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In enger Verbundenheit mit den Stammgästen: Gastronomen-Paar Timo Röpke (l.) und Jessica Brandenburg mit einem ihrer treuesten Besucher Tommi Piper. Der Synchronsprecher gab unter anderem der Serienfigur Alf seine Stimme.

Gastronomen-Paar will sich neu orientieren

Schlossrestaurant "Bellevue" schließt für immer seine Pforten

Oberschleißheim - Ob Dorade Royale oder Gambas in Safran-Sauce: Das Schlossrestaurant Bellevue in Oberschleißheim hat sich mit seinen hochwertigen französischen Speisen einen Namen gemacht und viele Auszeichnungen erhalten. Doch jetzt hat das Bellevue seine Pforten geschlossen – und das nicht, weil’s am Erfolg fehlt.

Sechs Jahre lang hat das Gastronomenpaar Timo Röpke (38) und Jessica Brandenburger (39) mit französischer Küche den Nerv von Feinschmeckern getroffen. Die Qualität von Küche und Service im Bellevue ist amtlich belegt. Röpke und Brandenburger sammelten Auszeichnungen wie andere Leute Briefmarken: Michelin Guide, Pellegrino, zwei Löffel vom Schlemmer Atlas, 1,5 Hauben im Großen Restaurant- & Hotel-Guide, dazu der Falstaff und ein eigener Beitrag im Foodhunter Magazin. Das Bellevue zählt zu den 250 besten Restaurants im Freistaat. Küchenchef Timo Röpke und Jessica Brandenburger, Chef de Service und Sommelier in Personalunion, hinterlassen eine kulinarische Lücke in Oberschleißheim. Auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs hören sie jetzt auf. Warum? „Das Leben ist zu kurz“, sagt Timo Köpke. „365 Tage im Bellevue. Weihnachten, Silvester, 1. Mai. Ist mal ein Tag frei, bist Du mit dem Kopf im Restaurant.“ Sie wollen beide mal raus, wollen durchatmen können. „Noch sind wir jung“, sagt Röpke und das klingt für einen Moment, als suchten sie nach was Neuem. Nein, sagt der Chef de Cuisine. Der Branche bleiben sie treu. Ob als Selbständige oder im Angestelltenverhältnis wissen sie noch nicht. Ebenso wenig wie sie wissen, wohin ihr Weg sie führt. „Hamburg oder Garmisch, wir sind da offen“, sagt Köpke.

pke. Röpke und Brandenburger sind schon ein halbes Leben lang ein Paar und teilen die gemeinsame Leidenschaft zur Gastronomie. Beide entstammen Gastronomen-Familien. Die Röpkes in München. Die Familie von Brandenburger an der Cote D‘Azur. Röpke, der als Koch Charakter und Ruf des Bellevue prägte, lernte im edlen Königshof am Münchner Stachus. Nach einem Intermezzo in Feldmoching, wo sie beide das Seehaus führten, tat sich in Oberschleißheim die Gelegenheit auf, ein Restaurant nicht nur zu führen. Das Bellevue getalteten sie nach eigenen Vorstellungen.

Das Bellevue ist ebenso geschmackvoll wie schlicht eingerichtet. Keine Tücher, keine Fransen, kein Schnickschnack. Keine quasi französischen Mitbringsel an der Wand. Da ist nichts Überladenes. Eine hölzerne Bar bloß, Korbstühle um zwei, drei Tische. „A Meal without Wine is called Breakfast“ (Ein Essen ohne Wein nennt sich Frühstück) ist auf einem Schild zu lesen. Röpke und Brandenburger haben sich auf französische Küche spezialisiert. Dazu gehört auch eine ordentliche Auswahl edler Tropfen.

Wie beliebt das Restaurant über die Grenzen Oberschleißheims hinaus war, zeigte sich am letzten Abend , für den Röpke und Brandenburger zu einer Abschiedsparty eingeladen hatten. Im Garten knisterte ein Grill, an dem sich Ludwig Probeck zu schaffen macht. Ein guter Freund Röpkes, der aushilft, wenn es Not tut. Die Gäste kamen pünktlich und in großer Zahl. Ihr zwangsloser Umgang miteinander und mit den Wirtsleuten zeigte, dass sich hier über die Jahre eine Gemeinschaft fand, die gute Speisen ebenso schätzt wie angenehme Gesellschaft. Auch Tommi Piper (75) gehörte zu den Stammgästen. Er ist bekannt als die Stimme von Alf aus der gleichnamigen Serie aus den 80er Jahren. Der gebürtige Berliner mit dem schelmischen Lachen synchronisierte auch Little Joe alias Michael Landon in Bonanza. Drei-, vier Mal die Woche kam er ins Bellevue. Nun sieht er es mit Wehmut, dass ein Lieblings-Restaurant für immer schließt.

Und nicht nur das: Das Haus soll endgültig abgerissen und mitsamt dem 2000 Quadratmeter großen Grund verkauft werden. Der Eigentümer, weiß Timo Röpke, will hier Wohnungen schaffen. Für die Gemende könnte es sich als Segen erweisen. Abgesehen von einem guten Franzosen ist kaum etwas so knapp in Oberschleißheim wie bezahlbarer Wohnraum.

Andreas Sachse

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