelt kommen an diesem Tag Besucher an den See. Einer von ihnen ist Norbert Freisleben. Der 46-jährige Wirtschaftsprüfer geht, wenn es seine Zeit erlaubt, täglich zum Schwimmen. Auf seiner letzten Bahn Richtung Ufer trainiert der ehemalige Leistungsschwimmer Rückenschwimmen. Den Mann, dem er das Leben retten wird, sieht er deshalb erst, als der direkt neben ihm untergeht.

„Ich dachte, ich hätte den Mann aus Versehen beim Rückenschwimmen am Kopf getroffen und ausgeknockt“, sagt Freisleben unserer Zeitung. „Ich habe den jungen Mann gepackt, bin mit ihm ans Ufer geschwommen, und hatte die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen.“ Erst später erklärt ihm ein Notarzt, dass er den Polen vor dem Ertrinken gerettet hat.

Schwierige Suche - bei trübem Wasser und schlechter Sicht

Kaum am Ufer stürmt ein Freund des Geretteten auf ihn zu, hält ihm ein Handy in die Hand, schreit und deutet auf den See. Freisleben reimt sich zusammen, dass dort noch weitere Menschen in Gefahr sind. Mit dem Handy des Mannes alarmiert er die Rettungskräfte.

Die Schreie des Mannes hat auch Michael Hellinger gehört. Er tritt auf den Balkon der Wasserwacht und weiß sofort, dass etwas nicht stimmt. „Ich habe mir Flossen und Taucherbrille geschnappt und bin zum Ufer gerannt“, sagt Hellinger. Der Mann mit dem Handy erklärt ihm, dass noch ein Mann und eine Frau in dem See untergegangen sind. Hellinger bittet Freisleben, ihm zu helfen.

Die Suche gestaltet sich jedoch schwierig. „Das Wasser war trübe, die Sicht schlecht“, erzählen beide. Mehrmals taucht Hellinger hinunter, immer wieder auf vier bis fünf Meter. „Das war aufgrund der Tiefe grenzwertig“, sagt Hellinger heute. Tatsächlich findet er den vermissten 27-Jährigen. Gemeinsam mit Freisleben bringt er ihn ans Ufer und beginnt mit Wiederbelebungsmaßnahmen.

Der Lebensretter denkt an die anderen Helfer

Kurz darauf treffen die Rettungskräfte ein. Es ist ein Großaufgebot aus Polizei, Wasserwacht, Rettungstauchern und Feuerwehr. Sie bergen die vermisste 23-Jährige aus neun Meter Tiefe, auch sie kann wiederbelebt werden. Beide kommen in eine Klinik, können dort letztendlich aber nicht gerettet werden und sterben. „Es hat mich sehr getroffen, als ich das gehört habe“, erzählt Hellinger. „Wir haben wirklich alles getan, was möglich war.“

Großeinsatz: Nach Freislebens Notruf rast ein Großaufgebot von Rettungskräften an den See.

Wie sich später herausstellt, war die junge Polin ins Wasser gegangen, obwohl sie nicht schwimmen konnte. Die beiden anderen Männer, ebenfalls Nichtschwimmer, hatten versucht, sie zu retten.

Für ihren mutigen Einsatz werden Norbert Freisleben und Michael Hellinger am Mittwoch gemeinsam mit 85 anderen Rettern von Horst Seehofer mit der Bayerischen Rettungsmedaille geehrt. Beide freuen sich über die Ehrung, auch wenn Freisleben findet, dass eigentlich andere die Medaille verdient hätten. „Ich bin froh, dass ich damals da war und helfen konnte“, sagt er. Wenn er sich an diesen Tag erinnert, denkt er aber an die anderen Helfer. „Es hat mich sehr beeindruckt, wie schnell und wie viele, vor allem ja ehrenamtliche Rettungskräfte, an diesem Sonntag vor Ort waren. Dieses Engagement ist doch viel wichtiger, als das, was ich gemacht habe.“

Beatrice Ossberger

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